EINBLICKE IN DIE VERPACKUNG
Einpacken allein reicht nicht!
Man kann es eigentlich nicht oft genug sagen, schreiben und verkünden: Verpackungen sind kein Selbstzweck. Sie werden nicht entwickelt und eingesetzt, damit sie vor allem eingespart oder zu 70 oder 80 Prozent recycelt werden können. Verpackungen haben eine primäre Aufgabe – den ausreichenden Schutz des jeweiligen Produkts. Und zwar so, dass dieses sicher transportiert, gelagert und verkauft werden kann.
Doch was unterscheidet ein Produkt vom anderen? Am Verkaufsregal im Handel sind es zum einen natürlich die Marken, mit denen bestimmte Erwartungen verbunden sind. Zum anderen – und oft entscheidend – sind es die Verpackungen. Produkte wie Kaugummi, Eis, Marmelade, Wurstwaren, Deos oder flüssige Waschmittel unterscheiden sich innerhalb ihrer Kategorie vor allem durch die eingesetzten Verpackungslösungen.
Ein einfacher Grundsatz gilt dabei: Je bequemer der Gebrauch, je einfacher die Entnahme und je sicherer die Aufbewahrung durch die Verpackung ermöglicht werden, desto höher sind nicht nur die Verkaufschancen, sondern vor allem auch die Wiederkaufsraten. Und genau diese sind entscheidend für nachhaltigen Produkt- und Markenerfolg.
Es ist die Convenience der Verpackung, die maßgeblich zur Produktdifferenzierung beiträgt. Wir alle nutzen diese Vorteile täglich – und meist ganz selbstverständlich, ohne sie besonders zu würdigen. Warum auch? Schließlich gehört das doch zum Produkt dazu, oder?
Wir sind daran gewöhnt, dass Verpackungen Inhalte durch definierte Pumpstöße exakt portionieren. Dass Schnappdeckel einhändig zu öffnen und wieder zu schließen sind. Dass sich Verpackungen dank Aufreißhilfen oder Perforationen problemlos öffnen lassen – ohne Reißen, Spritzen oder Krümeln. Und dass sie durch Zipper-, Klick- oder Drehmechanismen auslaufsicher wiederverschließbar sind. Ganz nebenbei sind komfortable Verpackungen standsicher und ergonomisch geformt, stapelbar, platzsparend und werden nach Gebrauch kleiner. Je nach Produkt sind sie mikrowellen-, ofen- oder gefriergeeignet. Und selbstverständlich verfügen sie über Manipulationssicherungen wie Siegel oder Originalitätsverschlüsse sowie – wo erforderlich – über Kindersicherungen.

Vor allem das Auspacken muss funktionieren
Solange Verpackung und Material zuverlässig ihren Dienst tun, ist alles gut. Doch was passiert, wenn genau das nicht der Fall ist? Wenn die gewünschte Funktion nicht erfüllt wird – oder schlimmer noch: wenn die Nutzung des Produkts dadurch erschwert oder unmöglich gemacht wird?
Wenn der Wiederverschluss nicht hält, der Deckel nicht dicht schließt. Wenn die Aufreißhilfe am Käsetray keine Hilfe ist, sondern das Öffnen verhindert. Wenn beim zu kräftigen Aufreißen der Inhalt herauskleckert. Wenn der Zippverschluss nicht mehr ineinandergreift oder die Folie an der vorgesehenen Stelle partout nicht weiterreißen will und man nur noch mit der Schere an den appetitlichen Inhalt gelangt.
Einige Convenience-Mängel lassen sich vielleicht noch ertragen. Geduldig greift man zur Schere, um das Wursttray zu öffnen, oder füllt Linsen in ein Vorratsglas um, weil die Verpackung nicht wiederverschließbar ist. Doch spätestens dann, wenn die Verpackung verhindert, dass der wertvolle Inhalt vollständig genutzt werden kann, oder wenn hygienische Risiken entstehen, endet die Leidensfähigkeit – und mit ihr die Kaufbereitschaft.
Die Produktauswahl ist schlicht zu groß, um an schlechten Verpackungen festzuhalten
Sehr gute, innovative Verpackungen wirken leise. Sie ermöglichen Produktgenuss und -gebrauch fast unbemerkt. Schlechte Verpackungen hingegen sind Showstopper. Sie stören, frustrieren, verhindern den nächsten Kauf und riskieren den Markenerfolg.
Wer über nachhaltige Verpackungen spricht, muss über funktionierende Verpackungen sprechen. Nicht weniger, sondern besser verpacken muss das Ziel sein. Denn erst wenn Schutz, Convenience und Nutzbarkeit stimmen, kann Nachhaltigkeit ihre Wirkung entfalten.

Sonja Bähr ist eine der profiliertesten Stimmen der Verpackungsbranche.
Die studierte Verpackungstechnikerin und langjährige Strategieberaterin bringt technische Expertise und klare Haltung zusammen – sie denkt Verpackung ganzheitlich, aus Sicht von Markt, Marke, Material und Mensch.
In ihrer Kolumne „Aufgemacht – Einblicke in Verpackung“ schaut sie für packaging journal hinter die Schlagzeilen und Normtexte – und auf das, was Verpackung in der Praxis leisten soll: schützen, verkaufen, vereinfachen, begeistern. Mal meinungsstark, mal augenzwinkernd – aber immer fachlich fundiert.
🎯 Regelmäßig ein neuer Impuls für die Diskussion rund um Nachhaltigkeit, Regulatorik, Innovation und Realität in der Welt der Verpackung.







