Johannes Schmid-Wiedersheim bringt frischen Wind in den VDMA-Fachverband Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinenbau. Seit dem 1. April 2024 leitet der ehemalige Messe-Frankfurt-Manager einen Verband mit über 300 Mitgliedsunternehmen – auf der interpack 2026 zieht er erste Bilanz in einer Zeit großer Herausforderungen.
Messen bleiben unverzichtbar
Die Corona-Pandemie wirkte wie ein Lackmustest für die Bedeutung von Präsenzmessen. „Es wurde viel gezweifelt und es war mal kurz der Test an die Wirklichkeit, was passiert denn, wenn die plötzlich wegfallen“, erklärt Schmid-Wiedersheim. „Und dann ist das eben so ausgegangen, dass alle sagen, nee, da müssen wir unbedingt wieder hin.“
Die interpack 2026 bestätigt diese Einschätzung mit positiver Stimmung trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Gerade in einem Umfeld, das von Volatilität geprägt ist, bleiben Branchentreffpunkte für Geschäftsanbahnung, Wissensaustausch und politische Positionierung unverzichtbar – eine Erfahrung, die nun auch in die Verbandsarbeit einfließt.
Konkurrenz aus Fernost ernst nehmen
Beim deutschen Overengineering sieht der neue VDMA-Chef Handlungsbedarf: „Overengineering ist für viele ein Thema, oder sie merken das einfach dann am Markt, dass sie ihre Maschinen so nicht mehr losbekommen.“ Die internationale Konkurrenz hole technisch schnell auf, warnt er. „Hochmut ist ein falscher Berater jetzt gerade.“
Trotz schwieriger Startbedingungen – der Auftragseingang fiel im Januar um 16 Prozent – bleibt Schmid-Wiedersheim optimistisch. Seine wichtigste Aufgabe sieht er im Bürokratieabbau: „Wenn wir in 3 Jahren 1 oder 2 Stolpersteine oder Hindernisse aus dem Weg räumen konnten für unsere Mitglieder, dann wäre das bestimmt einer der wichtigsten Erfolge.“
Europäische Kooperation stärken
Mit der Gründung des europäischen Dachverbands Europarma setzt der VDMA auf internationale Zusammenarbeit. Sechs Nationen wollen gemeinsam Druck auf europäische Behörden ausüben und politische Themen vorantreiben – ein Hebel, der einzelnen nationalen Verbänden in Brüssel bislang fehlte.
Schmid-Wiedersheim übernimmt damit große Fußstapfen von Vorgänger Richard Clemens, bringt aber frische Perspektiven mit. Sein Fokus auf Bürokratieabbau, europäische Kooperation und realistische Markteinschätzung könnte der Branche helfen, ihre Führungsposition zu behaupten – ohne sich auf vergangenen Erfolgen auszuruhen.
