Karl Knauer: Von der Kartonagenfabrik zum Trendsetter der Verpackungsbranche

Die Wiege des Erfolgs: Der Unternehmenssitz im Jahr 1968. (Bild: Karl Knauer)Die Wiege des Erfolgs: Der Unternehmenssitz im Jahr 1968. (Bild: Karl Knauer)

Dort, wo andere Urlaub machen, fern der Wirtschaftsmetropolen, mitten im Schwarzwald in Biberach/Baden, sitzt die Karl Knauer KG – einer der innovativsten Packaging-Experten Europas. Ein Verpackungshersteller, der heute zu den Top 10 der Verpackungsdrucker gehört, hochdekoriert mit sämtlichen Innovationspreisen der internationalen Verpackungsszene. Ein Unternehmen, das in seinem 80. Unternehmensjahr mit Innovationen in Sachen Verpackungsentwicklung begeistert und auch mit Erfolgsgeschichten bei der Herstellung von Werbemitteln sowie im Verpackungsmaschinenbau beeindruckt.

Mit einem Marktanteil von etwa 50 Prozent ist man die Nummer 1 bei Präsentverpackungen im Wein- und Spirituosenbereich und europaweit führend bei Notizwerbemitteln und Haftnotizen. Heute produziert Karl Knauer an drei Standorten mit über 800 Mitarbeitern auf einer Produktionsfläche von 52.000 m2 Faltschachteln für nahezu alle Branchen und erzielt einen Umsatz von ca. 108 Millionen Euro pro Jahr.

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Zukunftsthemen möglichst früh zu besetzen. Wir wollten schon immer Verpackungen und Werbemittel auf den Markt bringen, die man schlicht nicht für möglich gehalten hatte. Wir möchten eine einzigartige Fabrik sein, mit der unsere Kunden aus ganz Europa ihre Ideen entwickeln und in die Realität bringen können. Dabei soll hier der Mensch im Mittelpunkt aller Arbeits- und Geschäftsprozesse stehen. Bei uns leiten Werte wie Offenheit, Loyalität, Toleranz sowie soziales Miteinander das Denken und Handeln. Diese Kombination empfinden wir als „beeindruckend anders“, mit diesen Worten formuliert Geschäftsführerin und Gesellschafterin Stefanie Wieckenberg im 80. Unternehmensjahr die Ausrichtung des Familienunternehmens Karl Knauer.

Kartonagenfabrik in der Idylle

Der Gründungstag des Unternehmens „Karl Knauer Kartonagenfabrik“ war der 2. November 1938. Die badische Gemeinde Biberach gefiel Karl Knauer, es war ein schöner Ort am Prinzbachtal im Schwarzwald. Aus Ställen und Lagerräumen für Wein wurde eine Produktionsstätte für Rohkartonagen. Die damals 19 Mitarbeiter erreichten einen Umsatz von 41.768 Reichsmark.

Karl Knauer (Bild: Karl Knauer)

Karl Knauer (Bild: Karl Knauer)

Karl Knauer – zukunftsorientiert von erster Stunde an. Der Biberacher Ehrenbürger Karl Knauer war eine geschätzte Unternehmerpersönlichkeit. Von Beginn an sah er große Chancen darin, mit funktioneller Technik Arbeitsprozesse effizienter und zugleich leichter für die Mitarbeiter zu gestalten. Bis kurz vor seinem Tod Ende 1995 im Alter von 88 Jahren arbeitete Karl Knauer täglich in seinem Büro und begleitete stets interessiert die weitere Entwicklung des Unternehmens. In den 57 Jahren unter seiner Leitung stellte Karl Knauer alle wichtigen Weichen, die dem Verpackungshersteller so viele Wachstumswege ermöglichten: ein Vorausdenker, ein Wegbereiter, ein weitschauender Bürger.

Die Firma überstand turbulente und harte Kriegsjahre im Zweiten Weltkrieg, in der sie u. a. Feldpostschachteln, Stülpdeckelschachteln, Packhülsen mit Gurtbändern und Jutebeutel produzierte. Mit der Herstellung von Strohschuhen mit Bändern (eine Art Sandalen) setzte man 1946 die Arbeit nach dem Krieg in Biberach fort, und bereits zwei Jahre danach knüpfte Karl Knauer mit einem rasanten Aufbau der Verpackungsherstellung an die Vorkriegszeit an. Man produzierte Rohkartons, im Buchdruck gedruckte Verpackungen für die Zigarrenindustrie und viele andere spezielle Verpackungen.

Mehr Produkte, mehr Bereiche

1951 erwirbt Karl Knauer die Firma Hornung & Co. Kartonagenfabrik in Rastatt, die später umbenannt wurde in Kartonus-Huber GmbH und für die Pharmaindustrie sowie Feinkartonagen produzierte. Bereits sieben Jahre später legte man die Firmen zusammen, und 1958 erfolgte die Gründung des heutigen Stammsitzes in Biberach mit Verwaltungs- und Produktionsgebäuden. 106 Mitarbeiter genossen hier den Fortschritt und Raum zum Wachstum. 1964 erwirbt man die Börresen Couvertfabrik. Dieses Unternehmen wurde in das Werk Biberach integriert.

Der Startschuss für die Produktion von Werbemitteln fiel 1972: Die Firma Gödecke beauftragte Karl Knauer, Notizblöcke mit Schnittkantendruck herzustellen. Ein Beispiel für die Flexibilität und Neugier, Neues anzugehen und zum Erfolg zu führen. Heute zählt Karl Knauer zu den führenden Anbietern im Bereich Notizwerbemittel in Deutschland.

Seit 1974 produziert das Unternehmen auch Präsentverpackungen. Der Markt wurde rasch ausgeweitet, die Umsätze im Bereich Präsentverpackungen stiegen kontinuierlich bis heute. So ist Karl Knauer führend im deutschen Markt der Standardpräsentverpackungen.

Karl Knauer Logo Reh-Ausschnitt
Ein Reh als Logo: Als Naturmensch entschied sich Karl Knauer für ein heimatliches Waldtier als unternehmerisches Symbol. Der nach hinten gerichtete Blick bringt den historischen Unterlagen zufolge zum Ausdruck, dass man für eine erfolgreiche Zukunft seine „Verfolger“ bzw. Mitbewerber zwingend im Auge behalten sollte.

Wissenstransfer zum Maschinenbau

1982 fällt der Startschuss zur Auslieferung der ersten Verpackungsanlage aus dem hauseigenen Maschinenbau. Die Expertise aller Verpackungsprozesse wurde so intelligent zum Einsatz gebracht. Das Maschinenbaugeschäft wurde seitdem immer weiter vergrößert, sodass sich das Unternehmen zu einem innovativen Player in diesem Segment entwickelt hat.

Auf dem Stand der Technik: Anlieferung einer neuen Offset-Maschine im Jahr 1982. (Bild: Karl Knauer)

Auf dem Stand der Technik: Anlieferung einer neuen Offset-Maschine im Jahr 1982. (Bild: Karl Knauer)

Expansion in Polen

2004 übernimmt Karl Knauer die Firma Inga International mit Sitz in Braunschweig und Pniewy, Polen. Damit wurde die Marktführung im Bereich Notizwerbemittel ausgebaut, war doch damals die Firma Inga bereits die Nummer 2 im Markt. Braunschweig wurde zunächst als Verkaufsbüro weitergeführt, und Pniewy diente als Produktionsstätte für Notizwerbemittel. Seit 2007 werden dort auch Verpackungen hergestellt. Die Umfirmierung von Inga in Karl Knauer Poland Sp.z o.o. erfolgte schließlich 2010. Aktuell erfolgt die dritte Vergrößerung des Standorts.

Innovationsfreude für weitere Zukunftsvisionen

Wachstum braucht Raum, auch in Biberach. So wurde 2009 mit einer Investitionssumme von mehreren Millionen Euro das Verwaltungsgebäude in der Zentrale erweitert sowie eine hochmoderne Offset-Maschine von Heidelberger Druck im 6er-Format in Betrieb genommen. Begleitet von Beratungsunternehmen wie z. B. Porsche Consulting gelingt es immer wieder, Potenziale zu identifizieren und Prozesse zu verbessern.

„Wir wollen schlanker, schneller und einfach ständig besser werden. Selbstverständlich wollen wir auch Kosten reduzieren, um unseren Marktbegleitern weiterhin ein Stück voraus zu sein“, sagt Richard Kammerer, geschäftsführender Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsführung.

Kammerer verantwortet die Bereiche Forschung & Entwicklung, Marketing, Verkauf, Einkauf und Finanzen. Inzwischen sind die Lean- und Kaizen-Philosophien feste Bestandteile der Unternehmenskultur.

Die Führungsriege: Die geschäftsführende Gesellschafterin Stefanie Wieckenberg (Mitte), der geschäftsführende Gesellschafter Richard Kammerer (rechts) und der Geschäftsführer Joachim Würz (links). (Bild: Karl Knauer)

Die Führungsriege: Die geschäftsführende Gesellschafterin Stefanie Wieckenberg (Mitte), der geschäftsführende Gesellschafter Richard Kammerer (rechts) und der Geschäftsführer Joachim Würz (links). (Bild: Karl Knauer)

Next Generation: Karl Knauer 3.0

Unter dem Motto „Karl Knauer 3.0“ übernimmt 2016 Stefanie Wieckenberg die Verantwortungsbereiche von ihrem Vater Olaf Pohl für die beiden Unternehmen Karl Knauer KG und Karl Knauer Polen Sp.z o.o. als geschäftsführende Gesellschafterin.

Olaf Pohl (Bild: Karl Knauer)

Olaf Pohl (Bild: Karl Knauer)

Als Repräsentant der Inhaberfamilie stand Olaf Pohl für die Kontinuität des Familienunternehmens und war wichtiges Bindeglied zwischen dem Unternehmen und den Gesellschaftern. Zusammen mit seinen beiden Geschäftsführerkollegen hat er die Karl Knauer KG wesentlich weiterentwickelt.

Damit ist das Unternehmen in dritter Generation von der Eigentümerfamilie geführt. Ein weiterer Geschäftsführer neben Richard Kammerer ist Joachim Würz. Er ist verantwortlich für Produktion und Logistik, IT, Personal, Organisation und IMS.

2017 übernimmt Karl Knauer die Mehrheit an der HEPACK druck+verpackung GmbH aus Neuenstein mit deren Schwerpunkt Lebensmittelverpackung. Wenige Monate später firmiert diese unter dem Namen Karl Knauer GmbH. Damit ist die Unternehmensgruppe mit über 800 Mitarbeitern an drei Standorten in Deutschland und Polen vertreten. Mit Expertise in nahezu allen Bereichen der Verpackungsbranche aus Voll- und Wellpappe sowie der Produktion von Notizwerbemitteln, Präsentverpackungen, dem hauseigenen Maschinenbau und umfangreichen Co-Packing-Dienstleistungen steht man für Leistungsstärke, Flexibilität, höchste Qualität und natürlich für noch mehr Innovationskraft.

Medaillenregen für Innovationskraft

Karl Knauer ist heute mehr denn je ein wichtiger Player, wenn es um die Entwicklung von Meilensteinen geht. Das Unternehmen freut sich kontinuierlich über nationale und internationale Auszeichnungen, die seine Potenziale unterstreichen. Angefangen von allen deutschen Verpackungspreisen über die begehrten World-Star- und German Design Awards, ifDesign Awards bis hin zum renommierten Löwen in Cannes und zahlreichen Unternehmens- und Nachhaltigkeitspreisen: Karl Knauer zählt mit seinen unzähligen Ehrungen in der Verpackungsbranche zu den hochdekorierten Unternehmen. Spitzenreiter ist die erste leuchtende Verpackung für Barcadis Bombay Sapphire.

Hochprozentige Innovation: Die leuchtende Verpackung für Barcadis Bombay Sapphire wurde mit über 30 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. (Bild: Karl Knauer)

Hochprozentige Innovation: Die leuchtende Verpackung für Barcadis Bombay Sapphire wurde mit über 30 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. (Bild: Karl Knauer)

Leuchttürme in der Verpackungsentwicklung

Mit „HiLight – printed electronics“ präsentiert das Unternehmen 2012 die weltweit erste leuchtende Verpackung auf Basis von Elektrolumineszenz und läutet damit eine neue Ära der Markeninszenierung ein. Die Verpackung für Bacardis Bombay Sapphire wurde mit über 30 nationalen und internationalen Preisen ausgezeichnet. Angespornt durch diesen enormen Erfolg, hat das Team weitere innovative Technologien entwickelt, die Verpackungen zum Leuchten bringen: HiLight – printed OLEDS und HiLight – smart LEDs.

Im Bereich Smart Packaging begeisterte Karl Knauer erst kürzlich mit einem leuchtenden Coca-Cola-Etikett. Das Besondere ist, dass es auf Basis gedruckter OLEDs leuchtet und damit eine neue Art der Produktinszenierung am PoS ermöglicht. OLEDS sind wenige Nanometer dünne, selbst strahlende, flächige Lichtquellen, die aus organischen Halbleitern bestehen. Sie werden vollständig mit allen elektronischen Komponenten inklusive der Batterien gedruckt.

Mehr geht (noch) nicht: Black-Panther Promotion

Der jüngste Coup aus dem Hause Karl Knauer ist eine Kreativvorlage für die Getränkeindustrie: Karl Knauer produziert 2018 eine besonders spektakuläre Verpackung für die PepsiCo-Marke „Brisk“ und inszeniert damit den weltweiten Kinostart des Films „Black Panther.

„Dieses Projekt sprengt alles, was wir jemals entwickelt und produziert haben“, kommentiert Martin Glatz, u. a. Leiter Forschung & Entwicklung bei Karl Knauer, das außergewöhnliche Projekt. „Gemeinsam mit PepsiCo und Marvel Studios haben wir ein noch nie da gewesenes Feuerwerk der Veredelungskunst gezündet.“

Prägungen in allen Facetten, eine 20-sekündige Lichtchoreografie sowie raffinierte Klappmechanismen sorgen für den überraschenden Bühneneffekt, der sich nach dem Öffnen der ganz in Schwarz gehaltenen Verpackung ergibt.

Spektakuläre Inszenierung: Die Verpackung für die PepsiCo-Marke „Brisk“ inszeniert den weltweiten Kinostart des Films „Black Panther“. (Bild: Karl Knauer)

Spektakuläre Inszenierung: Die Verpackung für die PepsiCo-Marke „Brisk“ inszeniert den weltweiten Kinostart des Films „Black Panther“. (Bild: Karl Knauer)

Nachhaltigkeit als Unternehmensprinzip

Neben der technischen Ausstattung und der großen Innovationskraft legt Karl Knauer viel Wert auf das soziale Miteinander im Unternehmen. Die Mitarbeit und die Präsenz der Unternehmerfamilie sind durchgängig bis heute in der dritten Generation zu erleben. Von jeher wollten die Inhaber ihr Verantwortungsbewusstsein unter Beweis stellen. Karl Knauer startete schon 1971 das Versorgungswerk mit betrieblicher Altersversorgung. 1995 wurde die Karl Knauer Stiftung ins Leben gerufen. Sie unterstützt soziale Einrichtungen, Vereine und Institutionen in der Region.

Für alle Familien in der Region betreibt Karl Knauer mit einem befreundeten Unternehmen vor Ort und der Gemeinde Biberach die Kindertagesstätte „Fliegerkiste“, die u. a. mit familien- und arbeitnehmergerechten, flexiblen Betreuungszeiten punktet. 2011 gegründet, ist sie ein bisher einzigartiges Gemeinschaftsprojekt, das in dieser Form bundesweit zum ersten Mal zwischen Industrie und Kommune realisiert wurde.

Raum für richtungsweisende Ideen: Der Hauptsitz des Unternehmens heute. (Bild: Karl Knauer)

Raum für richtungsweisende Ideen: Der Hauptsitz des Unternehmens heute. (Bild: Karl Knauer)

Wie geht es weiter?

Kontinuierlicher Wandel bestimmt aktuell die Zeit. Rhythmen werden schneller, Zyklen kürzer. Die Globalisierung verschiebt Grenzen oder öffnet diese. Veränderungsprozesse sind natürlich eine Herausforderung. Als zukunftsorientiertes, innovationsfreudiges Unternehmen wird Karl Knauer weiterhin daran arbeiten, ein erfolgreiches familiengeführtes Unternehmen zu sein, das neue Marktpotenziale gewinnt, wirtschaftlich erfolgreich ist und dabei wertschätzend und sozial verantwortlich mit Mitarbeitern zusammenarbeitet.

„Wir wollen weiterhin attraktiv, erfolgreich und immer innovativ sein. Eben beeindruckend anders“, beschreibt Stefanie Wieckenberg die Ausrichtung für die Zukunft.