Etiketten unterstützen Recyclingprozesse

Etiketten spielen eine entscheidende Rolle im Recyclingprozess von Kunststoffverpackungen. Herma zeigt mit seiner deutlich erweiterten RecyClass-Zertifizierung, wie Etiketten zur Verbesserung der Recyclingfähigkeit beitragen können.
Etiketten aus abwaschbaren selbstklebenden Materialien machen HDPE- und PET-Verpackungen zu einer wertvollen Quelle von Recyclingmaterial. (Bilder: Herma)

Wer über recyclinggerechte Verpackungen für Kosmetik-, Healthcare- oder Reinigungsprodukte spricht, denkt meist zuerst an Flaschen, Behälter oder Verschlüsse. Doch auch die Etiketten spielen eine zunehmend wichtige Rolle. Bei Kunststoffverpackungen können sie darüber mitentscheiden, wie gut sich ein Materialstrom im Recyclingprozess aufbereiten lässt.

Wenn sich Etiketten und vor allem die darauf aufgebrachte Druckfarbe unter den Bedingungen des jeweiligen Recyclingverfahrens gezielt aus dem Prozess ausschleusen lassen, verbessert das die Qualität des zurückgewonnenen Rezyklats. Für Etikettendrucker und nicht zuletzt auch für Etikettenverwender rückt damit ein Thema in den Fokus, das lange eher als Spezialfall galt: Haftmaterialien, die nicht nur in der Verarbeitung und hinsichtlich der Optik überzeugen, sondern auch Design for Recycling unterstützen.

Genau hier setzt der Haftmaterialspezialist Herma seit einiger Zeit an. Mit seinem großen Portfolio an Haftmaterialien demonstriert er, wie sich Recyclingunterstützung, industrielle Praxistauglichkeit und Wirtschaftlichkeit heute sehr viel besser miteinander verbinden lassen als noch vor einigen Jahren. Anfang 2026 hat das Unternehmen noch eine deutlich erweiterte Zertifizierung durch RecyClass erhalten: Von nur wenigen Ausnahmen abgesehen sind praktisch alle gängigen eingesetzten PP- und PE-Folien in relevanten Kombinationen voll kompatibel mit dem Recycling starrer weißer und farbiger HDPE-Verpackungen.

Beim Einsatz der PP-flex-Etikettenfolien kann im Vergleich zu Standard-PE-Folien bis zu 40 Prozent Material gespart werden. (Bild: Herma)

Übergreifende Global-Player-Initiative

Das Urteil von RecyClass hat Gewicht. Denn es ist eine umfassende, branchenübergreifende Initiative, die die Recyclingfähigkeit von Kunststoffverpackungen vorantreibt und gleichzeitig die Rückverfolgbarkeit von Kunststoffabfällen und recycelten Kunststoffinhalten in Europa fördert. Zu den mehr als 100 RecyClass-Mitgliedern gehören unter anderem Global Player wie Pepsico, L’Oreal, BASF, Aldi, Nestlé, Bayer und Ferrero.

Klarer Vorteil für Wash-off-Anwendungen: Neue Materialien ermöglichen Etiketten mit hoher Transparenz, die sich im Recyclingprozess rückstandsfrei wieder abwaschen lassen. (Bild: Herma)

Bislang verfügte Herma nur für ausgewählte PP-Folien, nicht aber für PE-Folien über die begehrten RecyClass-Zertifizierungen. Jetzt gehört das Unternehmen zu den wenigen Anbietern, die von RecyClass entsprechende Zertifikate sowohl für PP als auch für PE erhalten haben. Konkret betrifft das Folienhaftmaterial mit einem permanenten Allround-Haftkleber oder einen bestimmten Standardfolienhaftkleber. Bei PP-Folien gilt dies sinngemäß erstmals auch für Anwendungen mit einem auf Clear-on-Clear spezialisierten Haftkleber.

Wachsender regulatorischer Druck

Für Etikettendrucker bedeutet das vor allem eines: mehr Handlungsspielraum. Denn je breiter das Spektrum an Haftmaterialien ist, das Recycling unterstützt, desto einfacher wird es, Gestaltung, Anwendung und Nachhaltigkeitsanforderungen miteinander in Einklang zu bringen. Mit der neuen RecyClass-Bestätigung sind recyclingorientierte Lösungen nicht länger nur auf spezielle Kombinationen beschränkt.

Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Denn der regulatorische Druck wächst deutlich. Zum Beispiel mit der europäischen Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle, der PPWR, rückt Design for Recycling in der gesamten Lieferkette stärker in den Mittelpunkt. Zwar handelt es sich um eine Regulierung der Europäischen Union. Für Unternehmen außerhalb der EU ist sie trotzdem relevant, sobald Produkte, Verpackungen oder Etikettenlösungen für den EU-Markt bestimmt sind. Wer international liefert, wird sich deshalb zunehmend an Kriterien orientieren müssen, die in Europa definiert werden.

Lösungen auch für PET

Dabei greift es zu kurz, nur auf HDPE zu schauen. Der Haftmaterialspezialist treibt seit Jahren auch Lösungen für PET gezielt voran und gehört heute zu den wenigen Anbietern, die belastbare Nachweise für die beiden großen Kunststofffraktionen PET und HDPE vorweisen können. Hinzu kommt, dass Zertifizierungen in diesem Umfeld nicht von einer einzigen Prüfinstanz erstellt werden. Herma arbeitet hier seit Jahren mit unterschiedlichen Bewertungsansätzen, unter anderem auf Basis der Vorgaben von RecyClass und von Cyclos-HTP, zwei der wichtigsten und angesehensten europäischen Player in diesem Bereich. Damit existieren bereits heute belastbare Orientierungen, auf deren Basis Materialentscheidungen getroffen werden können, auch wenn eine vollständige Harmonisierung der Prüfmethoden in Europa noch aussteht.

Die Reproduktion der Reibungskräfte, die auf Kunststoffflocken in echten Recyclingprozessen einwirken, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. (Bild: Herma)

Permanenter Allrounder statt Speziallösung

Eine zentrale Rolle bei entsprechenden Zertifikaten spielt der neu entwickelte Haftkleber 72Hpw. Dabei handelt es sich um einen permanenten Mehrschichthaftkleber, der in vielen Folienanwendungen kostenseitig mit Standardlösungen vergleichbar ist, zugleich aber Eigenschaften mitbringt, die den Recyclingprozess unterstützen können. „Dieser Haftkleber ist ein entscheidender Faktor“, betont Dr. Stefan Kissling, Head of Adhesive Coating and Special Coatings bei Herma. „Lösungen, die den Recyclingprozess unterstützen, finden im Moment nur dann breite Akzeptanz, wenn Anwender keine Kompromisse bei Kosten, Performance und Einsatzbreite eingehen müssen. Unser Ziel war von Anfang an, einen Haftkleber zu entwickeln, der ein breites Anwendungsspektrum abdeckt, das auch die Unterstützung des Kunststoffrecyclings umfasst. Und sowohl Kunden als auch Prüfinstitute bestätigen uns, dass das sehr gut gelungen ist.“

Aktuelle Beispiele aus dem Portfolio

Die Vielseitigkeit des Haftklebers 72Hpw lässt sich mit verschiedenen Beispielen noch untermauern. Für PET-Verpackungen wurden gleich zwölf Kombinationen aus 72Hpw und unterschiedlichen Etikettenmaterialien, darunter Papier, PE-, PP-Folien, für die Recyclingpfade 5, 5a und 5b, also transparente PET-Flaschen, andere PET-Flaschen und PET-Trays von Cyclos-HTP zertifiziert.

Dann sind auch die neuen Herma PP-flex-Etikettenfolien hervorzuheben. Sie wurden für Kunststoffverpackungen von Kosmetikprodukten, Haushalts- und Reinigungsmitteln bis hin zu Getränken und Lebensmitteln entwickelt, in denen bislang oft deutlich dickere PE-Folien eingesetzt werden. Mit einer Materialstärke von nur 45 µm kann bei ihrem Einsatz im Vergleich zu Standard-PE-Folien erheblich Material eingespart werden (prozentual bis zu etwa 40 Prozent). Gleichzeitig bieten sie Eigenschaften, die in der Praxis stark gefragt sind: gute Bedruckbarkeit, hohe Verarbeitbarkeit, Steifigkeit und Spendbarkeit. In Kombination mit 72Hpw wurden beide PP-flex-Folien bereits für Anwendungen zertifiziert, die den Recyclingprozess nicht nur von HDPE-, sondern auch von PET-Verpackungen unterstützen. Damit stehen diese Folien sowohl für Ressourceneffizienz als auch für Recyclingorientierung.

Ein weiteres Beispiel betrifft Clear-on-Clear-Anwendungen. Auch hier zeigt sich, dass der 72Hpw nicht nur in technisch geprägten Recyclingkontexten eine Rolle spielt, sondern ebenso in optisch anspruchsvollen Standardanwendungen. In Kombination mit transparenter PP-Folie verbindet er hohe Transparenz mit permanenter Haftung und Eigenschaften, die den Recyclingprozess unterstützen können. Für Anwendungen etwa in den Bereichen Kosmetik, Healthcare, Haushaltsreiniger oder Premiumverpackungen entsteht so eine Lösung, die gestalterische Ansprüche, industrielle Verarbeitbarkeit und Recyclingrelevanz miteinander kombiniert.

Der GreenGuide liefert innerhalb von Sekunden Vorschläge für geeignete selbstklebende Materialien. (Bild: Herma)

Interaktiver GreenGuide

Das Kunststoffrecycling zu optimieren, ist nur ein Gebiet, auf dem Etiketten Entscheidendes dazu beitragen können, um Ressourcen zu schonen. Wie sich unterschiedliche Nachhaltigkeitsanforderungen durch die Auswahl eines geeigneten Haftmaterials bedarfsgerecht umsetzen lassen, zeigt das Unternehmen mit seinem neuen interaktiven GreenGuide. Das aktuell lt. Unternehmensangaben einzige digitale Tool seiner Art führt Besucher strukturiert durch Kriterien wie Recyclingfähigkeit, Materialkompatibilität und regulatorische Vorgaben der PPWR. Etikettendrucker, Verpackungsentwickler und -gestalter sowie Markenartikler erhalten so eine fundierte Entscheidungsgrundlage für anwendungsspezifisch optimierte Lösungen. „Unser Anspruch ist es, diese neue Komplexität beherrschbar zu machen“, hebt Dr. Stefan Kissling hervor. „Mit dem GreenGuide schaffen wir Transparenz und zeigen konkrete, schon heute realisierbare Alternativen auf – von recyclinggerechten Haftklebern bis hin zu materialreduzierten Konzepten.“

Zertifizierung ist nicht gleich Zertifizierung

So wichtig die Recyclingoptimierung auch ist, das Thema Zertifizierungen bleibt derzeit dynamisch. Noch gibt es selbst in der EU keine einheitlichen Vorgaben, nach denen entsprechende Lösungen in jedem Fall geprüft werden müssten. Dennoch können sich Verpackungshersteller, Verwender und Etikettendrucker bereits heute an ausgewählten Zertifizierungen orientieren. Nach Einschätzung von Herma zählen dazu vor allem RecyClass, das Institut Cyclos-HTP und Petcore beziehungsweise die European PET Bottle Platform. Hinzu kommt das National Testing Center for Plastics in den Niederlanden, das ebenfalls an Bewertungsstandards arbeitet und eng mit RecyClass kooperiert.

packaging journal 4/2026

Dieser Artikel ist im packaging journal 4/2026 (September) erschienen.