Am 12. August 2026 tritt die europäische Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) in Kraft – doch die Vorbereitung der Branche ist „erschreckend“, wie Dr. David Strack von SUSY auf der interpack 2026 deutlich macht. Der Experte für nachhaltige Verpackungsbewertung warnt vor den Konsequenzen mangelnder Vorbereitung.
Paradigmenwechsel mit harten Konsequenzen
„Die PPWR ist ein Paradigmenwechsel, wie wir mit dem Thema Verpackung umgehen“, betont Strack. Erzeuger – also Hersteller, Importeure und Markeninhaber – müssen ab dem Stichtag die Verkehrsfähigkeit ihrer Verpackungen nachweisen können. „Wenn ich nicht verkaufen kann, wenn ich nicht liefern kann, dann habe ich ein großes Problem“, warnt der SUSY-Geschäftsführer vor Umsatzverlusten und Reputationsschäden.
Der Kern der Herausforderung liegt in der Datenverfügbarkeit. „Die Daten liegen irgendwo“, erklärt Strack. „Sie liegen teilweise im ERP-System, sie liegen im Einkauf, sie liegen im Marketing, sie liegen in der Produktion.“ Diese verstreuten Informationen müssen in ein strukturiertes Packaging-Management-System überführt werden, das die Compliance-Nachweise verlässlich liefert.
Konformitätserklärung auf Knopfdruck
Mit dem SUSY-Check hat das Unternehmen eine Lösung entwickelt, die automatisierte Konformitätserklärungen generiert. „Kein Mensch schreibt Konformitätserklärungen. Konformitätserklärungen werden mit Daten generiert, automatisch“, so Strack. Damit wird der dokumentarische Aufwand vom manuellen Engpass zum systemgestützten Standardprozess.
Als ersten Schritt empfiehlt der Experte, einen PPWR-Projektverantwortlichen zu benennen. „Das ist die größte Hürde. Wenn die gelöst ist, löst sich das Thema auch relativ einfach auf.“ Der gesamte Implementierungsprozess könne trotz der Komplexität – Schätzungen gehen von 500 Millionen bis einer Milliarde verschiedener Verpackungen in der EU aus – innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen werden.
August ist erst der Anfang
Die PPWR beschränkt sich nicht auf den August-Stichtag. Weitere Eskalationsstufen folgen: 2028 kommen Deklarations- und Materialkennzeichnungspflichten, 2030 dann Mindestrecyclingfähigkeit von 70 Prozent. „Rezyklate heute sichern, Rezyklate heute einkaufen. Das ist Zukunftsfähigkeit“, mahnt Strack mit Blick auf den kommenden Run auf recycelte Materialien.
Unternehmen, die jetzt noch zögern, riskieren nicht nur rechtliche Konsequenzen, sondern auch wirtschaftliche Nachteile bei der künftigen Rohstoffbeschaffung. Wer Compliance-Strukturen heute aufbaut, schafft damit zugleich die Basis für die strategischen Herausforderungen der kommenden Jahre.
