Heuft Systemtechnik: Innovation aus Tradition

Leerbehälterinspektion
Einzigartige Entwicklung: Der InLineII IXS verfügt über die exklusive gepulste Röntgentechnologie zur sicheren Glas-in-Glas-Detektion bei der Leerbehälterinspektion.

Mit echtem Know-how und wegweisenden Innovationen definiert die Heuft Systemtechnik GmbH mit Sitz in Burgbrohl inzwischen seit 40 Jahren den Stand der Technik bei der Inline-Qualitätssicherung in Abfüll- und Verpackungsanlagen. Ein mittelständisches Familienunternehmen hat seinen Anteil daran, Wirklichkeit werden zu lassen, was 1979 noch unvorstellbare Science-Fiction war.

Jimmy Carter ist US-Präsident, Helmut Schmidt deutscher Bundeskanzler. Maggie Thatcher steht kurz vor dem Start ihrer langjährigen Amtszeit als britische Premierministerin. Der NATO-Doppelbeschluss ist das allbeherrschende Gesprächsthema. Pink Floyd feilt noch an „The Wall“, während sich der Blondie-Hit „Heart of glass“ schon seit Wochen auf Platz 1 der deutschen Single-Charts hält. Wer zurückdenkt an den April 1979, dem kommt so manches auch heute noch vertraut vor. Zugleich spürt er aber schnell, dass die damalige Welt noch eine ganz andere war.

Auch und vor allem technologisch: Heute allgegenwärtige Smartphones sind damals noch unvorstellbare Science-Fiction. Eingeweihte haben vielleicht schon einmal etwas vom Arpanet als Vorläufer des Internets gehört, aber es dauert noch gut zehn Jahre, bis erste Privatanwender ins „world wide web“ gehen und nochmal mindestens genauso lange, bis Surfen und E-Mail zum Massenphänomen werden. Von Digitalisierung ist noch keine Rede. So gut wie niemand hat einen Computer zu Hause, der erste IBM-PC kommt erst 1981 heraus.

 Erste Betriebsstätte von Heuft in Burgbrohl

Hier fing alles an: die erste Betriebsstätte in Burgbrohl.

Erste Weichenstellungen

Immerhin sind schon erste Mikroprozessoren auf dem Markt. Und ein paar Pioniere haben sich gleich an deren Programmierung gemacht – wie z. B. Bernhard Heuft bereits 1977. Außerdem befasst sich der Physikstudent intensiv mit Elektronik, Mechanik, Optik und Pneumatik. Während seiner Praktika und Ferienjobs beim Mineralbrunnen in seinem Heimatort Burgbrohl in der Vulkaneifel, war ihm nämlich so einiges aufgefallen: Elektronische Geräte zur Inline-Qualitätskontrolle gab es da noch nicht.

Flaschen mussten noch von den Mitarbeitern gezählt, sortiert und überprüft werden. Und die, die dabei als fehlerhaft erkannt wurden, entnahm man händisch. „Das geht aber auch anders“, denkt sich Heuft, „das geht aber auch besser“. Und er entwickelt im „Kellerlabor“ seines Elternhauses erste Zähl- und Kontrollgeräte. Schnell folgt der Prototyp einer optischen Füllstandkontrolle, die deutlich präzisere Ergebnisse liefert als bloßes Augenmaß.

Bernhard Heuft

Gut 15 Jahre nach der Gründung seines Unternehmens eröffnet Bernhard Heuft die gerade errichtete Produktionsstätte im neuen Industriegebiet.

Doch Bernhard Heuft will mehr. Jeden Fehlerbehälter zu erkennen, reicht ihm nicht aus. Zusätzlich will er sicherstellen, dass jeder einzelne von ihnen auch automatisch ausgeschleust wird – und zwar ohne umzufallen. So erfindet er das geniale Multisegmentprinzip: Mehrere einzeln pneumatisch ein- und ausfahrbare Ausleitfinger formen eine Kurve, die fehlerhafte Flaschen stehend und wackelfrei aus der Linie hinausbefördert, benachbarte Gut-Behälter aber unangetastet lässt. DELTA-FW nennt er diese allererste Multisegmentfließweiche ihrer Art, die Anfang 1978 zum Patent angemeldet wird. Kurz darauf wird sie zusammen mit der Füllstandskontrolle als Komplettsystem beim örtlichen Mineralbrunnen installiert.

Die Fließweiche DELTA-FW begründet 1978 das Multisegmentprinzip zur stehenden Ausschleusung von fehlerhaften Flaschen.

Die erste ihrer Art: Die Fließweiche DELTA-FW begründet 1978 das Multisegmentprinzip zur stehenden Ausschleusung von fehlerhaften Flaschen.

Start in die Selbstständigkeit

Weil auch andere Abfüller diese Lösungen nachfragen und rasch erste Aufträge eingehen, entschließt sich Bernhard Heuft zur Gründung einer eigenen Firma, der Heuft Systemtechnik GmbH. Am 1. April 1979 startet im ehemaligen Gebäude der Amtsverwaltung Burgbrohl mit zunächst zwölf Mitarbeitern der Betrieb. Dass deren Anzahl sich in den folgenden 40 Jahren auf weltweit 1.200 Beschäftigte verhundertfacht, zeigt, dass das genau die richtige Entscheidung war.

Denn von da an es geht Schlag auf Schlag: Das erste von inzwischen weit über 500 Patenten wird erteilt – für die Multisegment-Fließweiche. Schon 1980 folgt dann das erste Füllmanagementsystem, das zusätzlich zu fehlbefüllten Gebinden auch die Verursacher dieser Fehler lokalisiert, also das jeweils verantwortliche Füllventil.

Das erste Komplettsystem zur Füllstandkontrolle und Fehlerausleitung von Heuft.

Ein erfolgreicher Anfang: das erste Komplettsystem zur Füllstandkontrolle und Fehlerausleitung aus dem Jahr 1979.

Erste Monitore, erstes Baukastensystem

Zur Füllstandskontrolle nicht transparenter Behälter sowie zur Restlaugenerkennung wird kurz darauf die Hochfrequenzmesstechnik eingeführt. Und als erster Zulieferer bringt Heuft schon 1981 Geräte mit Monitor in den feuchten Flaschenkeller. Ein ganz neues Konzept, das zunächst noch Stirnrunzeln in der Branche auslöst. Doch die Entlastung und gezielte Unterstützung des Bedieners können bald punkten und setzen sich durch. Schon 1982 erweitert ein Neubau die Produktionskapazitäten in Burgbrohl. In den folgenden sechs Jahren kommen neue Standorte in Großbritannien, den Niederlanden, den USA und Spanien hinzu.

Und 1988 begründet die geräteübergreifende, multi-processingfähige SPECTRUM-Geräteplattform das, was Heuft als Systemtechniker auszeichnet: ein konsequentes Baukastenprinzip mit unterschiedlichsten Technologien, Funktionen und Modulen, die sich flexibel in ein und demselben Gerät kombinieren lassen, sodass damit alle möglichen Aufgaben und Anforderungen zur Inline-Qualitätskontrolle erfüllbar werden. Auf dieser Basis bringt das Unternehmen 1991 den allerersten Leerflascheninspektor im effizienten und platzsparenden Linearbetrieb heraus.

Der erste Leerflascheninspektor im effizienten Geradeauslauf von Heuft.

Ein echter Game-Changer: der erste Leerflascheninspektor im effizienten Geradeauslauf.

Zuvor gab es Vergleichbares nur als klobige, langsamer arbeitende Rundläufer. Erst dieses System bringt Geradlinigkeit in die Sparte. Es entwickelt sich zu einem echten Verkaufsschlager.

Erweiterung und Vernetzung

Klar, dass die Kapazität der Betriebsfläche da schnell wieder aus allen Nähten platzt. Nach der Gründung weiterer Standorte in Frankreich, Dänemark und Brasilien entsteht deshalb 1994 im Burgbrohler Industriegebiet „Am Wind die neue exklusive Produktionsstätte, die schon drei Jahre später noch einmal deutlich erweitert werden muss – unter anderem durch die sogenannte TORNADO-Halle, wo ab 1998 die ersten gleichnamigen Etikettiermaschinen gebaut werden. Diese verfügen nicht nur über eine offene, modulare Konstruktion und präzise arbeitende Etikettierstationen, sondern auch über direkt integrierte Erkennungseinheiten zur direkten Überprüfung der Etikettierqualität oder zur Füllstands- und Verschlusskontrolle im selben Arbeitsgang.

Praktisch zeitgleich nimmt man schon ein gutes Stück dessen vorweg, was anderswo erst 15 Jahre später unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ zum Trendthema wird: Die übergreifende Geräteplattform mit selbst entwickeltem Prozessor und Betriebssystem, eigener, speziell auf Inspektionsaufgaben zugeschnittener Bildverarbeitung und neuer grafischer PILOT-Benutzeroberfläche wird netzwerkfähig und heißt ab Ende der 1990er-Jahre SPECTRUM TX. Das macht eine Online-Ferndiagnose und -wartung möglich und bildet das Fundament für die Mitwirkung als Industriepartner bei der Ausarbeitung und Definition der 2005 veröffentlichten „Weihenstephaner Standards für die Betriebsdatenerfassung bei Getränke- und Verpackungsanlagen“ und damit für eine Echtzeitanalyse der Performance von Heuft-Systemen und ganzen Abfülllinien.

All-Surface-Inspektion

Mit dem SPECTRUM VX, der u. a. Füllstands- und Verschlussfehler sowie Flaschenbruch aufdeckt und zugleich permanent die Leistung der Füllventile und Verschließerköpfe überwacht, kommt 1998 das erste derartige System auf den Markt. Und kurz darauf der InLine, der eine geradlinige All-Surface-Inspektion leerer Gebinde auf nur einem Quadratmeter Grundfläche realisiert. Spätestens mit der selbst entwickelten Echtzeit-Bildverarbeitung reflexx wird er zum Synonym für Leerflascheninspektion und hält weltweit Einzug in Abfüllanlagen.

Neue Standorte in Italien, Mexiko, Argentinien, Hongkong, China, Österreich und Russland erweitern das dazu nötige Vertriebs- und Servicenetzwerk, während der exklusive Entwicklungs- und Produktionsstandort weiterhin in Deutschland bleibt. Zwischenzeitlich steigern neue SPECTRUM-TX-Systeme wie die Bändersteuerung synchron oder der squeezer zur Dichtigkeitskontrolle befüllter Kunststoffbehälter die Nachfrage nach modularen Heuft-Lösungen. Und mit der 2003 erstmals vorgestellten gepulsten Röntgentechnologie für volle Erkennungssicherheit und niedrigste Strahlung bei der Fremdkörperdetektion entsteht ein weiteres Alleinstellungsmerkmal, das das Unternehmen verstärkt auch in der Food-Branche Fuß fassen lässt.

Top-down-Inspektion mit gepulster Röntgentechnologie: Eine schonende und präzise Identifikation von Fremdobjekten sowie unvollständig verpackten Lebensmitteln und Pharmazeutika realisiert der eXaminerII XB.

Top-down-Inspektion mit gepulster Röntgentechnologie: Eine schonende und präzise Identifikation von Fremdobjekten sowie unvollständig verpackten Lebensmitteln und Pharmazeutika realisiert der eXaminerII XB.

Exklusive Röntgentechnologie

Die damit ausgestatteten eXaminer-Systeme identifizieren feste Fremdobjekte nicht nur in transparenten Flüssigkeiten und Flaschen, sondern auch in undurchsichtigen Produkten und Packmitteln. Von der Glas-in-Glas- bis zur Metall-in-Metall-Detektion gelingt eine extrem schonende und zuverlässige Identifikation gefährlicher Fremdkörper, die mit der 2010 vorgestellten reflexx²-Bildverarbeitung noch einmal deutlich präziser wird. Denn die realisiert eine gezielte Klassifikation unterschiedlichster Objekte auf den gestochen scharfen Aufnahmen.

2009 fällt der Startschuss für eine nochmalige Erweiterung der Betriebsfläche. Bis 2011 wird sie mehr als verdoppelt. Zugleich entsteht ein neues Kundenzentrum mit großzügigem Ausstellungs- und Testbereich. Kurz darauf tritt Bernhard Heufts Tochter Alexandra ins Unternehmen ein und sichert als neue Inhaberin die Zukunft des ganzen Teams als Familienunternehmen.

Alexandra und Bastian Heuft

Die neue Generation: Als gesellschaftende Geschäftsführerin sichert Alexandra Heuft mit Ehemann und Managing Director Bastian Heuft die Zukunft des Familienunternehmens.

Bevor sie 2016 zur gesellschaftenden Geschäftsführerin wird, pushen zahlreiche Neuentwicklungen den Unternehmenserfolg, nicht zuletzt die 2013 etablierte hoch automatisierte Geräteplattform SPECTRUMII.

Audiovisuelle Benutzerführung

Richtungsweisend ist deren neuartige NaVi-Benutzerführung, die die Systeme der neuen Generation praktisch selbst erklärend macht: Der Bediener wird zum kompetenten Benutzer. Universell, vernetzt, hochautomatisiert und intuitiv verständlich führt SPECTRUMII den von Beginn an eingeschlagenen Weg zu einer Systemtechnik-4.0-Plattform für intelligente QS-Systeme konsequent fort, wie z. B. der röntgenunterstützte Leerbehälterinspektor InLineIIIXS, der optisch kaum erkennbare Glassplitter in Restflüssigkeit zuverlässig identifiziert, oder der Linearläufer spotterIIPHS, der mit raffinierter Optik und gepulster Röntgentechnologie zum Game-Changer bei der Komplettinspektion mit sensiblen Pharmazeutika befüllter Primärpackmittel wird.

Der 2018 erstmals präsentierte TORNADOII dynamic kombiniert hohe Flexibilität bei der Etikettierung und Fehlererkennung mit audiovisueller Benutzerführung und effizienter Sprachsteuerung.

Der nächste Schritt: Der 2018 erstmals präsentierte TORNADOII dynamic kombiniert hohe Flexibilität bei der Etikettierung und Fehlererkennung mit audiovisueller Benutzerführung und effizienter Sprachsteuerung.

Am Puls der Zeit

Getränke, Food, Pharma: Für drei Branchen gibt es inzwischen QS-Lösungen aus dem modularen Heuft-Baukasten. Kein Wunder, dass 2014 ein dritter Erweiterungsbau her muss, der die Betriebsfläche am deutschen Stammsitz auf inzwischen über 45.000 Quadratmeter ausweitet. Von der Grundlagenforschung und Entwicklung bis hin zu Projektierung und 24/7-Servicebereitschaft werden dort alle Kompetenzen unter einem Dach gebündelt.

Mehrfach erweitert: der Heuft-Produktionsstandort mit großzügigem Kundenzentrum heute.

Mehrfach erweitert: der Produktionsstandort mit großzügigem Kundenzentrum heute.

Neue Standorte in Australien, Thailand und Indien bauen 2018 die globale Präsenz konsequent weiter aus. Und auch entwicklungstechnisch geht es stetig voran: ganz aktuell mit Etikettiermaschinen der neuen Generation, die eine NaVi-Funktionalität bieten werden, die man nur vom Smartphone her kennt und 1979 ebenfalls unvorstellbare Science-Fiction war: eine echte Sprachsteuerung.