„Nachhaltige Verpackung“ ist eine vielzitierte, aber oft wenig belastbare Aussage. Auf der interpack 2026 erklärt Henning H. Sittel von der Effizienz-Agentur NRW (efa), wie die Verpackungsmatrix als Power-App Unternehmen einen strukturierten Weg vom Schlagwort zur messbaren Bewertung bietet.
Vom Schlagwort zur Indikatoren-Bewertung
„Mit den wachsenden Anforderungen zur Nachhaltigkeitsberichterstattung steigen auch die Anforderungen an die Messbarkeit der Nachhaltigkeit“, erklärt Sittel. „Gerade im Bereich der Verpackungen wird mit der Aussage ‚Nachhaltige Verpackungen‘ viel suggeriert, aber oft wenig Konkretes ausgesagt.“ Der Ansatz einer Indikatoren-Bewertung sei dabei nicht neu – neu sei jedoch die Ganzheitlichkeit, die die efa-Power-App ermöglicht.
Die Bewertungsmatrix wurde 2021 in einem Wertschöpfungsketten-Netzwerk mit rund 15 Unternehmen der Ernährungswirtschaft entwickelt. Die Hochschule Ruhr-West übernahm im Rahmen des Forschungsprojekts Prosperkolleg die wissenschaftliche Begleitung, validierte die Ergebnisse und bewertete deren Anwendbarkeit. Ergebnis ist eine Matrix mit Indikatoren in den Schwerpunktbereichen Produktschutz, Zirkularität, Umwelt, Anlagenauslastung und Kommunikation.
Wie die Power-App in der Praxis funktioniert
Seit Herbst 2023 läuft die Bewertung als Power-App und wird in der Praxis erprobt. „Die neue Power-App ist intuitiv und nachvollziehbar“, so Sittel. „Begleitet von der EFA werden Unternehmensvertreterinnen und -vertreter durch den Bewertungsprozess geführt und erhalten am Ende in Form einer schriftlichen Dokumentation die Ergebnisse der Packmittelanalyse übersichtlich zusammengefasst.“ Bis zu 45 Indikatoren in den fünf Schwerpunktbereichen lassen sich einbeziehen.
Entscheidend ist die Möglichkeit zur quantitativen Bewertung neben der qualitativen Einschätzung. „Dies ist im Hinblick auf verfügbare Zahlen, Daten und Fakten zur Validierung der getätigten Aussagen sehr bedeutsam.“ Über 40 durchgeführte Packmittelanalysen haben das Indikatoren-Profil bereits geschärft – und liefern damit nicht nur ein Bewertungsergebnis, sondern offene Fragen und konkrete Maßnahmenvorschläge als Grundlage für die nächsten Schritte.
Belastbare Bewertung als Antwort auf die PPWR
Mit Inkrafttreten zentraler PPWR-Pflichten am 12. August 2026 brauchen Unternehmen belastbare Bewertungsverfahren – pauschale Nachhaltigkeitsaussagen reichen weder regulatorisch noch im Markt. Hinzu kommt der Druck der Nachfrageseite: Aktuelle Umfragen zeigen, dass rund 77 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher mehr für nachhaltigere Verpackungen zahlen würden.
Sittel betont die Bedeutung der Wertschöpfungskette: „Kommunikation entlang der Wertschöpfungsketten ist ein zentraler Garant für eine erfolgreiche Platzierung von neuen Verpackungslösungen.“ Der nächste Entwicklungsschritt: ein Dashboard zur Visualisierung der Ergebnisse, das die Argumentationslinie konkretisiert. Damit wird aus der Bewertung ein strategisches Werkzeug – sowohl für interne Entscheidungen als auch für die Kommunikation mit Partnern, Handel und Konsumenten.
