Ein wachsendes Nachhaltigkeitsbewusstsein der Konsumenten treibt auch in der Kosmetikindustrie Innovationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette voran. Verpackungen spielen hierbei eine wichtige Rolle. Aktuelle Entwicklungen zeigen, wie Hersteller, Maschinenbauer und Materialanbieter diese Herausforderungen in marktreife Lösungen übersetzen.
Ein wesentlicher Treiber ist die Reduktion des CO₂-Fußabdrucks. Neben Materialeinsparungen gewinnen recycelte Kunststoffe, papierbasierte Lösungen und Mehrwegsysteme an Bedeutung. Greiner Packaging formuliert das Zielbild klar: Verpackungen sollen recyclingfähig, leichtgewichtig und möglichst aus PCR-Materialien gefertigt sein. In der hauseigenen Design- und Prototyping-Abteilung entstehen unter anderem Nachfüllkonzepte wie „Trigger Refill“ mit integrierter Dosierhilfe oder der „Refill Funnel“. Der trichterförmige Nachfüllbehälter ermöglicht durch ein Luftströmungsprinzip eine nahezu vollständige Entleerung von Konzentraten. Laut Unternehmen ist bei der Herstellung ein Anteil von bis zu 100 Prozent rPET möglich.

Tuben zwischen Funktion und Differenzierung
Tuben bleiben ein zentrales Verpackungsformat: Nach Angaben des europäischen Branchenverbandes Etma entfallen rund 50 Prozent der europäischen Kosmetikproduktion auf dieses Segment. Neben präziser Dosierung und hygienischem Produktschutz setzen Hersteller verstärkt auf funktionale Mehrwerte.

Ein Beispiel ist eine gemeinsam von PackSys und der Tubex Group entwickelte Aluminiumtube mit aufschraubbarem Pinsel-Applikator, die flüssige Formulierungen direkt auf Haut oder Nägel aufträgt. Die Barriereeigenschaften von Aluminium schützen empfindliche Rezepturen vor Sauerstoffeintrag.
Faserbasierte Alternativen gewinnen an Dynamik
Da Verpackungen erheblich zu den Scope-3-Emissionen beitragen, wächst das Interesse an faserbasierten Lösungen. Das Konsortium „Pulp in Action“, in dem rund 50 Unternehmen kooperieren, treibt papierbasierte Primärverpackungen voran. Vorgestellt wurden unter anderem wasserfeste Duschgel-Papiertuben sowie Sachets mit hohem Papieranteil. Biobasierte Beschichtungen übernehmen dabei die notwendigen Barrierefunktionen.
Auch im Premiumsegment setzt sich der Materialwandel fort. Für die Luxushautpflege „Orchidée Impériale“ wurde ein patentierter Nachfülltiegel aus geformtem Zellstoff realisiert – ein Signal, dass nachhaltige Materialien zunehmend auch im Hochpreissegment akzeptiert werden.

Flexible Maschinen für mehr Variantenvielfalt
Mit wachsender Verpackungsvielfalt steigen die Anforderungen an Abfüll- und Verpackungstechnik. Die Marchesini Group bietet modulare Linien wie die Tubenfüllmaschine AXO 1000 oder den Monoblock JAM 42, der flüssige, viskose oder schäumende Produkte verarbeitet. Schubert zeigt am Beispiel einer TLM-Abfüllanlage für Annemarie Börlind, wie Cobots, hygienisches Design und CIP-Reinigung Nachhaltigkeit und Effizienz verbinden können.

Auch Veredelungstechnologien entwickeln sich weiter. All4Labels und Actega setzen bei metallischen Effekten auf die Ecoleaf-Technologie, die ohne PET-Trägerfolien auskommt. Laut Anbieter lassen sich dadurch CO₂-Emissionen deutlich senken, gleichzeitig bleiben gestalterische Freiheiten erhalten.
Das schwedische Unternehmen Meadow präsentiert mit „Kapsul“ eine Aluminiumkartusche, die als vorbefüllbare Einheit in wiederverwendbare Spendersysteme integriert wird. Auch etablierte Marken treiben den Einsatz von Recyclingaluminium voran: Beiersdorf bringt die Nivea Creme in einer Dose aus 95 Prozent recyceltem Aluminium auf den Markt.
Transparenz durch Umweltbewertung
Mit dem EcoBeautyScore entsteht ein europaweites Bewertungssystem für Umweltwirkungen von Kosmetikprodukten. Verpackungen werden dabei über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg berücksichtigt – von der Rohstoffgewinnung bis zur Entsorgung. Zum Start umfasst das System Shampoo, Conditioner, Duschgel und Gesichtspflegeprodukte. Ziel ist eine transparente, wissenschaftlich fundierte Vergleichbarkeit.

Die Beispiele zeigen: Nachhaltigkeit in der Kosmetikverpackung ist kein isoliertes Materialthema mehr. Sie umfasst Design, Recyclingfähigkeit, Prozessinnovation, Dekorationstechnologie und digitale Transparenz. Unternehmen, die ökologische Anforderungen frühzeitig in marktfähige Konzepte übersetzen, verschaffen sich damit nicht nur regulatorische Sicherheit, sondern auch strategische Wettbewerbsvorteile.
Hinweis: Dieser Artikel entstand auf Basis eines Fachartikels, den das packaging journal zur freien Verfügung für interessierte Medien im Auftrag der interpack 2026 erstellt hat. Den Originalartikel finden Sie hier. Mehr zu Verpackungslösungen für Kosmetikprodukte erfahren Sie live auf der interpack 2026 vom 7. bis 13. Mai in Düsseldorf.