Die wirtschaftliche Lage der deutschen Aluminiumindustrie zeigt im zweiten Quartal 2026 ein zweigeteiltes Bild. Während spezialisierte Branchen wie die Luft- und Raumfahrt sowie die Verpackungsindustrie eine stabile Nachfrage verzeichnen, kämpfen die traditionellen Kernindustrien wie Automobil, Bauwesen und Maschinenbau mit Auftragsrückgängen. Diese Entwicklungen spiegeln sich in den Ergebnissen der aktuellen Konjunkturumfrage von Aluminium Deutschland wider.
Die Hälfte der befragten Unternehmen (50 Prozent) bewertet ihre Auftragslage derzeit als schlecht bis sehr schlecht, 30 Prozent sprechen von einer saisonüblichen Situation, während weitere 20 Prozent ihre Auftragslage als gut einschätzen. Die verhaltene Stimmung schlägt sich auch in den realen Produktionsdaten nieder. Die Herstellung von Aluminiumhalbzeugen sank im ersten Halbjahr 2026 um zwei Prozent auf knapp 1,15 Millionen Tonnen. Auch im Recyclingbereich ging das Gesamtvolumen im ersten Halbjahr um zwei Prozent auf rund 1,36 Millionen Tonnen zurück.
Die geopolitischen Spannungen, insbesondere der Iran-Konflikt, belasten die Branche zusätzlich. 85 Prozent der befragten Unternehmen berichten von steigenden Inputkosten für Rohstoffe und Vormaterialien, während 40 Prozent Störungen in den Lieferketten melden. Diese Unsicherheiten führen zu einer wachsenden Verunsicherung bei den Kunden und zwingen die Unternehmen, Preisanpassungen vorzunehmen und ihre Lieferketten anzupassen.
Wettbewerbsdruck aus China
Ein weiterer bedeutender Faktor ist der anhaltende Wettbewerbsdruck aus China. 85 Prozent der Unternehmen sehen China als Risiko für den Industriestandort Deutschland. Der aggressive Preis- und Unterbietungswettbewerb, gepaart mit ungleichen Umwelt- und Sozialstandards, stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Zudem befürchten viele Unternehmen eine Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen, was die Unsicherheiten weiter verstärkt.
Rohstoffverknappung erschwert Kreislaufwirtschaft
Die Rohstoffversorgung bleibt ein kritisches Thema. Die Verknappung von Aluminiumschrotten auf dem europäischen Markt stellt die Unternehmen vor große Herausforderungen. Hohe Schrottpreise und eine eingeschränkte Verfügbarkeit von Post- und Pre-Consumer-Aluminiumschrotten erschweren den Ausbau einer leistungsfähigen Kreislaufwirtschaft: 55 Prozent der Unternehmen spüren bereits die Auswirkungen der Verknappung.
Stabilitätsanker in der Krise
Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch Lichtblicke. Die Luft- und Raumfahrt, der Verteidigungssektor und die Verpackungsindustrie fungieren als Stabilitätsanker in der Krise. Diese Branchen verzeichnen eine überwiegend positive Auftragslage und bieten der Aluminiumindustrie eine gewisse Stabilität. Rob van Gils, Präsident von Aluminium Deutschland, betont die Notwendigkeit verlässlicher energie- und industriepolitischer Rahmenbedingungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland zu sichern.
Quelle: Aluminium Deutschland





