Geschlossene Kreisläufe mit nachhaltigen Materialien

Die BASF ist seit Jahren auf dem Gebiet der Biokunststoffe tätig. Wir haben mit Mia Pettersson und Afsaneh Nabifar über Innovationen gesprochen.

Die BASF ist seit mehr als 30 Jahren auf dem Gebiet der Biokunststoffe tätig und feiert in diesem Jahr das 25-jährige Bestehen von ecoflex, dem ersten kommerziell erhältlichen biologisch abbaubaren und zertifizierten kompostierbaren Biopolymer auf dem Markt. Seitdem hat das Unternehmen verschiedene zertifizierte kompostierbare und biologisch abbaubare Kunststoffe entwickelt, die in Verpackungen und landwirtschaftlichen Anwendungen eingesetzt werden, um eine vollständige Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe zu erreichen. Daran arbeiten Mia Pettersson und Afsaneh Nabifar in Ludwigshafen. Wir haben mit den beiden engagierten Frauen über Innovationen und Möglichkeiten von Biokunststoffen in diesen Branchen gesprochen.

In einigen Bereichen funktioniert es schon gut – so werden beispielsweise seit einiger Zeit biologisch abbaubare Polymere für die Herstellung von Mulchfolien in der Landwirtschaft verwendet. Die Folien sind nach einiger Zeit vollständig biologisch abbaubar, ohne den Boden mit Kunststoff zu verunreinigen. Die Kompostierbarkeit von Lebensmittelverpackungen ist ein weiterer wichtiger Punkt, sagt Afsaneh Nabifar, Leiterin des Bereichs Global Advocacy and Sustainability für Biopolymere bei BASF:

„In Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern entwickeln wir ständig neue kompostierbare Lebensmittelverpackungen, die dazu beitragen, dass Lebensmittelreste und mit Lebensmitteln verunreinigte Verpackungen nicht mehr deponiert oder verbrannt, sondern dem organischen Recycling zugeführt werden. Auf diese Weise fungiert die Verpackung als Träger für die Lebensmittelreste, und ihre Nährstoffe können im Kreislauf bleiben und in den Boden zurückkehren.“

As Group Leader for the global market development of biopolymers at BASF, Afsaneh Nabifar manages the sustainability measure for the biopolymers sector and is also active in different associations for plastic and paper packaging.
Als Gruppenleiterin für die globale Marktentwicklung von Biopolymeren bei BASF leitet Afsaneh Nabifar die Nachhaltigkeitsmaßnahmen für den Biopolymersektor und ist auch in verschiedenen Verbänden für Kunststoff- und Papierverpackungen aktiv. (Bild: BASF)

Kein Patentrezept für jedes Problem

Es sei wichtig zu erkennen, dass nicht alle Lebensmittelverpackungen durch kompostierbare Alternativen ersetzt werden können. Vielmehr gehe es um die Koexistenz verschiedener Lösungen und um Entscheidungen auf der Grundlage wissenschaftlicher Lebenszyklusanalysen, sagt Nabifar. „Unser Team arbeitet an zertifizierten kompostierbaren Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen, weil wir sie als Teil der Lösung sehen. Wir sehen Biokunststoffe als Ergänzung zu den bestehenden wiederverwertbaren Kunststoffen, um die Ziele der Kreislaufwirtschaft bei BASF zu erreichen“, erklärt Mia Pettersson, Vice President der globalen Geschäftseinheit Spezialpolymere bei BASF.

Anzeige

Insgesamt haben Biokunststoffe immer noch einen geringen Anteil am gesamten Kunststoffmarkt und machen etwa 1 Prozent der rund 390,7 Millionen Tonnen aus, die 2022 produziert wurden. Die jüngsten Marktdaten, die von European Bioplastics und dem Nova Institute zusammengestellt wurden, deuten jedoch auf ein Wachstum von 1,5 bis 2 Prozent bis 2027 hin.

„Auch wenn der Markt wächst, sind Biokunststoffe nach wie vor Nischenprodukte für spezifische Anwendungen, bei denen ihr Einsatz klare Vorteile für die Umwelt und die menschliche Gesundheit bietet.“

Afsaneh Nabifar

 

Ungenutztes Potenzial

Mit ecovio hat BASF einen zertifiziert kompostierbaren und biobasierten Biokunststoff im Sortiment. (Bild: BASF)

Die beiden Expertinnen sehen ein großes Potenzial für den Einsatz von zertifizierten kompostierbaren Polymeren nicht nur bei der Sammlung von Bioabfällen oder Obst- und Gemüsebeuteln, sondern auch bei anderen Verpackungsanwendungen, zum Beispiel bei Lebensmittelverpackungen aus Papier. Dabei spielen auch die Pläne der Europäischen Kommission mit der jüngsten Überarbeitung der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) eine wichtige Rolle. Grundsätzlich begrüßen sie die Vorschläge der Kommission, die Kompostierbarkeit einiger Lebensmittelverpackungen vorzuschreiben. Allerdings sei die Liste der betroffenen Produkte eher begrenzt:

„Teebeutel, Kaffeekapseln, Etiketten für Obst und Gemüse und sehr leichte Plastiktüten sollen nach dem neuen Vorschlag kompostierbar sein. Wir sind der Meinung, dass diese Liste erweitert werden kann und sollte, damit weitere innovative Lösungen auf den Markt gebracht werden können.“

Afsaneh Nabifar

Recycling als Problem?

Ein Thema, das mit der Verbreitung von kompostierbarem Material einhergeht, ist das organische Recycling. Afsaneh Nabifar erinnert uns daran, dass jedes Land eine andere Infrastruktur für die Rückgewinnung von Ressourcen hat, die zu unterschiedlichen Regeln für die Entsorgung dieser Materialien führt. Andere Länder in der EU, sagt sie, erkennen die Vorteile, die diese Materialien für die Kreislaufwirtschaft mit sich bringen, und sind daher offener und haben mehr Erfahrung mit der Verarbeitung dieser Materialien in organischen Recyclinganlagen. Dies zeigt, dass es kein inhärentes Problem mit dem organischen Recycling von kompostierbaren Materialien gibt. Seit dem 1. Januar 2020 sind Einweg-Plastiktüten in Österreich verboten.

„Unsere Nachbarn in Österreich haben die biobasierten und biologisch abbaubaren sehr leichten Tragetaschen für Obst und Gemüse von diesem Verbot ausgenommen. Diese Gesetzgebung geht einher mit der Initiative Bio-Kreislauf-Sackerl des österreichischen Biogas- und Kompostverbands. Dies hat dazu geführt, dass der gesammelte kommunale Bioabfall deutlich weniger mit Plastik verunreinigt ist. Andere Länder wie Italien, Irland und Teile Spaniens lassen zertifizierte kompostierbare Materialien im Bioabfall zu und verwerten sie organisch.“

Mia Pettersson has been working at BASF since 2003. The Vice President of Speciality Polymers has a Master of Science in Chemical Engineering & Environmental Pollution Control Management.
Mia Pettersson ist seit 2003 bei der BASF tätig. Die Vizepräsidentin für Spezialpolymere hat einen Master of Science in Chemical Engineering & Environmental Pollution Control Management. (Bild: BASF)

„Wir wissen, dass wir eine geeignete Infrastruktur für die systematische Sammlung von organischen Abfällen, die Bereitschaft der Kompostierer, die zertifizierten kompostierbaren Produkte anzunehmen, und einen unterstützenden EU-weiten Rechtsrahmen benötigen.“ Afsaneh Nabifar erklärt, dass BASF in mehreren Initiativen aktiv ist, um die Prozesse besser zu verstehen und gemeinsame Lösungen zu finden. Wichtig sei auch, ein größeres Bewusstsein bei den Verbrauchern zu schaffen und sie zu ermutigen, Bioabfälle zu sammeln und Verpackungen in die richtige Tonne zu werfen. „Im Laufe der Jahre wurden mehrere Studien durchgeführt, die zeigen, dass die Qualität und Quantität des Bioabfalls zunehmen, wenn kompostierbare Beutel verwendet werden und das Bewusstsein der Verbraucher gestärkt wird.“

„Meiner Meinung nach erfordert dies einen angemessenen Veränderungsprozess in Bezug auf die Denkweise und die Infrastruktur. Wir sind von den Umweltvorteilen dieser Materialien überzeugt und davon, dass eine Kreislaufwirtschaft durch die Nutzung der Vorteile von kompostierbarem Material erreicht werden kann. Jetzt brauchen wir weitere Akteure, die den Übergang unterstützen, investieren und gemeinsam einen Wandel herbeiführen.“

Mia Pettersson

http://www.basf.com

  1. https://biopolymers.basf.com/
  2. https://plasticseurope.org/wp-content/uploads/2022/10/PE-PLASTICS-THE-FACTS_V7-Tue_19-10-1.pdf
  3. https://www.european-bioplastics.org/market/
  4. Plastic bag ban voted through (bmk.gv.at)
  5. Vorteile des BKS – Biosackerl
  6. A.R.M.E.N. e.V (2022).: Nico Arbeck, Julia Lehmann, Nadine Sporrer, Ursula Peintner Witzenhausen-Institut für Abfall, Umwelt und Energie GmbH: Dr-Ing. Michael Kern, Hans-Jörg Siepenkothen: Abschlussbericht zum Modellprojekt, Praxistest Bio-Beutel – Kreislaufwirt- schaft mit kompostierbaren Obst- und Gemüsebeuteln, Projektlaufzeit: 01.12.2020 – 28.02.2022, https://www.carmen-ev.de/wp-content/uploads/2022/02/Abschlussbericht_Praxistest-Bio-Beutel.pdf
  7. Helmut Schmidt, Gerald Stutz, Dr. Timon Gruber (2017): Praxisversuch zur Steigerung der Bioabfallerfas- sung in München, Müll & Abfall, Ausgabe 2-2017, https://www.muellundabfall.de/ce/praxisversuch-zur-steigerung-der-bioabfallerfassung-in-muenchen/detail.html
  8. Kanthak, Manfred; Söling, Frieder: Bewertung des Einsatzes von kompostierbaren Sammelbeuteln aus ecovio®-Material. Müll und Abfall 8-2012, S. 402ff, https://www.muellundabfall.de/ce/bewertung-des-einsatzes-von-kompostierbaren-sammelbeuteln-aus-ecovio-material/detail.html
  9. Kern, Michael; Siepenkothen, Jörg: Bioabfallpotenzial im Hausmüll. Müll und Abfall 7–2014, S. 356 ff, https://www.muellundabfall.de/ce/bioabfallpotenzial-im-hausmuell/detail.html

Weitere Meldungen aus dem Magazin

Hundert Jahre blaue Dose

Seit 1925 trägt die Nivea-Cremedose ihr tiefes Blau, die weiße Schrift und die runde Form – ein Design, das über Generationen, Märkte und Krisen stabil geblieben ist und jetzt seinen 100. Geburtstag feiert.
Weiterlesen »