Amazon entwickelt Verpackung aus Agrarabfällen

Der US-Versandhändler kooperiert diesbezüglich mit dem Indian Institute of Technology (IIT).
Bild: ECO LENS / Shutterstock.com

Amazon arbeitet mit dem Indian Institute of Technology (IIT) Roorkee an der Entwicklung von recyclingfähigen Versandtaschen aus landwirtschaftlichen Reststoffen. Ziel der Kooperation sei es, Plastik zu reduzieren, Luftverschmutzung durch Stoppelverbrennung zu verringern und alternative Faserquellen für Papierverpackungen zu erschließen.

Indien erzeugt jährlich rund 500 Millionen Tonnen landwirtschaftlicher Abfälle. Ein Teil davon wird bislang auf den Feldern verbrannt, was erheblich zur Luftverschmutzung beiträgt. Das gemeinsame Forschungsprojekt von Amazon und dem IIT Roorkee soll diese Reststoffe künftig als Rohstoff für Verpackungen nutzbar machen und so gleichzeitig den Bedarf an Frischfaser aus Holz senken.

Von Ernteresten zur Versandtasche

Im Mittelpunkt stehen Rückstände wie Weizenstroh, Stroh und Bagasse aus der Zuckerrohrverarbeitung. Diese Materialien werden im INNOPAP-Labor des Fachbereichs Paper and Packaging Technology am IIT Roorkee zunächst in einem Autoklav aufgeschlossen und zu Zellstoff verarbeitet. Anschließend erfolgen Wasch- und Siebprozesse, um Verunreinigungen zu entfernen und eine gleichbleibende Faserqualität sicherzustellen. Aus dem so gewonnenen Zellstoff werden schließlich Papiermuster gepresst und getrocknet, die den Anforderungen von Amazon an Stabilität und Recyclingfähigkeit entsprechen sollen.

Nach Angaben der Projektpartner handelt es sich bei den entwickelten Versandtaschen um leichte, stabile Verpackungen, die recycelbar und heimkompostierbar sind und herkömmliche Kunststoffbeutel oder holzbasierte Frischfaserpapiere ersetzen könnten.

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15 Monate Forschung bis zur Industrialisierung

Die Zusammenarbeit ist zunächst auf eine 15-monatige Forschungs- und Testphase im Labormaßstab ausgelegt. Bei erfolgreichen Leistungstests will Amazon die Weiterentwicklung hin zu industriellen Versuchen, Prozessvalidierung und einer kommerziellen Produktion bis Mitte oder Ende kommenden Jahres unterstützen.

„Indem wir landwirtschaftliche Reststoffe in biologisch abbaubare Verpackungsmaterialien umwandeln, gehen wir gleichzeitig die Herausforderungen der Stoppelverbrennung und der Abhängigkeit von Frischfasern in Indien an und schaffen skalierbare Lösungen, die Industrie, Landwirten und der Gesellschaft insgesamt zugutekommen können. Diese Initiative zeigt, wie akademische Forschung und Industriepartnerschaften Indiens Weg in eine nachhaltigere und selbstständigere Zukunft beschleunigen können.“

Prof. Kamal Kishore Pant, Director IIT Roorkee

Auch Amazon betont den strategischen Ansatz. Abhinav Singh, Vice President of Operations at Amazon India, erklärt: „Bei Amazon bauen und betreiben wir Indiens schnellstes, sicherstes und zuverlässigste Betriebsnetzwerk und setzen uns dafür ein, es nachhaltiger zu gestalten. Im Rahmen dieser Bemühungen arbeiten wir mit dem IIT Roorkee zusammen, um innovative Verpackungen aus Ernterückständen zu entwickeln.“

Er ergänzt: „Indien erzeugt jährlich fast 500 Millionen Tonnen dieser Abfälle, und indem wir sie zu Verpackungen weiterverarbeiten, können wir eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft unterstützen und gleichzeitig die Abhängigkeit von konventionellen Materialien verringern.“

Einordnung in Amazons Verpackungsstrategie

Amazon gibt an, in Indien mehr als 50 Prozent der Kundensendungen entweder in Originalverpackung oder mit reduzierter zusätzlicher Verpackung zu versenden. Seit 2019 habe das Unternehmen nach eigenen Angaben Einwegplastik in seinen indischen Fulfilment-Zentren vollständig aus der Verpackung verbannt. Das Projekt mit IIT Roorkee fügt sich in die Klimastrategie des Konzerns ein, der im Rahmen des Climate Pledge bis 2040 Netto-Null-Emissionen erreichen will.

Für die Verpackungsbranche sei der Ansatz vor allem mit Blick auf alternative Faserquellen relevant. Angesichts steigender Rohstoffpreise, regulatorischer Vorgaben zur Abfallvermeidung und wachsender Anforderungen an Kreislaufwirtschaft könnten Agrarreststoffe künftig eine ergänzende Rolle im Faserstoffmix spielen, sofern Qualität, Skalierbarkeit und Wirtschaftlichkeit im industriellen Maßstab nachgewiesen werden.

Quelle: Amazon