Offener Brief warnt vor Kollaps des Kunststoffrecyclings

Das Kunststoffrecycling in Europa befindet sich laut den Unterzeichnern in einer existenziellen Krise.
Bild: JasminkaM / Shutterstock.com

Das Deutsche Verpackungsinstitut (dvi) fordert gemeinsam mit Unternehmen wie Constantia Flexibles, Rossmann, Werner & Mertz, Remondis und dem Grünen Punkt politische Sofortmaßnahmen zur Sicherung des Kunststoffrecyclings. In einem offenen Brief an die Bundesregierung warnen die Akteure vor einem drohenden Strukturbruch der Branche und verlangen einen schnellen Dialog.

Das Kunststoffrecycling in Europa befindet sich laut den Unterzeichnern in einer existenziellen Krise. Der offene Brief richtet sich an Bundeskanzler, Wirtschafts- und Umweltministerium und beschreibt ein akutes Marktversagen, das zentrale Ziele der Kreislaufwirtschaft gefährdet.

Branche verliert rasant an Kapazität

Nach Angaben des dvi und der beteiligten Unternehmen sind bis Ende 2025 bereits nahezu eine Million Tonnen Recyclingkapazität in Europa durch Werksschließungen und Insolvenzen verloren gegangen. Die Dynamik verschärft sich weiter: Die Zahl der Schließungen hat sich 2024 gegenüber dem Vorjahr verdoppelt, für 2025 wird sogar eine Verdreifachung erwartet.

Diese Entwicklung bedrohe nicht nur Arbeitsplätze und industrielle Infrastruktur, sondern auch die Erreichung von Klimazielen und die Versorgung mit Sekundärrohstoffen. Die Unterzeichner sehen darin ein erhebliches Risiko für die wirtschaftliche Unabhängigkeit Europas.

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Ursachen: Preisverfall und Wettbewerbsdruck

Als zentrale Gründe nennen die Initiatoren niedrige Rohölpreise und globale Überkapazitäten, die zu sinkenden Preisen für Neuware führen. Gleichzeitig drängen günstige Rezyklate aus Drittstaaten sowie nicht normgerechte Importmaterialien auf den europäischen Markt.

Zusätzlich belasten hohe Energiekosten sowie fehlende regulatorische Klarheit – etwa beim chemischen Recycling oder bei der Bewertung von Rezyklaten – die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Recycler. Auch mangelnde Anreize zur Nutzung von Rezyklaten werden als strukturelles Problem beschrieben.

Forderung nach politischen Maßnahmen

Um den drohenden Strukturverlust aufzuhalten, fordern die Unterzeichner gezielte Eingriffe. Dazu zählen unter anderem wirtschaftliche Anreize für den Einsatz von Rezyklaten, gleiche Wettbewerbsbedingungen gegenüber Importen sowie Entlastungen bei Energiekosten.

Zudem plädieren sie für einen Abbau bürokratischer Hürden und eine Stärkung der Kreislaufwirtschaft durch klare regulatorische Rahmenbedingungen. Ziel sei es, Materialströme in Europa zu halten und Recycling als strategischen Wirtschaftszweig zu sichern.

Mit dem offenen Brief verbinden die Beteiligten die Aufforderung an die Politik, kurzfristig in den Dialog mit der Branche einzutreten, um wirtschaftliche und ökologische Schäden abzuwenden.

Quelle: dvi