Flexible Packaging Europe (FPE) meldet für das zweite Quartal 2026 erhebliche Preissteigerungen bei nahezu allen wichtigen Rohstoffen für flexible Verpackungen. Als Hauptursachen nennt der Verband geopolitische Spannungen, steigende Energiepreise und Unsicherheiten in den globalen Lieferketten. Gleichzeitig sieht FPE erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Märkte im weiteren Jahresverlauf.
Die Rohstoffpreise für flexible Verpackungsmaterialien sind im zweiten Quartal 2026 deutlich gestiegen. Nach Angaben des FPE Raw Material Price Index verzeichneten sämtliche betrachteten Substrate gegenüber dem Vorquartal Preiszuwächse. Besonders stark fiel der Anstieg bei BOPP-Folie (20 Mikrometer) aus, deren Preis sich nahezu verdoppelte (+97 Prozent). PET-Folie (12 Mikrometer) verteuerte sich um rund 40 Prozent, BOPA-Folie (15 Mikrometer) um 21 Prozent. Auch Aluminiumfolie (+12 Prozent), einseitig beschichtetes Papier (+5 Prozent), HDPE (+38 Prozent) und LDPE (+31 Prozent) legten deutlich zu. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 lagen alle beobachteten Materialien ebenfalls auf einem höheren Preisniveau.
Geopolitische Risiken treiben die Preise
Als wichtigste Ursachen für die Entwicklung nennt FPE geopolitische Spannungen und die dadurch ausgelösten Verwerfungen auf den Rohstoffmärkten. Alexander Tkachenko von Wood Mackenzie erläutert die Situation: „Die Preise für BOPET sind im Verlauf des Quartals im Durchschnitt um 0,55 Euro pro Kilogramm gestiegen. Ursache waren steigende Ölpreise sowie die Sorge vor möglichen Versorgungsengpässen bei PTA und MEG. Die Preise für BOPP haben sich im gleichen Zeitraum nahezu verdoppelt. Hauptgrund war die sehr angespannte Versorgung mit PP-Harz in Europa, da die Lagerbestände bereits vor Beginn des Konflikts niedrig waren. Auch die Preise für BOPA-Folien sind deutlich gestiegen, unterstützt durch höhere Kosten für PA6, PA66 und Caprolactam. Aluminiumfolie verteuerte sich in diesem Quartal um 0,62 Euro pro Kilogramm infolge höherer LME-Preise und deutlich gestiegener Lagerprämien. Die Papierpreise legten um 0,06 Euro pro Kilogramm zu. Papier ist zwar weniger direkt von den petrochemischen Märkten abhängig, anhaltend hohe Öl- und Energiepreise könnten im Winter jedoch verzögert zu weiteren Kostensteigerungen führen.“
Auch der europäische Polyethylenmarkt stand laut FPE unter erheblichem Einfluss der geopolitischen Lage. Der Konflikt mit dem Iran sowie die Sorge vor Lieferengpässen führten nach Angaben des Verbands zu starken Marktbewegungen.
„Der europäische Polyethylenmarkt war im zweiten Quartal 2026 von erheblichen Schwankungen geprägt. Auslöser waren die Iran-Krise und die Aussicht auf einen Versorgungsschock in einem Markt, der bereits durch niedrige Lagerbestände gekennzeichnet war. Nachdem die Preise von der zweiten Jahreshälfte 2025 bis Februar 2026 auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau geblieben waren, stiegen sie im März deutlich an. Dieser Trend setzte sich im April und Mai fort, da Käufer die Materialverfügbarkeit priorisierten. Das Angebot blieb angespannt, weil Produktionsmengen aus dem Nahen Osten ausfielen und andere internationale Lieferanten ihre Handelsströme erst neu ausrichten mussten. Obwohl die europäische Produktion schrittweise zunahm, überstieg die Nachfrage weiterhin das verfügbare Angebot. Im Mai stabilisierten sich die Preise, da sich die Käufer nach der Wiederauffüllung ihrer Lager stärker auf die Bezahlbarkeit konzentrierten. Gleichzeitig gaben die Preise in Asien bereits nach. Wettbewerbsfähigere Angebote, insbesondere aus China, stärkten die Verhandlungsposition der Käufer. Ab der zweiten Maihälfte begannen die Spotmarktpreise zu sinken. Das weckte Sorgen über Wertverluste bei den Lagerbeständen und dämpfte die Kaufaktivität. Obwohl die Spotpreise im Juni weiter nachgaben, lagen sie weiterhin über dem Vorkrisenniveau. Die Aussicht auf ein mögliches Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran belastet bereits die Rohöl- und Rohstoffpreise. Mit der Wiederöffnung der Straße von Hormus dürften Lieferengpässe nachlassen und sich die Versorgung in Europa normalisieren. Historische Erfahrungen und statistische Zusammenhänge zeigen, dass niedrigere Rohstoffkosten in der Regel auch zu sinkenden Polyethylenpreisen führen – sofern keine neuen Versorgungsengpässe auftreten.“
Kaushik Mitra von Chemical Market Analytics by Opis
FPE erwartet Beruhigung im zweiten Halbjahr
Nach Einschätzung von Flexible Packaging Europe deuten die zuletzt sinkenden Spotpreise für Polyethylen sowie eine mögliche Entspannung der geopolitischen Lage auf eine Stabilisierung der Märkte in der zweiten Jahreshälfte hin. Guido Aufdemkamp, Executive Director von FPE, fasst die Entwicklung zusammen: „Das zweite Quartal 2026 war von außergewöhnlich starken Preissteigerungen bei nahezu allen wichtigen Verpackungssubstraten geprägt. Verantwortlich dafür waren vor allem geopolitische Versorgungsrisiken, steigende Energie- und Rohstoffkosten sowie erhebliche Unsicherheiten in den globalen Lieferketten. Die europäischen Hersteller flexibler Verpackungen konnten die nachgefragten Mengen jedoch grundsätzlich liefern und werden dies auch weiterhin tun. Insgesamt blicken wir vorsichtig optimistisch auf die weitere Marktentwicklung in diesem Jahr – vorausgesetzt, die geopolitische Lage stabilisiert sich. Sorgen bereitet der Branche allerdings der private Konsum, der durch die erwartete Lebensmittelinflation unter Druck geraten könnte.“
Quelle: Flexible Packaging Europe (FPE)





