Verpackungstrends verändern den Craft-Biermarkt

Parallel zur Materialfrage zeigt sich eine zunehmende Polarisierung bei den Verpackungsgrößen.
Bild: Mihai_Andritoiu / Shutterstock.com

Neue Auswertungen der Brewers Association (BA) und des Marktforschungsunternehmens NIQ zeigen, wie sich der US-amerikanische Craft-Biermarkt 2025 entwickelt hat. Im Fokus stehen dabei insbesondere Verpackungsformate und Vertriebskanäle – mit klaren Verschiebungen hin zu Dosen sowie zu extremen Packungsgrößen.

Der US-Craft-Biermarkt steht weiterhin unter Druck. Laut Daten der Brewers Association sank der Anteil von unabhängig definiertem Craft-Bier im Off-Premise-Segment 2025 auf 5,7 Prozent, nach 5,9 Prozent im Vorjahr. Auch bei der breiter gefassten NIQ-Definition ging der Anteil leicht zurück. Trotz dieser Entwicklung bleibe verpacktes Bier ein zentraler Bestandteil des Geschäftsmodells, da ein Großteil der Brauereien zumindest teilweise distribuiert.

Aluminiumverpackungen erreichen Sättigungsniveau

Aluminiumdosen festigen ihre dominante Rolle im Craft-Segment weiter. 2025 entfielen 78 Prozent des verpackten Volumens auf Dosen, während Glasflaschen nur noch 22 Prozent ausmachten. Damit setze sich der langfristige Trend zugunsten von Aluminium fort, wenngleich sich das Wachstum zuletzt verlangsamt hat.

Die Entwicklung deute darauf hin, dass sich der Markt einem Gleichgewicht nähert. Faktoren wie eine weitgehend erreichte Verbraucherakzeptanz, ein begrenztes verbleibendes Substitutionspotenzial von Glas sowie mögliche Effekte von Aluminiumzöllen könnten diese Stabilisierung erklären. Regionale Unterschiede bleiben jedoch deutlich: Während in Bundesstaaten mit starkem Outdoor-Bezug Dosenanteile von über 90 Prozent erreicht werden, halten sich Glasflaschen in anderen Märkten weiterhin stärker.

Anzeige

Packungsgrößen entwickeln sich in zwei Richtungen

Parallel zur Materialfrage zeigt sich eine zunehmende Polarisierung bei den Verpackungsgrößen. Klassische Sechserpacks bleiben mit 45 Prozent Marktanteil zwar führend, verlieren jedoch kontinuierlich an Bedeutung.

Zuwächse verzeichnen sowohl kleinere als auch größere Formate. Einzelgebinde („Singles“) sowie 12er- und 24er-Packs gewinnen an Anteil, während 4er-Packs leicht zurückgehen. Diese Entwicklung wird vor allem auf ein verändertes Konsumverhalten zurückgeführt: Einerseits suchen Verbraucher nach niedrigeren Einstiegspreisen pro Kauf, andererseits steigt die Nachfrage nach volumenbasierten Preisvorteilen.

Besonders auffällig sei die Entwicklung bei Einzelgebinden. Hier dominieren großvolumige Dosenformate wie 19,2-Unzen-Gebinde, die ihren Anteil weiter ausbauen konnten. Gleichzeitig bleibe das Segment stark von hopfenbetonten Bierstilen geprägt.

Preisdruck und Konzentration bei Großformaten

Im Bereich größerer Verpackungseinheiten zeigt sich eine zunehmende Marktkonzentration. Ein erheblicher Teil des 12er- und 24er-Pack-Volumens entfällt auf wenige große Anbieter. Gleichzeitig geraten Preise unter Druck: Während die durchschnittlichen Preise im Gesamtmarkt moderat steigen, sinken sie bei 24er-Packs sogar.

Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Bedeutung von Preis-Leistungs-Aspekten im Markt, heißt es. Größere Verpackungseinheiten profitieren dabei von Skaleneffekten und sprechen besonders preissensible Konsumenten an.

Vertriebskanäle unter Druck

Auch auf Vertriebsebene zeigen sich Verschiebungen. Insgesamt ging das Craft-Bier-Volumen im Einzelhandel um 6,6 Prozent zurück. Während Convenience- und Lebensmittelhandel vergleichsweise stabil blieben, verzeichneten klassische Getränkefachmärkte deutlich stärkere Rückgänge.

Über alle Kanäle hinweg zeigen sich jedoch ähnliche Muster bei den Verpackungen: Einzelgebinde entwickeln sich am stabilsten, gefolgt von 12er-Packs, während kleinere Mehrfachpacks stärker unter Druck stehen.

Verpackung bleibt strategischer Hebel

Die aktuellen Daten machen deutlich, dass Verpackung im Craft-Biermarkt eine zentrale strategische Rolle spielt. Materialwahl, Gebindegröße und Preispositionierung sind eng mit Konsumverhalten und Marktbedingungen verknüpft. Während sich Aluminium als dominierendes Verpackungsmaterial etabliert hat, verschiebt sich der Wettbewerb zunehmend in Richtung Format- und Preisstrategien.

Quelle: Brewers Association