Getränkekarton besser als Einwegglas: Martin Schröder, FKN | interpack 2026

Getränkekartons sparen 78 Prozent CO2 gegenüber Einwegglas und sind zu über 90 Prozent recyclingfähig. FKN-Geschäftsführer Martin Schröder kritisiert auf der interpack 2026 die überhöhte deutsche Mehrwegquote und warnt: Ohne funktionierende Recycler gibt es auch keine Rezyklate.

Getränkekarton besser als Einwegglas: Martin Schröder, FKN | interpack 2026

Getränkekartons sparen 78 Prozent CO2 gegenüber Einwegglas und sind zu über 90 Prozent recyclingfähig. FKN-Geschäftsführer Martin Schröder kritisiert auf der interpack 2026 die überhöhte deutsche Mehrwegquote und warnt: Ohne funktionierende Recycler gibt es auch keine Rezyklate.

Der Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel (FKN) ist erstmals auf der interpack 2026 vertreten. Geschäftsführer Martin Schröder nutzt die Leitmesse, um mit Zahlen und Fakten für seine Verpackungslösung zu werben – und übt deutliche Kritik am deutschen Verpackungsrecht.

Überhöhte Mehrwegquote bremst Innovation

Das im Februar vorgelegte Verpackungsrechtsdurchführungsgesetz sieht Schröder kritisch: „Wir haben ein Delta von 60 Prozent – 10 Prozent wird von Europa gefordert und 70 Prozent stehen im deutschen Gesetz.“ Die seit fast zehn Jahren bestehende Mehrwegquote habe keine nennenswerten Erfolge gebracht. Aktuell liegt Deutschland bei 34 Prozent im Getränkebereich, während die EU erst ab 2030 zehn Prozent fordert.

Schröders Forderung an die Politik ist eindeutig: „Es muss faktenbasiert sein, es muss wissenschaftsbasiert sein, um gute Entscheidungen zu treffen.“ Bis 2029 erwartet er durch die PPWR mehr Klarheit und Vereinheitlichung auf dem europäischen Markt – und damit eine Korrektur deutscher Sonderwege.

78 Prozent CO2-Einsparung gegenüber Einwegglas

„Wir haben von Experten nachgewiesen bekommen, dass unsere Verpackungslösung zu über 90 Prozent recyclingfähig ist“, betont Schröder. Alle drei Bestandteile des Kartons – Karton, Polyethylen und Aluminium – seien verwertbar. Die FKN-Ökobilanz zeige deutliche Vorteile: „Wenn man sich Getränkekartons verglichen mit Einwegglas anguckt, da sparen wir 78 Prozent CO2-Emissionen.“

Die Verbraucherakzeptanz sei entsprechend hoch, da Getränkekartons mehrere Erwartungen gleichzeitig erfüllen: Nachhaltigkeit, Praktikabilität und Wiederverschließbarkeit. „Wenn man sich die unterschiedlichen Verbrauchererwartungen anguckt, da kann der Flüssigkeitskarton eigentlich alle erfüllen“, so Schröder.

Recycling-Krise gefährdet Kreislaufwirtschaft

Trotz technischer Machbarkeit des Recyclings sieht Schröder die Branche vor Herausforderungen: „Wir haben es tatsächlich mit einer Recycling-Krise zu tun momentan.“ Viele Kunststoffrecycler hätten Probleme. Er fordert von EU und Bundesregierung geeignete Rahmenbedingungen, damit Recyclingunternehmen überleben können.

„Ohne Recyclingunternehmen keine Recyclate“, bringt es Schröder auf den Punkt. Damit verschiebt sich der politische Hebel: Wer Rezyklateinsatzquoten verbindlich machen will, muss zugleich für eine funktionierende Recycling-Infrastruktur sorgen – sonst bleibt die Kreislaufwirtschaft eine Forderung ohne Substrat.