Laut einer aktuellen Studie im Auftrag der BKV wird die Menge an recycelten Kunststoffen voraussichtlich nicht ausreichen, um die bereits beschlossenen und geplanten gesetzlichen Rezyklat-Einsatzquoten zu erfüllen. Demnach übersteigt der Bedarf an recycelten Kunststoffen in Deutschland das Angebot im Jahr 2030 um 30 Prozent.
Die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe in Deutschland hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Das zeigt sich bei dem Rekordwert für das Recycling von Kunststoffverpackungen im Gelben Sack: 2023 lag die Recyclingquote mit knapp 69 Prozent erneut deutlich über den gesetzlichen Vorgaben. Auch der Rezyklateinsatz in Kunststoffprodukten steigt kontinuierlich an.
Trotz dieser positiven Entwicklung wird die Menge an recycelten Kunststoffen nicht ausreichen, um die bereits beschlossenen und geplanten gesetzlichen Rezyklat-Einsatzquoten zu erfüllen. Hintergrund ist eine aktuelle Untersuchung von Conversio im Auftrag der BKV, wonach der Bedarf an recycelten Kunststoffen in Deutschland das Angebot im Jahr 2030 um 30 Prozent übersteigt. "Die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage wird bei Kunststoffrezyklaten in den nächsten Jahren immer größer und stellt die Industrie vor ein fundamentales Problem. Denn ohne geeignete Kunststoffrezyklate lassen sich die gesetzlichen Quoten, z.B. bei Verpackungen oder Automobilen nicht erfüllen“, sagt Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Kunststoff GKV
"Wenn wir die Geschwindigkeit beim Ausbau des Rezyklatangebots in Deutschland von derzeit 3,5 Prozent pro Jahr bis 2030 nicht verdoppeln, steuern wir auf eine Rezyklat-Lücke von knapp einer Million Tonnen zu. EU-weit beträgt die Lücke 3,5 Millionen Tonnen. Zudem werden die Qualitätsanforderungen an die Rezyklate, z.B. im Lebensmittelkontakt, die Lücke noch vergrößern.“ Dr. Alexander Kronimus, stellvertretender Hauptgeschäftsführer bei PlasticsEurope Deutschland
Zuviel Kunststoffmüll bleibt unbeachtet
Als Grund für den Mangel an Rezyklaten nennen die Verbände die einseitige Fokussierung der Politik auf Verpackungsabfälle, während große Mengen an Kunststoffabfällen im Gewerbe und im Restmüll bislang unbeachtet bleiben und verbrannt werden."Die bisherigen Investitionen in den Ausbau von Sortier- und Recyclinginfrastruktur reichen bei Weitem nicht. Wir müssen aus dem bisherigen Silo-Denken ausbrechen und die Herausforderungen sektorübergreifend angehen. Alle Stellschrauben müssen auf das Ziel der Kreislaufwirtschaft ausgerichtet werden.“ Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des Fachverbands Kunststoff- und Gummimaschinen im VDMA.Die aktuelle BKV-Studie „Status quo und Prognose des Bedarfs und der Verfügbarkeit von Post-Consumer-Rezyklaten im Jahr 2030“, durchgeführt von Conversio, belegt die Bedeutung der Verpackungen für die Kreislaufwirtschaft: 80 Prozent aller Kunststoff-Rezyklate stammen aus dem Verpackungsmarkt, woran sich der Studie zufolge bis 2030 nur wenig ändern wird. Allerdings werden auch 2030 mehr als die Hälfte (55%) der recycelten Verpackungskunststoffe in anderen Sektoren benötigt, insbesondere im Bau- und Automobilbereich.