PPWR-Umsetzung: Sonja Bähr, b+p creality | interpack 2026

PPWR sorgt für Rollenchaos in der Verpackungsbranche. Sonja Bähr (b+p creality) erklärt auf der interpack 2026 die Herausforderungen zwischen Compliance-Druck und Innovationsstau – und warum ab 12. August 2026 konkrete Nachweise für PFAS und Schwermetalle Pflicht werden.

PPWR-Umsetzung: Sonja Bähr, b+p creality | interpack 2026

PPWR sorgt für Rollenchaos in der Verpackungsbranche. Sonja Bähr (b+p creality) erklärt auf der interpack 2026 die Herausforderungen zwischen Compliance-Druck und Innovationsstau – und warum ab 12. August 2026 konkrete Nachweise für PFAS und Schwermetalle Pflicht werden.

Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) sorgt weiterhin für Verunsicherung in der Verpackungsindustrie. Sonja Bähr, Verpackungsberaterin bei b+p creality und Kolumnistin beim packaging journal, gibt auf der interpack 2026 einen ungeschönten Einblick in den aktuellen Stand der Umsetzung.

Rollenchaos in komplexen Lieferketten

Ein Hauptproblem sieht Bähr in der schwierigen Rollenfindung: „Die Unternehmen haben so komplexe Lieferketten, so komplexe Produktionsaufbauten, Lieferungen aus Nicht-EU-Ländern, die dann hier umverpackt werden. Die sagen selber manchmal, wir wissen gar nicht, wie sollen wir das denn auseinanderdröseln und wo sollen wir uns denn da einordnen?“

Besonders kritisch bewertet sie das entstehende „Master-and-Servant-Spiel“ zwischen Handel und Lieferanten. Statt Kooperation entstünden Verwerfungen in den Lieferanten-Kunden-Beziehungen – genau das Gegenteil dessen, was für eine erfolgreiche PPWR-Umsetzung nötig wäre.

Innovation versus Compliance

Die Regulierung führt zu einem Paradigmenwechsel: „Das ändert etwas in der Wahrnehmung der Unternehmen, dass die Verpackung von einem Beschaffungsteil sich ändert zu einem Compliance-Aspekt“, erklärt Bähr. Dies könne dazu führen, „dass mein Produkt noch so gut sein kann, ich es aber nicht verkaufen darf, weil die Verpackung unter Umständen nicht konform ist“.

Aktuell stehen Innovationen entsprechend hinten an. „Das steht im Moment ein Stück weit hinten an“, bestätigt Bähr nach Gesprächen mit Brandowners. Der Fokus liegt auf der Grundkonformität bis zum entscheidenden Datum: Ab dem 12. August 2026 greifen konkrete Pflichten. Unternehmen müssen klären, in welcher Rolle sie agieren – als Erzeuger müssen sie auf der Verpackung erkennbar sein und Nachweise für PFAS-Grenzwerte bei Lebensmittelkontaktmaterialien sowie für Schwermetalle führen. „Jetzt wäre es eigentlich an der Zeit zu sagen: Gut, dann hätte ich gerne mal einen Labortest oder ich mache selber einen.“

Realistische Herangehensweise nötig

Bähr kritisiert auch die wissenschaftlichen Grundlagen der Regulierung. In ihrer Kolumne „Wenn Wissenschaft kein Wissen schafft“ bemängelt sie die JRC-Studie zur Kennzeichnungspflicht: Die Empfehlung für farbige Piktogramme sei nicht ausreichend fundiert untersucht worden.

Trotz aller Kritik betont Bähr: „Der Grundsatz ist total gut und richtig und wir müssen auch etwas tun.“ Entscheidend sei jedoch eine klare, verständliche und umsetzbare Regulierung – nicht ein Regelwerk, das zwingend externe Berater erfordert, um überhaupt zugänglich zu sein.