Wie kann die energieintensive und in bislang in hohem Maße von Erdgas abhängige Glasindustrie bis 2045 CO2-neutral werden? Dieser Frage geht der Bundesverband Glasindustrie e.V. (BV Glas) gemeinsam mit dem Institut für Energiewirtschaft und Rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart nach: Zur Glasstec 2026 soll die Studie „Glass 2045 – Roadmap for the Decarbonization of the German Glass Industry“ vorliegen.
Die Glasindustrie ist traditionell stark von fossilen Brennstoffen abhängig, insbesondere von Erdgas, das in großem Umfang für die Schmelzprozesse benötigt wird. Die Umstellung auf CO2-neutrale Energieträger erfordert nicht nur technologische Innovationen, sondern auch erhebliche Investitionen. Laut Prof. Dr. Peter Radgen, Leiter des Lehrstuhls für Energieeffizienz am IER, sind sowohl die Entwicklung neuer Technologien als auch die Anpassung bestehender Prozesse entscheidend, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen.
„Die Glasbranche muss die Transformation derzeit unter sehr erschwerten Bedingungen anschieben. Entscheidend für den Erfolg wären international wettbewerbsfähige Energiepreise, der beschleunigte Ausbau der Regenerativen Energien und Stromnetze und einer Wasserstoff-Infrastruktur sowie evidenzbasierte und langfristig verlässliche politische Rahmenbedingungen.“
Prof. Dr. Peter Radgen
Technologische Ansätze
Die Studie untersucht verschiedene technologische Ansätze zur Reduzierung der CO2-Emissionen in der Glasproduktion. Dazu gehören der Einsatz von Wasserstoff als Energieträger, die Elektrifizierung der Schmelzprozesse und die Integration erneuerbarer Energien. Jede dieser Technologien bringt spezifische Herausforderungen mit sich, sei es in Bezug auf die Verfügbarkeit, die Kosten oder die technische Machbarkeit.
„Wasserstoff einzusetzen wäre grundsätzlich viel einfacher, weil man damit an der bisherigen Wannentechnologie festhalten könnte. Darum ist hier bereits eine rege Diskussion entstanden und alle warten auf das künftige Wasserstoffkernnetz. Am Ende entscheiden aber auch die Kosten und Wasserstoff ist noch nicht wirtschaftlich – er ist aktuell fünfmal teurer als Erdgas – darum geht es da noch nicht voran“, erläutert Prof. Radgen. Und: Die Elektrifizierung ist ein guter Treiber für die Entwicklung neuer Wannenkonzepte in der Forschung und Entwicklung.
Ein weiterer Schwerpunkt der Studie ist die Verbesserung der Energieeffizienz. Durch den Einsatz moderner Technologien zur Wärmerückgewinnung und Prozessoptimierung können erhebliche Energieeinsparungen erzielt werden. Dies ist ein wesentlicher Schritt, um den Energieverbrauch zu senken und die CO2-Bilanz zu verbessern.
Wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen
Neben den technologischen Aspekten spielen auch wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle bei der Dekarbonisierung der Glasindustrie. Die Studie beleuchtet, wie staatliche Förderprogramme und gesetzliche Vorgaben die Umstellung auf CO2-neutrale Technologien unterstützen können. Prof. Radgen hebt hervor, dass klare politische Rahmenbedingungen und finanzielle Anreize notwendig sind, um den Übergang zu beschleunigen und Investitionen in neue Technologien zu fördern.
Die Dekarbonisierung der Glasindustrie ist nicht nur eine technologische, sondern auch eine wirtschaftliche Herausforderung. Die Branche muss in den kommenden Jahren erhebliche Investitionen tätigen, um die notwendigen Veränderungen zu realisieren. Gleichzeitig bietet die Transformation Chancen für Innovationen und neue Geschäftsfelder.
Die Ergebnisse der Studie „Glass 2045 – Roadmap for the Decarbonization of the German Glass Industry“ sollen als Leitfaden dienen, um die notwendigen Schritte zu identifizieren und umzusetzen. Die Glasstec vom 20. bis 23. Oktober 2026 in Düsseldorf wird eine wichtige Plattform bieten, um diese Themen zu diskutieren und die Branche auf ihrem Weg zur CO2-Neutralität zu begleiten.
Quelle: Messe Düsseldorf






