Kunststoffrecycling: Wachstumsmarkt trotz Herausforderungen

Trotz schwieriger Marktbedingungen bleibt das Kunststoffrecycling ein Wachstumsmarkt. Erema investiert weiterhin in innovative Recyclingtechnologien und setzt auf Produktion in Österreich.
CEO Manfred Hackl. (Bild: Erema)

Trotz herausfordernder Marktbedingungen entwickelt die Erema Gruppe ihre Recyclingtechnologien konsequent weiter. Um den Anteil an Rezyklaten in Kunststoffprodukten zu erhöhen, investiert das Familienunternehmen weiterhin in Forschung und Entwicklung. Angesichts des weltweit stark steigenden Kunststoffbedarfs erwartet die Unternehmensführung langfristig eine deutlich wachsende Nachfrage nach leistungsfähigen Recyclingtechnologien. Auch als Sekundärrohstoff gewinnt recycelter Kunststoff global zunehmend an Bedeutung.

Der Kunststoffrecyclingmarkt steht das dritte Jahr in Folge unter erheblichem Druck. Hohe Energiekosten, schwache Nachfrage nach Rezyklaten und der intensive internationale Wettbewerb belasten die Branche. Insbesondere für in Europa ansässige Unternehmen sei das eine Herausforderung, sagt Manfred Hackl, CEO der Erema Gruppe: „Wir haben in Europa eine Kostenstruktur aufgebaut, die Industriebetriebe im internationalen Wettbewerb zunehmend benachteiligt.“ 

Auch die Erema Gruppe bekam die Marktentwicklung zu spüren. Im letzten Geschäftsjahr, das Ende März endete, erzielte der Recyclingspezialist einen Umsatz von 235 Mio. Euro – ein Rückgang von 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Viele Kunden verschieben ihre Investitionen. Das spüren wir unmittelbar“, so Horst Wolfsgruber, CFO der Erema Gruppe. Dennoch konnte das Unternehmen das Geschäftsjahr mit einem profitablen Jahresergebnis abschließen.

Herausforderungen im Markt

Seit ihrer Gründung im Jahr 1983 hat Erema weltweit etwa 9.200 Systeme und Komponenten verkauft, die jährlich über 26 Millionen Tonnen Plastikabfälle recyceln können. Diese beeindruckende Zahl unterstreicht die zentrale Rolle, die das Unternehmen im globalen Recyclingmarkt spielt. 

Erema lädt regelmäßig internationale Gäste an den Standort in Ansfelden/Linz in Österreich ein, um neue Lösungen für das Recycling von Kunststoffen zu demonstrieren und anwendungsnahes Know-how zu vermitteln. (Bild: Erema Gruppe)

Der Markt für Recyclingtechnologien steht vor zahlreichen Herausforderungen. Steigende Rohstoffpreise, sich ändernde gesetzliche Rahmenbedingungen und die Notwendigkeit, die Qualität von recyceltem Material zu verbessern, sind nur einige der Hürden, die es zu überwinden gilt. Dennoch sieht Erema in diesen Herausforderungen auch Chancen, die eigene Marktposition weiter zu festigen und innovative Lösungen zu entwickeln.

Technologische Innovationen

Stark schwankende Eingangsmaterialien verlangen robuste Systeme. Entscheidend sind Filtration, Entgasung und ein tiefes Prozessverständnis. Genau hier liegen die Stärken der Unternehmensgruppe. „Die hohe Dekontaminationsleistung unserer Recyclinganlagen sichert die Qualität, ihre Robustheit sorgt für konstanten Output. Zusätzlich halten energieeffiziente Lösungen die Betriebsausgaben unserer Kunden möglichst gering“, so Hackl.

Kreislaufwirtschaft entsteht schließlich, wenn Materialdesign, Sammlung, Sortierung, Wäsche und Extrusion zusammenpassen, und das Rezyklat später in neuen, gleichwertigen Produkten eingesetzt wird. Durch die Technologiepartnerschaft zwischen Erema und Lindner Washtech erhalten Kunden eine integrierte Gesamtlösung vom sekundären Feedstock bis zum finalen Rezyklat. Durch die enge Verzahnung der Prozesse verbessern sich Qualität, Durchsatz und Wirtschaftlichkeit des gesamten Systems.

Auch neue Geschäftsfelder rücken zunehmend in den Fokus. Im Oktober 2025 beteiligte sich das Unternehmen an BlockTexx. Der australische Pionier hat ein Verfahren entwickelt, das Polyester und Cellulose aus Mischgeweben trennt – ein wichtiger Schritt im Recycling von Textilien. Die PET-Faserindustrie ist dreimal so groß wie die PET-Flaschenindustrie. Die Recyclingquote für Polyester beträgt bisher nur rund ein Prozent.

Kunststoffrecycling gehört zur moderne Rohstoffstrategie

Auch wichtige Wachstumsregionen wie China oder Indien erkennen zunehmend die Bedeutung der Kreislaufwirtschaft für Rohstoffversorgung und Wettbewerbsfähigkeit. Beide Länder treiben den Ausbau ihrer Recyclingwirtschaft mit eigenen regulatorischen Vorgaben und Initiativen voran. Erema ist in diesen Märkten seit rund drei Jahrzehnten aktiv, gründete bereits 2001 eine eigene Niederlassung in Shanghai und eröffnete im Februar 2026 gemeinsam mit Lindner Washtech Erema India. Weitere Niederlassungen befinden sich in Nordamerika, Südafrika und Thailand.

Quelle: Erema Group