Der Personalmarkt in der Verpackungsbranche zeigt sich auch 2026 von Zurückhaltung geprägt. Thomas Schmitt von insight International Management Consultants zieht auf der interpack 2026 ein differenziertes Fazit zur aktuellen Situation – und benennt, was Führungskräfte in Transformationszeiten leisten müssen.
Vorsichtige Investitionen in unsicheren Zeiten
„Ich glaube, dass das Personalthema auch 2026 eher verhalten laufen wird“, erklärt der erfahrene Headhunter. „Am Ende sind die Unternehmen in solchen unsicheren Zeiten einfach zurückhaltend, was Investitionen angeht, und auch die Einstellung von zusätzlichem Personal ist am Ende eine Investition.“
Während Nachbesetzungen und strategisch wichtige Funktionen weiterhin besetzt werden, erwartet Schmitt keinen großen Boom bei Neueinstellungen. Damit zeichnet sich für 2026 ein Markt ab, der vor allem durch gezielte Schlüsselbesetzungen geprägt ist – nicht durch breite Personalaufbauten quer durch alle Funktionen.
Neue Führungsqualitäten und kulturelle Passung
Die Anforderungen an Führungskräfte haben sich durch die allgegenwärtigen Transformationsprozesse verändert. „Wir beobachten, dass bei Führungskräften vor allem kommunikative Stärke gefragt ist“, so Schmitt. „Veränderungen erklären, den eigenen Leuten, der eigenen Belegschaft, es schaffen, Menschen für diese zahlreichen Veränderungen zu begeistern und mitzunehmen.“ Zusätzlich zur Kommunikationsstärke seien eine grundsätzliche Offenheit für Veränderungen und Resilienz entscheidende Eigenschaften.
Bei der Personalvermittlung sieht Schmitt die kulturelle Passung als entscheidenden Erfolgsfaktor: „Kultur ist etwas, da kann man viel drüber reden, aber ich glaube, das muss man spüren.“ Um die richtige Passung zu finden, sucht er bewusst die Nähe zu den Unternehmen und investiert Zeit in das Verständnis der jeweiligen Unternehmenskultur.
Fachkräftemangel als strategischer blinder Fleck
Den demografischen Wandel und Fachkräftemangel sieht Schmitt als wichtiges, aber strategisch noch nicht ausreichend beachtetes Thema: „Das Thema ist jedem bekannt. Und wer sich mal mit den Erstsemesterzahlen an den eingängigen Hochschulen beschäftigt, dem muss schon Angst und Bange werden.“ Er verstehe zwar die Fokussierung auf tagesaktuelle Herausforderungen, betont aber: „Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit der Verpackungsindustrie ist das Thema Fachkräftemangel, demografischer Wandel schon ein ganz zentrales.“
Für die nahe Zukunft prognostiziert Schmitt eine anhaltende Bedeutung des Nachhaltigkeitsthemas sowie eine verstärkte praktische Anwendung künstlicher Intelligenz in der Industrie. Die Verpackungsbranche stehe vor der Aufgabe, KI konkret in Geschäftsmodelle und industrielle Realität zu überführen – ein Wandel, der ohne die richtigen Köpfe an Bord schlicht nicht gelingen wird.
