Gut abgefüllt: Erfolgsprodukt Tschliner Bier

Auf der spezifischen Füll- und Verschließmaschine von Markl werden die 0,3-Liter-Bügelflaschen abgefüllt. (Bild: broesele)Auf der spezifischen Füll- und Verschließmaschine von Markl werden die 0,3-Liter-Bügelflaschen abgefüllt. (Bild: broesele)

Die „Bieraria Tschlin“ braut heute unten im Tal, in Martina im Unterengadin (CH), vier Bio-Biere und setzt neben viel Handarbeit inzwischen einen Markl-Langrohrfüller ein. Auf der speziellen Füll- und Verschließmaschine werden die 0,3-Liter-Bügelflaschen extrem sauerstoffarm und trotzdem mit ganz wenig CO2-Verbrauch dreimal wöchentlich abgefüllt.

Das Dörfchen Tschlin hat gut 180 Einwohner. Es liegt auf fast 2.000 Meter Höhe im Unterengadin (CH), direkt an der Grenze zu Österreich und Italien. Wer schon einmal zum Rafting, Wandern, Radeln oder Skifahren in der Region um Nauders, Scuol oder St. Moritz war, der kam an Tschlin, Martina und der etwas größeren Gemeinde Valsot vorbei. Neben einer grandiosen Landschaft vermarkten diese Gemeinden ihr berühmtes Bündnerfleisch, exzellente Käsesorten und eben ein vorzügliches Bier.

Die Idee einer Bieraria in Tschlin stammt von einem Zukunfts-Workshop in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends. Das Ziel war, die heimischen Produkte von 20 Kleinunternehmen gemeinsam besser zu vermarkten. Aus Tschechien stammte die erste Brauereieinrichtung, die Bildmarke BE für „Biera Engiadinaisa“ wurde entwickelt, dazu eine eigene Bierflasche, -glas und -deckel. Von Anfang an gab es für das Standardbier und weitere Sorten eine gute Nachfrage, viele Restaurants und Lebensmittelgeschäfte im Engadin offerieren es mit großer Treue und wachsendem Erfolg bis heute. Doch die Menge von 700 Hektoliter Bier aus den ersten Jahren genügte nicht zum Überschreiten der Gewinnschwelle.

Auf fast 2.000 Meter Höhe liegt die „Bieraria Tschlin“ und füllt mit Markl-Technik außergewöhnliche Biere ab. (Bild: broesele)

Auf fast 2.000 Meter Höhe liegt die „Bieraria Tschlin“ und füllt mit Markl-Technik außergewöhnliche Biere ab. (Bild: broesele)

Nach holprigem Start bergauf unterwegs

Treibende Kraft hinter der Brauereiidee war von Anfang an und ist bis heute Reto Rauch. Er forderte immer eine deutliche Modernisierung der Technik, um die Lieferbereitschaft und Haltbarkeit des Bieres zu erhöhen.

Nachdem im März 2015 mit dem Großhändler Coop vereinbart wurde, dass das „Tschlin Ambra“ in der ganzen Schweiz verkauft wird, wurde erstmals die Schallmauer von 1.000 Hektolitern überschritten. Mitte 2016 wurde die Brauerei in den Nachbarort Martina verlegt. Die Logistik ist nun deutlich einfacher als in Tschlin, das herausragende Hochgebirgswasser aber nach wie vor das gleiche. Die Kapazitäten wurden schrittweise erweitert und eine neue Steuerung eingebaut. Neben vier Bieren gibt es nun auch einen edlen „Tschliner Single Malt“ und einen Bierbrand, beide hergestellt aus „Biera Engiadinaisa“. Ganz neu ist der Bieressig – alles passt perfekt in die Linie.

Viel Handarbeit gepaart mit moderner Technik

Braumeister ist seit Kurzem von Paulaner kommend Christian Schneider. Ihm zur Seite steht der Bündner Adrian Müller. Gemeinsam kochen sie in einem computergesteuerten Sudhaus jeden Tag ein bis zwei Sude von je zehn Hektoliter, die Gärung in neun Tanks dauert zwei bis drei Wochen, die Reifung danach in 13 Drucktanks noch einmal so lange. Für die Abfüllung zuständig sind Natalie und Silvia. Von Hand werden die Mehrwegflaschen aus den Kisten auf das Band zur Flaschenwaschmaschine gesetzt, mit scharfen Augen danach auf Schmutzreste kontrolliert, gefüllt und die Bügelflaschen mit dick umklebten Daumen verschlossen. Anschließend werden sie von Hand in die Kästen oder auch Kartons in verschiedenen Größen gesetzt.

Die Mehrwegflaschen mit Bügel sind bereits mit einem eingebrannten Etikett versehen, die Einwegflaschen haben Kronkorken und werden an einer halb automatischen Maschine ausgezeichnet. Vor dem Verkauf fehlt aber noch das markante Fähnchen mit Namen, Inhalt, Haltbarkeitsdatum (natürlich auch dieses mit Hand aufgestempelt), das an jede Flasche einzeln angetackert wird. „Das haben wir am Anfang aus der Not heraus gemacht, weil wir keine Maschine hatten. Doch diese Fähnchen sind so außergewöhnlich und waren so ein großer Erfolg, dass wir sie beibehalten haben“, berichtet Natalie, die schon zehn Jahre bei der „Bieraria Tschlin“ arbeitet.

Eine Füllmaschine, die zu uns passt

Ideengeber, Antreiber, Vermarkter und Geschäftsführer Reto Rauch entschloss sich, auf eine neue, moderne Abfüllung zu setzen. „Nicht zu modern, keine Megaelektronik, sondern so, dass unsere exzellenten Biere mit einer möglichst langen Haltbarkeit perfekt abgefüllt werden. Aber meine Leute müssen die Maschine auch bedienen können“, erklärt Reto Rauch. Von Kollegen und auf Messen hörte er da immer wieder den Namen Markl, der Abfüll- und Verschließmaschinen genau für solche Zwecke baut: leicht zu bedienen, einfach zu reinigen, mit extrem guten Abfüllwerten.

Aus den Drucktanks wird das Bier zur Markl-Füll- und Verschließmaschine mit acht Füllventilen und zwei Korkstationen für die Kronkorken gepumpt. Durch eine ganz spezielle Markl-Spanngasführung in Verbindung mit einer einfachen Vorevakuierung erreicht die Maschine extrem niedrige Sauerstoffaufnahmewerte im Füllvorgang von 0,01 Milligramm pro Liter. „Diese Abfüllung unter CO2-Atmosphäre bewirkt, dass kein oxidierender Luftsauerstoff mitverpackt wird. Das ist für uns natürlich ganz wichtig, weil Sauerstoff in der Flasche das Bier sehr schnell geschmacklich verändern würde. Dadurch bleibt unsere sehr hohe Qualität aus dem Sudkessel und Lagertank so lange erhalten, dass wir das Bier mit einer Mindesthaltbarkeit von sechs Monaten auszeichnen können. Das macht es in der ganzen Schweiz handel- und verkaufbar“, berichtet Rauch.

Aus den hervorragenden Bio-Bieren werden auch ein „Tschliner Single Malt“, ein Bierbrand und ein Bieressig hergestellt. (Bild: broesele)

Aus den hervorragenden Bio-Bieren werden auch ein „Tschliner Single Malt“, ein Bierbrand und ein Bieressig hergestellt. (Bild: broesele)

Hygienisch verarbeitet, lange Haltbarkeit garantiert

Die hygienisch gestalteten Füllventile sind innen poliert und vereinfachen so die Reinigung deutlich. Gemeinsam mit dem sehr effektiven CIP-Reinigungssystem sorgen sie für eine größtmögliche Hygiene. Alle Antriebselemente wurden besonders verstärkt und abgedichtet. Die Maschine besticht durch einen sehr leichten Lauf, sie wurde für einen jahrzehntelangen Einsatz konstruiert.

„Für unsere Kunden ist es wichtig, dass unsere Maschinen, obwohl sie für einen niederen Leistungsbereich ausgelegt sind und so wenig Mikroelektronik wie möglich verbaut ist, trotzdem technisch auf dem neuesten Stand der Technik sind“, betont Inhaber Peter Markl. Folglich ist auch der Füller-/Verschließer-Monoblock in hygienischer Edelstahlausführung gefertigt. „Die Strecke zwischen Füllen, Hochdruckeinspritzung zum Aufschäumen und Verschließen ist sehr kurz, die Sauerstoffaufnahme daher minimal. Gerade für eine Brauerei, die nur zwei- oder dreimal in der Woche füllt, ist es ja essenziell wichtig, dass die Qualität und Haltbarkeit immer passt. In unserer Maschine sind dafür alle Voraussetzungen gegeben“, unterstreicht Markl.

Auch Reto Rauch und Maschinenführerin Airta Dietrich betonen, wie wichtig es ist, dass sie die neue Maschine logisch und einfach bedienen sowie kleinere Störungen selbst beheben können, ohne auf einen Monteur des Herstellers warten zu müssen.

Erfolgsprodukt Tschliner Bier

Die umliegenden Gemeinden beneiden Tschlin um ihre lebendige Wirtschaftsförderung. An vielen touristischen Märkten verkaufen „Bun-Tschliner“ gemeinsam ihren Käse, Salsiz, Eier, Fleisch, Kräuterlikör, Honig, Konfitüren, Geschenkkisten und Bier. Die Biera Engiadinaisa ist das größte Mitglied.

Wie beliebt das Tschliner Bier trotz eines stolzen Preises von 2,50 Franken im Handel für 0,3 Liter ist, das zeigen nicht nur die steigenden Ausstoßzahlen, sondern auch, wo es das Bier überall zu kaufen ist: etwa in den Hotels von St. Moritz, am Flughafen in Zürich oder in Washington. Auch der Schweizer Botschafter in den USA lässt sich regelmäßig eine halbe Palette mit einer Mischung nach Washington schicken. Darauf sind die Engadiner besonders stolz. Jede Flasche ist mit einem gehefteten „Fähnchen“-Etikett versehen. Dank des guten Marketings und der hohen Brau- und Abfüllqualität hat die Brauerei ihre Nennleistung von 2.000 Hektolitern im Jahr nun fast schon erreicht.

Nicht nur in den Hotels, Läden und Gaststätten des Engadins sind die Biere und Spezialitäten sehr beliebt. Auch der Schweizer Botschafter in Washington erhält regelmäßig eine Lieferung. (Bild: broesele)

Nicht nur in den Hotels, Läden und Gaststätten des Engadins sind die Biere und Spezialitäten sehr beliebt. Auch der Schweizer Botschafter in Washington erhält regelmäßig eine Lieferung. (Bild: broesele)