Nach der Ernte ist die Arbeit auf den Spargelfeldern noch lange nicht beendet. Die dort eingesetzten Folien werden abgezogen, gebündelt und zu Sammelstellen transportiert. Was auf den ersten Blick wie Abfall erscheint, ist tatsächlich Teil eines Kreislaufs, der in der Landwirtschaft bereits funktioniert. Die Initiative ERDE (Erntekunststoffe Recycling Deutschland) zeigt, wie Kreislaufwirtschaft unter realen Bedingungen umgesetzt werden kann.
Im Jahr 2025 konnten über das ERDE-System 37.342 Tonnen Agrarkunststoffe gesammelt und recycelt werden. Damit verbunden ist ein messbarer Klimaeffekt: 37.042 Tonnen CO₂-Äquivalente konnten eingespart werden, so viel, wie beispielweise rund 2,7 Millionen Bäume binden können. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Kreislaufwirtschaft auch außerhalb klassischer urbaner Sammelsysteme erfolgreich sein kann, insbesondere in Bereichen mit komplexen logistischen Anforderungen.
Der wesentliche Unterschied zur allgemeinen Debatte über Kunststoffe besteht darin, dass diese in der Landwirtschaft nicht als Abfall, sondern als temporärer Produktionsfaktor betrachtet werden, der gezielt in den Kreislauf zurückgeführt wird.
Praxisbeispiel Spargelfolie
Spargelfolien illustrieren, wie Kreislaufwirtschaft in der Praxis funktioniert. Sie fördern das Pflanzenwachstum, reduzieren den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und senken den Wasserverbrauch. Gleichzeitig stellen sie hohe Anforderungen an die Kreislaufführung, da sie oft stark verschmutzt sind und aufwendig gesammelt und aufbereitet werden müssen.
Durch koordinierte Rücknahme- und Recyclingkonzepte in Zusammenarbeit mit der Initiative ERDE werden die Folien gesammelt, gereinigt und dem Recycling zugeführt. Die aufbereiteten Materialien dienen als hochwertiges Ausgangsmaterial für Rezyklate und bilden eine zentrale Grundlage für geschlossene Stoffkreisläufe.
Skalierung durch Kooperation
Der Erfolg der Initiative ERDE zeigt, wie sich solche Kreisläufe in der Praxis skalieren lassen. Inzwischen verfügt die Initiative über mehr als 700 Sammelstellen und arbeitet mit über 160 Partnern zusammen. Hersteller, Landwirtschaft, Handel und Recyclingwirtschaft kooperieren entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zudem werden kontinuierlich neue Materialien wie Gewächshausfolien oder Tropfschläuche in das Sammel- und Recyclingsystem integriert.
Teil einer größeren Transformation
Die Entwicklungen in der Landwirtschaft sind Teil eines übergeordneten Trends, bei dem Kunststoffkreisläufe ganzheitlich gedacht werden. Bereits 71 Prozent der Kunststoffverpackungen aus dem Gelben Sack werden recycelt, und 82 Prozent sind recycling- oder mehrwegfähig. Die Parallelen zu etablierten Sammelsystemen wie dem Gelben Sack sind offensichtlich: Was dort funktioniert, lässt sich auch auf andere Anwendungsbereiche übertragen, wenn die entsprechenden Strukturen vorhanden sind.
Kunststoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen in der Landwirtschaft. Sie helfen, Erträge planbarer zu machen, Verluste zu reduzieren und Produktionskosten zu senken. Zudem stabilisieren sie Produktionsbedingungen unter volatilen klimatischen Einflüssen. Die ERDE-Initiative zeigt, dass Kreislaufsysteme auch ohne klassische Haushaltslogistik funktionieren können, als dezentrale, sektorenspezifische Lösungen. Die Landwirtschaft wird damit zum Modell für andere Anwendungsbereiche, indem sie zeigt, dass nicht das Material über Nachhaltigkeit entscheidet, sondern das System, in dem es eingesetzt wird.
Quelle: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V







