Am 11. Februar hat das Bundeskabinett den Entwurf für das neue Verpackungs-Durchführungsgesetz (VerpackDG) beschlossen. Werner & Mertz warnt nun davor, dass ohne gezielte Anreize für hochwertiges Recycling die Kreislaufwirtschaft in Deutschland bis 2030 erheblich geschwächt werden könnte.
„Chance verpasst: Bis zur PPWR 2030 wird es kaum noch funktionierende Recyclingwirtschaft in Deutschland geben!“ – mit diesen drastischen Worten reagiert Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz auf den vom Bundeskabinett beschlossenen Entwurf für das neue Verpackungs-Durchführungsgesetz (VerpackDG). Aus Sicht von Werner & Mertz greift der Entwurf zu kurz.
Obwohl im Vorfeld immer wieder gefordert wurde, ein Level-Playing-Field, also gleiche Wettbewerbsbedingungen, für insbesondere auch hochwertige Rezyklate in Deutschland zu schaffen, und es konkrete Lösungsansätze gebe, wie ein ausgewogenes Anreizsystem aussehen könnte, sei dieser Aspekt im neuen Gesetz vollkommen außer Acht gelassen worden. Dies sei umso betrüblicher, zumal es in vielen anderen europäischen Ländern bereits wirkungsvolle Anreizsysteme gebe, heißt es.
„Statt hochwertigem Recycling fördert das neue Gesetz wenn überhaupt Downcycling. Das ist aber eine Sackgasse. BMUKN und BMWE verlängern mit diesem Beschluss für die gesamte Recyclingbranche in Deutschland sehenden Auges den Investitionsstau.“
Reinhard Schneider, Werner & Mertz-Inhaber
Deutsche Recyclingbranche leidet
Das VerpackDG stehe damit im Widerspruch zur europäischen Verpackungsverordnung PPWR, die den Einsatz hochwertiger Rezyklate fördern solle, argumentiert Unternehmensinhaber Reinhard Schneider. Da wesentliche Teile der PPWR jedoch erst ab 2030 greifen, könne die Branche nicht bis dahin warten. Schon jetzt leide die deutsche Recyclingbranche massiv – in den vergangenen Monaten wurden im Kunststoffrecyclingsektor vermehrt Standorte geschlossen, Anlagen stillgelegt und Insolvenzen angemeldet, da preisbedingt die industrielle Nachfrage nach hochwertigen Rezyklaten immer weiter gesunken ist.
Die Recycler, die zum Großteil dem Mittelstand angehören, brauchen laut Werner & Mertz gerade jetzt Anreize und Sicherheit für Investitionen in hochwertige Sortiertechnologien. Sie können nicht warten bis 2030, da für die wirtschaftlich bereits angeschlagenen Betriebe die finanzielle Durststrecke zu lang ist und ein Aufbau der Sortieranlagen einen längeren Vorlauf benötigt, heißt es.
Bonus-Malus-System gefordert
Als Lösungsansatz schlägt Werner & Mertz ein Bonus-Malus-System vor. Unternehmen, die Neuplastik einsetzen, müssten demnach eine Abgabe zahlen, während der Einsatz hochwertiger Rezyklate finanziell gefördert werde. „Dieses System ist weder überkomplex noch unzumutbar – sondern schafft genau den finanziellen Anreiz, den es braucht, um die industrielle Nachfrage zu steigern und die notwendigen Investitionen in hochwertiges Recycling anzustoßen“, so Schneider.
Neben ökologischen Argumenten verweist Schneider auch auf geopolitische Aspekte. Eine stärkere Kreislaufwirtschaft könne die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringern und damit zur Resilienz beitragen. „Resilienz ist ein Schlüsselfaktor für Deutschland und Europa und es ist gerade jetzt notwendig, uns aus der Abhängigkeit und Erpressbarkeit über fossile Rohstoffe zu befreien. Dazu muss das VerpackDG dringend überarbeitet werden.“
Quelle: Werner & Mertz