Gemischte Kunststoffabfälle stellen eine erhebliche Herausforderung für das Recycling dar, da sie nicht einfach zusammen verarbeitet werden können. Diese Problematik steht im Zentrum des internationalen Forschungsprojekts Syschemiq, das sich über vier Jahre mit der Realisierung einer länderübergreifenden Kunststoffkreislaufwirtschaft befasste. In diesem Projekt arbeiteten 21 Konsortialpartner aus fünf EU-Ländern zusammen, um technische und nichttechnische Hindernisse im Recyclingprozess zu überwinden.
Ein bedeutendes Ergebnis von Syschemiq sind die entwickelten Konzepte zur Sortierung von Plastikmüll, die sich auf das Dreiländereck Deutschland, Belgien und Niederlande übertragen lassen. Diese Konzepte umfassen Ansätze für das chemische Recycling sowie Strategien für skalierbare Kreislauflösungen. Ein zentrales Element des Projekts war die Einbeziehung der Konsumenten, um eine breitere Akzeptanz und Beteiligung zu fördern. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden nun insbesondere am Brightlands Chemelot Campus im niederländischen Sittard-Geleen weiterentwickelt. Zu den Syschemiq-Projektpartnern gehören unter anderem Siegwerk, Sabic und Plastics Recyclers Europe.
Studie zum Verbraucherverhalten
Fraunhofer UMSICHT war als einer der Projektpartner insbesondere in den Themengebieten ‚Design for Recycling‘, ‚Collection‘ und ‚City-Lab-Programm‘ tätig. Die Wissenschaftler erstellten eine Studie und entwickelten ein Tool, das erstmals Konsumverhalten und Recyclinggewohnheiten systematisch in die Ökobilanzierung integriert. Die Untersuchung zeigt unter dem Schlagwort ‚Design for Recycling‘ wie unterschiedliche Designvarianten und Entsorgungsszenarien die Umweltauswirkungen von Verpackungen beeinflussen.
„Die Studie bezieht das Verbraucherverhalten in die Ökobilanz (LCA) ein, um die Umweltauswirkungen von Joghurtverpackungen unter Berücksichtigung verschiedener Designvarianten und Entsorgungsszenarien zu bewerten«, erläutert Dr. Anna Kerps, Projektmitarbeitende von Fraunhofer UMSICHT. Zentrale Empfehlungen für das Produktdesign: größere Portionsgrößen sollten bevorzugt werden, um den Materialverbrauch pro Kilogramm Joghurt zu senken, einfache PP-Deckelfolien in Kombination mit PP-Bechern verwendet und klare, gut sichtbare Trennanweisungen und einheitliche Recycling-Symbole bereitgestellt werden, um die Sortiergenauigkeit zu verbessern.
Optimierungspotenziale identifizieren
Im Rahmen des Projekts wurden auch die Erfassungs- und Sortierprozesse von Verpackungsabfällen in Deutschland analysiert, um Optimierungspotenziale zu identifizieren. Ein „City Lab“ wurde eingerichtet, um das Konsum- und Entsorgungsverhalten der Bürger zu untersuchen und Bildungsformate für Schulen zu entwickeln. In einem Podcast bei der Abschlussveranstaltung des Projekts Syschemiq erläutert Anna Kerps Möglichkeiten und Herausforderungen für eine ressourcenschonende Verpackungsgestaltung, spricht über die größten Hindernisse in den Recyclingketten und diskutiert die Vorteile von Kunststoff im Vergleich zu Glas oder Pappe.
Quelle: Syschemiq





