EU stuft Glasverpackungsindustrie als strategisch ein

Dennoch fordert die Branche mutigere Maßnahmen.
Bild: Vera Larina / Shutterstock.com

Die EU-Kommission erkennt Glas als strategischen Sektor an und plant Maßnahmen zur Dekarbonisierung. Die Glasverpackungsindustrie sieht darin einen wichtigen Schritt, fordert aber weitere Maßnahmen.

Die Anerkennung der Glasverpackungsindustrie als strategischer Sektor durch die Europäische Kommission markiere einen wichtigen Meilenstein für die Branche. Mit der Veröffentlichung des Vorschlags für ein „Industrial Accelerator Act“ (IAA) zielt die EU darauf ab, den Anteil der industriellen Fertigung bis 2035 auf mindestens 20 Prozent des EU-BIP zu steigern. Diese Zielvorgabe sende ein starkes Signal für eine erneuerte industrielle Ambition, erfordere jedoch dringend Maßnahmen in mehreren Bereichen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie zu sichern und die Dekarbonisierung in großem Maßstab zu ermöglichen.

Herausforderungen der Dekarbonisierung

Die Glasverpackungsindustrie steht vor der Herausforderung steigender Energie- und Kohlenstoffkosten sowie eines intensiven Wettbewerbs, der zu einem beispiellosen Rückgang der Produktion und zur Schließung von Schmelzöfen in ganz Europa geführt habe. „Die europäische Glasverpackungsindustrie ist voll und ganz der Dekarbonisierung verpflichtet und investiert, um dies zu verwirklichen“, sagte FEVE-Generalsekretär Carlo Pirrone. Dennoch fordert die Branche mutigere Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise, zur Förderung des Netzausbaus und zur Vereinfachung der Vorschriften, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Bedeutung für die EU-Wirtschaft

Die europäische Behälterglasindustrie trägt als widerstandsfähiger und strategisch wichtiger Sektor erheblich zur EU-Wirtschaft und zu lokalen Lieferketten bei. Glasverpackungen stärken zudem die globale Handelsstärke Europas, indem sie den Export von hochwertigen Gütern wie Lebensmitteln, Getränken, Pharmaprodukten und Kosmetika im Wert von über 140 Milliarden Euro unterstützen, was 6,1 Prozent der gesamten EU-Exporte ausmacht. Mit den richtigen Rahmenbedingungen könne der Sektor vollständig kreislauffähige, ungiftige Verpackungslösungen liefern und gleichzeitig auf eine dekarbonisierte Fertigung hinarbeiten – was die industrielle Kapazität, Arbeitsplätze und strategische Autonomie in Europa erhalte.

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Forderungen der Industrie

Obwohl der Vorschlag der EU-Kommission als Schritt in die richtige Richtung gewertet wird, betont die Glasverpackungsindustrie die Notwendigkeit weiterer Maßnahmen. Insbesondere die Senkung der Energiepreise und die Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für Projekte zur Dekarbonisierung energieintensiver Industrien sind entscheidend, um die Wettbewerbsfähigkeit zu gewährleisten. Die Branche sieht sich in einer Schlüsselposition, um zur Erreichung der EU-Ziele beizutragen, und fordert eine Politik, die Investitionen in nachhaltige Technologien und die Entwicklung von Infrastrukturen unterstützt.

Insgesamt zeigt die Anerkennung der Glasverpackungsindustrie als strategischer Sektor durch die EU das Potenzial dieser Branche, einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung Europas zu leisten. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, die es der Industrie ermöglichen, ihre Rolle als Vorreiter in der Dekarbonisierung und als wichtiger Wirtschaftsfaktor zu festigen.

Quelle: FEVE