Belgien testet digitale Wasserzeichen für Sortierung von Lebensmittelverpackungen

Belgien startet als erstes europäisches Land einen großangelegten Test zur Trennung und Wiederverwertung flexibler Lebensmittelverpackungen. Mit einer Technologie, die unsichtbare Wasserzeichen nutzt, sollen die Recyclingziele der EU unterstützt werden.
(Bild: Fost Plus)

Belgien hat als erstes europäisches Land einen groß angelegten Versuch gestartet, flexible Lebensmittelverpackungen, die über den PMD-Sack (Belgiens Sammelsack für Kunststoff, Metall und Getränkekartons) gesammelt werden, in der Sortieranlage von Non-Food-Verpackungen zu unterscheiden. Zum Einsatz kommt dabei eine Technologie, die unsichtbare digitale Wasserzeichen auf der Verpackung nutzt.

In Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Mondelēz International, Ferrero, PepsiCo und Pladis koordiniert Fost Plus, die belgische Organisation für Recycling und Wiederverwendung von Haushaltsverpackungen, dieses innovative Projekt. Die Technologie basiert auf unsichtbaren digitalen Wasserzeichen, die auf der Verpackung angebracht sind. Diese Wasserzeichen ermöglichen es den Sortieranlagen, flexible Lebensmittelverpackungen von Nicht-Lebensmittelverpackungen zu unterscheiden. „Es ist vergleichbar mit einem QR-Code, der für das menschliche Auge unsichtbar ist, aber Informationen darüber trägt, was die Verpackung einst enthielt“, erklärt Philippe Gendebien, Business Innovation Manager bei Fost Plus. Wenn eine Verpackung über den PMD-Sack in einem Sortierzentrum eintrifft, können Kameras an der Sortierlinie diesen Code lesen und das Paket automatisch dem richtigen Abfallstrom zuordnen.

„Während wir Verpackungen heute bereits in 16 Materialströme sortieren, ermöglicht uns diese Technologie einen zusätzlichen Schritt – nämlich die Unterscheidung zwischen Lebensmittel- und Nicht-Lebensmittelverpackungen.“

Philippe Gendebien, Business Innovation Manager bei Fost Plus

Strenge Vorschriften für Lebensmittelsicherheit

Die Unterscheidung zwischen Lebensmittel- und Nicht-Lebensmittelverpackungen ist entscheidend, da strenge Vorschriften die Verwendung von recyceltem Kunststoff in Foodverpackungen regeln, um die Lebensmittelsicherheit zu gewährleisten. Bisher durfte nur recyceltes PET, das aus Getränkeflaschen oder Kunststoffschalen stammt, wieder für Lebensmittelverpackungen verwendet werden. Die Einführung von digitalen Wasserzeichen könnte diesen Prozess revolutionieren und die Recyclingquote für flexible Verpackungen erheblich steigern.

Philippe Gendebien: „Mindestens 95 Prozent der aus dem PMD-Sack sortierten PET-Verpackungen waren ursprünglich ebenfalls Lebensmittelverpackungen, weshalb der daraus hergestellte recycelte Kunststoff ebenfalls lebensmittelecht ist. Bei anderen flexiblen Verpackungen war dies bisher weitaus schwieriger, da die heutige Technologie in Sortieranlagen nicht in der Lage ist, flexible Verpackungen, die Lebensmittel enthalten haben, von Verpackungen für Non-Food-Produkte zu trennen. Durch diesen zusätzlichen Schritt mit digitalen Wasserzeichen wollen wir dazu beitragen, den Kreislauf zu schließen und Chipstüten und Keksverpackungen wieder in Lebensmittelverpackungen zu verwandeln.“

(Bild: Fost Plus)

Europäische Ziele und der HolyGrail 2030

Diese Technologie wird im Rahmen des europäischen Projekts HolyGrail 2030 – Circular Packaging Consortium Programms getestet, das von der European Brands Association AIM unterstützt wird. Ziel ist es, das Potenzial fortschrittlicher Sortiertechnologien zu erkunden und die Recyclingziele der EU zu erreichen. Die Initiative ist Teil der neuen europäischen Verpackungs- und Verpackungsabfallverordnung, die ab 2030 vorschreibt, dass Kunststoffverpackungen für Lebensmittel mindestens 10 Prozent recyceltes Material enthalten müssen.

Ein Schritt in Richtung Kreislaufwirtschaft

In Belgien werden die Sortierversuche von Fost Plus geleitet. Die sortierten Folienballen werden von Belgien aus zum Sortierzentrum des deutschen Unternehmens Hündgen Entsorgung transportiert, das mit speziellen hochauflösenden Kameras ausgestattet ist, die die digitalen Wasserzeichen lesen können – dank einer von Digimarc und Pellenc ST entwickelten Technologie. Dies ist zudem der allererste landesweite Versuch in Europa, bei dem flexible Post-Consumer-Verpackungen zum Einsatz kommen.

Philippe Gendebien betont: „Belgien ist bereits Vorreiter beim Verpackungsrecycling, und mit ‚HolyGrail 2030 – Circular Packaging‘ machen wir einen weiteren Schritt nach vorne. Wir testen die Technologie nicht im Labor, sondern mit Verpackungen, die Verbraucher tatsächlich nutzen und wegwerfen. Nur so lässt sich herausfinden, ob sie auch in der Praxis funktioniert, wo Verpackungen zerknittert, beschädigt oder verschmutzt sein können. Wenn der Versuch erfolgreich verläuft, eröffnet dies neue Möglichkeiten, um die europäischen Ziele für recycelte Materialien in Lebensmittelverpackungen zu erreichen und die belgische Recyclingkette noch weiter zu stärken.“

Quelle: Fost Plus