In Berlin wurde jetzt ein einjähriges Mehrweg-Pilotprojekt abgeschlossen, in dem die systemübergreifende Rückgabe von To-go-Mehrwegbechern über bestehende Leergutautomaten in Rewe-Märkten getestet wurde. Die Ergebnisse fallen positiv aus: Die Rückgabe funktioniert technisch sowie logistisch zuverlässig und wird von den Verbraucherinnen und Verbrauchern sehr gut angenommen. 95 Prozent der Befragten bewerten die Rückgabe als praktisch, mehr als 80 Prozent würden bei solchen Rückgabemöglichkeiten eher Mehrweg statt Einweg nutzen.
Das zwölfmonatige Pilotprojekt der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Rewe, Recup, Sykell, Profimiet, Sielaff und Tomra hat gezeigt: Leergutautomaten im Lebensmitteleinzelhandel erleichtern die Rückgabe von To-go-Mehrwegbechern. Mehr als 80 der Recup-Partnerbetriebe und acht Rewe-Märkte nahmen an dem Praxistest im Pilotgebiet in Berlin Friedrichshain-Kreuzberg teil.
In den Rewe-Märkten wurden Recup-Mehrwegbecher aus umliegenden Gastronomiebetrieben über bestehende Leergutautomaten zurückgenommen. Das Pfand konnte wie gewohnt über einen Pfandbon eingelöst werden. Rückführung und professionelle Reinigung erfolgten über die bereits etablierte und nun im Pilotprojekt erstmalig gemeinsam genutzte Mehrweginfrastruktur des Mehrweganbieters Sykell. Die wissenschaftliche Begleitung des Projekts erfolgte durch die Kühne Logistics University (KLU).
Technische Umsetzung und Logistik
Die technische Umsetzung der Rückgabe von Mehrwegbechern über Leergutautomaten wurde durch Softwareanpassungen der Automatenhersteller Sielaff und Tomra ermöglicht. Entscheidend war die Einführung eines einheitlichen Kennzeichnungsstandards in Form von Data-Matrix-Codes, die eine korrekte Erkennung der Becher durch die Automaten sicherstellen. Die Logistik und Reinigung der Becher übernahm die Firma Sykell in Zusammenarbeit mit Profimiet.
Interessant ist auch die wirtschaftliche Dimension: Durch gemeinsam genutzte Strukturen für Rückgabe, Transport und Reinigung könnten die Umlaufkosten von Mehrwegverpackungen nach Berechnungen des Projektpartners Sykell um bis zu 60 Prozent sinken.
Hohe Akzeptanz bei Verbrauchern
Die Akzeptanz der Verbraucher ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Mehrweg-Pilotprojekt. Rund 95 Prozent der befragten Berlinerinnen und Berliner bewerteten die Rückgabe über die Leergutautomaten als praktisch. Über 80 Prozent der Befragten gaben an, dass sie eher Mehrweg als Einweg nutzen würden, wenn die Rückgabe über Automaten im Einzelhandel möglich wäre. Die Rückgabe erfolgte häufig in Kombination mit der Rückgabe von Pfandflaschen, was auf ein etabliertes Verbraucherverhalten aufbaut.
Entlastung der Gastronomie
Für die Gastronomiebetriebe bedeutet die Rückgabe über Leergutautomaten eine erhebliche Entlastung. Die händische Rücknahme und Reinigung von Mehrwegbechern in den Betrieben entfällt, was insbesondere bei steigenden Mehrwegquoten den Arbeitsaufwand reduziert. Über 70 Prozent der befragten Gastronominnen und Gastronomen sprachen sich für eine Ausweitung der Rückgabemöglichkeiten über Leergutautomaten aus.
Die Ergebnisse des Pilotprojekts bieten wertvolle Erkenntnisse für die zukünftige Gestaltung von Mehrwegsystemen in Deutschland. Die Kombination aus technischer Umsetzung, logistischer Effizienz und hoher Verbraucherakzeptanz zeigt, dass eine flächendeckende Einführung solcher Systeme möglich und sinnvoll ist. Die DUH fordert daher eine bundesweite Rücknahmepflicht für Takeaway-Mehrweg im Lebensmitteleinzelhandel.
Quelle: Deutsche Umwelthilfe






