Während sich die Verpackungsindustrie seit Monaten auf die massiven Auswirkungen der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) vorbereitet, blieb das Thema in der Öffentlichkeit bislang eine Randnotiz. Jetzt greifen Leitmedien eine spezifische Regelung auf und entfachen eine rege Verbraucherdebatte: das Aus für die kleinen Shampoofläschchen in Hotels.
Die Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR) ist das bestimmende Thema der Branche. Von Rezyklateinsatzquoten über Design for Recycling bis hin zu strengen Reduktionszielen – die Tragweite für sämtliche Stakeholder der Wertschöpfungskette ist enorm. Unternehmen investieren Millionen in neue Maschinenparks, Materialforschung und alternative Kreislaufkonzepte. Doch außerhalb von Fachkreisen fand die EU-Verordnung bisher kaum statt. Das ändert sich gerade drastisch, wenn auch mit einem sehr spezifischen, verbrauchernahen Fokus.
Aufreger-Thema Reisegrößen
Verschiedene Publikumsmedien haben in den vergangenen Tagen die Auswirkungen der PPWR auf die gewohnte Hotelkosmetik thematisiert. So berichtet etwa der Stern über das bevorstehende Aus für Mini-Shampoos in Unterkünften und erklärt, dass die neuen EU-Regeln zur Vermeidung von Verpackungsmüll ab 2030 greifen. Auch die Bild-Zeitung greift das Thema in ihrem Verbraucherressort auf und titelt aufmerksamkeitsstark über das baldige Verschwinden der geliebten Hotel-Minishampoos.

Gemäß den Vorgaben der PPWR sollen bestimmte Einwegverpackungsformate künftig vom Markt verschwinden. Dazu zählen unter anderem kleine Kosmetikartikel im Gastgewerbe, sofern diese für Flüssigkeiten ein Volumen von weniger als 50 Millilitern aufweisen. Für die Hersteller solcher Reisegrößen sowie die Hotellerie bedeutet dies den zwingenden Umstieg auf nachfüllbare Spendersysteme oder feste, alternative Darreichungsformen.
Diskrepanz in der Wahrnehmung
Für die Akteure der Verpackungsbranche ist diese mediale Entwicklung ein spannendes Phänomen. Während Entscheider und Entwickler hinter den Kulissen mit hochkomplexen regulatorischen Vorgaben zu Materialkreisläufen, Leerraumquoten und Nachweispflichten ringen, entzündet sich die öffentliche Debatte an einem für den Konsumenten hochgradig emotionalen, aber im Gesamtkontext der Verordnung eher kleinen Detail. Die Reaktionen der Leser in sozialen Netzwerken und Kommentarspalten reichen dabei von Zustimmung aus Umweltschutzgründen bis hin zu Unverständnis über Bevormundung beim Reisekomfort.
Fest steht: Die aktuelle Berichterstattung zeigt, dass die PPWR allmählich die politische und industrielle Blase verlässt. Wenn 2030 die Regelungen für die Miniaturverpackungen in der Hotel-Dusche in Kraft treten, ist dies für den Endverbraucher nur die sichtbare Spitze des Eisbergs einer Verordnung, die die Verpackungsbranche bereits heute fundamental umkrempelt.







