JRC-Bericht: Wie wirtschaftlich ist chemisches Recycling in der EU?

Ein neuer Bericht des Joint Research Centre untersucht die wirtschaftliche Machbarkeit des chemischen Recyclings in der EU. Trotz höherer Kosten könnte es zur Erfüllung von Recyclingquoten beitragen.
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(Bild: Shutterstock/ITisha)

Die europäische Verpackungsverordnung PPWR sieht ab dem Jahr 2030 verbindliche Rezyklatquoten für Lebensmittelverpackungen und kontaktempfindliche Anwendungen vor. Chemisches Recycling könnte hierbei eine wichtige Rolle spielen. Ein aktueller Bericht des Joint Research Centre (JRC) der Europäischen Union beleuchtet die wirtschaftlichen Aspekte dieser Technologie und ihre potenzielle Bedeutung für die Einhaltung europäischer Recyclingvorgaben.

Die EU verfolgt ambitionierte Ziele zur Reduzierung von Plastikmüll und zur Förderung einer Kreislaufwirtschaft. Die Richtlinie über Einwegkunststoffe (SUPD) und die Verpackungsverordnung (PPWR) setzen klare Vorgaben für den Recyclinganteil in Kunststoffverpackungen. So müssen bis 2030 Getränkeflaschen aus PET zu mindestens 30 Prozent aus recyceltem Material bestehen, während andere Kunststoffverpackungen einen Recyclinganteil von 10 Prozent erreichen sollen. Das chemische Recycling könnte hier eine entscheidende Rolle spielen, um die erforderlichen Mengen an recyceltem Material bereitzustellen.

Der JRC-Bericht untersucht verschiedene chemische Recyclingtechnologien, insbesondere Solvolyse und Pyrolyse, die derzeit als die bedeutendsten Verfahren gelten. Diese Technologien ermöglichen die Zerlegung von Kunststoffabfällen in ihre chemischen Bausteine, die dann zur Herstellung neuer Kunststoffe verwendet werden können. Allerdings zeigt der Bericht, dass die Kosten für chemisch recycelte Polymere derzeit deutlich höher sind als für Neuware. So liegen die Kosten für aus Pyrolyse gewonnenes Naphtha 1,5- bis 3,5-mal höher als für Neunaphtha.

Hohe Kosten

Die hohen Kosten sind eine der größten Herausforderungen für das chemische Recycling. Der Bericht weist darauf hin, dass physikalisch-chemische Einschränkungen und relativ geringe Materialrückgewinnungsraten zu den höheren Kosten beitragen. Auch wenn schrittweise Innovationen und Effizienzgewinne erwartet werden, ist nicht davon auszugehen, dass diese die Kosten in naher Zukunft signifikant senken werden. Dennoch bietet das chemische Recycling eine Möglichkeit, hochwertige Kunststoffe zu produzieren, die für den Kontakt mit Lebensmitteln geeignet sind – ein Segment, das durch mechanisches Recycling allein nicht abgedeckt werden kann.

Stellungnahme von Chemical Recycling Europe

Chemical Recycling Europe (CRE), der europäische Verband der chemischen Recyclingindustrie, begrüßt den Bericht des JRC und betont, dass chemisches Recycling eine ergänzende Rolle zum mechanischen Recycling spielt. Laut CRE kann chemisches Recycling Abfallströme verarbeiten, die für mechanische Verfahren ungeeignet sind. CRE sieht die höheren Kosten als eine vorübergehende Herausforderung einer noch jungen Industrie und fordert politische Unterstützung, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Politische Maßnahmen gefordert

Um das Potenzial des chemischen Recyclings voll auszuschöpfen, fordert CRE die Fertigstellung der Regeln zur Massenbilanzierung und Maßnahmen zur Förderung der Nachfrage nach Kreislaufmaterial. Eine klare Durchsetzung der Recyclingvorgaben ist ebenfalls notwendig, um Investitionen in die Kapazitäten für chemisches Recycling zu rechtfertigen. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, die Kapazitäten zu erweitern, die erforderlich sind, um die EU-Recyclingziele zu erreichen.

Quellen: Eu-Kommission / Chemical Recycling Europe