Eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) untersucht die Aussagekraft von Zertifizierungssystemen für Recycling-Kunststoffe. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede bei Transparenz, Rückverfolgbarkeit und Kontrollmechanismen. In der vorgenommenen Bewertung erreicht RecyClass die höchste Punktzahl.
Mit steigenden regulatorischen Anforderungen an den Einsatz von Rezyklaten gewinnt auch deren verlässlicher Nachweis an Bedeutung. Das gilt insbesondere für Verpackungen: Die europäische Verpackungsverordnung PPWR schreibt für 2030 und 2040 Mindestanteile an Rezyklat im Kunststoffanteil bestimmter Verpackungen vor. Gleichzeitig gibt es laut Studie bislang keine anerkannte chemische oder physikalische Methode, mit der sich Rezyklatgehalt und -eigenschaften eines Kunststoffprodukts präzise bestimmen lassen. Der Nachweis erfolge daher indirekt über die Rückverfolgung der Materialien entlang der Lieferkette.
Zehn Systeme genauer untersucht
Für die Untersuchung identifizierten das Ecologic Institut und das Institut für Energie und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bremen zunächst 34 Zertifizierungssysteme. Zehn wurden anschließend detailliert analysiert. Dazu gehören unter anderem RecyClass, ISCC Plus, der Global Recycled Standard, ‚Flustix Recycled – DIN-geprüft‘ und SCS Recycled Content.
Bewertet wurden 75 Indikatoren. Untersucht wurden unter anderem die Rückverfolgbarkeit der Rezyklatherkunft, Umweltanforderungen, Auditierungsverfahren, Kontrollmechanismen sowie der Umgang mit Nichtkonformitäten.
RecyClass erreicht höchste Punktzahl
Nach dem von den Autoren entwickelten Bewertungs- und Gewichtungsschema erreicht die RecyClass Recycling Process Certification Level 2 mit 162 Punkten den höchsten Wert. Es folgen RecyClass Level 1 mit 141 Punkten und der Global Recycled Standard mit 140 Punkten. ISCC Plus kommt mit 130 Punkten auf Rang fünf.
Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass daraus kein allgemeingültiges Ranking abgeleitet werden sollte. Die Systeme unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Anwendungsbereiche und Zielsetzungen. Während RecyClass beispielsweise auf Betriebe ausgerichtet ist, die Rezyklate durch mechanisches Recycling herstellen, zertifizieren andere Systeme Rezyklatanteile in Endprodukten oder beziehen auch chemisches Recycling ein.
Transparenz bleibt Schwachstelle
Deutliche Unterschiede stellt die Studie auch bei der Informationsverfügbarkeit fest. Für RecyClass, ISCC Plus, OBP Recycling, SCS und LNE seien umfangreiche Unterlagen öffentlich verfügbar gewesen oder zusätzliche Informationen bereitgestellt worden. Bei QA-CER, PSV und ‚Flustix Recycled – DIN-geprüft‘ seien dagegen wichtige Informationen teilweise nicht zugänglich oder zentrale Anforderungen und Prüfprozesse unklar geblieben.
Auch bei den Audits bestehen Unterschiede. Manche Systeme schreiben Vor-Ort-Audits mit definierten Prüfintervallen vor, andere erlauben Fern-Audits. Unangekündigte Audits sind laut Studie nur bei wenigen Systemen vorgesehen. Zudem sieht das UBA-Forschungsteam mögliche Interessenkonflikte, wenn Systeminhaber zugleich als Zertifizierungsstelle auftreten.
Die Autoren betonen zugleich eine wichtige Einschränkung: Die Untersuchung basiert auf dem Informationsstand von Oktober 2024 und bildet damit eine Momentaufnahme ab. Aufgrund regelmäßiger Änderungen der Zertifizierungssysteme sei eine kontinuierliche Aktualisierung erforderlich.
Quelle: Umweltbundesamt
Aktuell prüft das UBA eine Kritik des Zertifizierungsanbieters Flustix an der Darstellung des untersuchten Programms „Produkte aus recyceltem Material – Flustix V06/24“. Nach Ansicht von Flustix bezieht sich die Bewertung auf ein früheres Zertifizierungsprogramm in Kooperation mit Din Certco und nicht auf das eigenständige, Ende 2025 veröffentlichte Programm Flustix Recycled. Sobald die Prüfung durch das UBA abgeschlossen ist, wird packaging journal berichten.
Aktualisierung 17.09.2026: Im Bericht ist die Kurzbezeichnung „Flustix Recycled“ zu „Flustix Recycled – DIN-Geprüft“ geändert sowie der ergänzende Hinweis aufgenommen worden, dass die Analyse und Bewertung unter der Bezeichnung „Fustix Recycled – DIN-Geprüft“ auf dem damaligen von DIN Certco Gesellschaft für Konformitätsbewertung mbH herausgegebenen Zertifizierungsprogramm „Produkte aus recyceltem Material – Flustix V06/24“ beruht, welches bis Ende November 2025 zur Vergabe des Zertifikats „Flustix Recycled – DIN-Geprüft“ führte; das seit dem 28. November 2025 von der Firma Flustix GmbH veröffentlichte Zertifizierungsprogramm „Flustix Recycled“ war nicht Gegenstand dieser Untersuchung.“ (Quelle: UBA)






