Die regulatorischen Anforderungen an die Verpackungsindustrie wachsen rasant. Neue Verordnungen, globale Märkte und zunehmend komplexe Lieferketten treffen auf eine Realität, in der relevante Informationen oft in unstrukturierten, unvollständigen oder schwer zugänglichen Dokumenten verborgen vorliegen. Genau hier setzt Pyx mit einem Ansatz, der künstliche Intelligenz nicht als Selbstzweck versteht, sondern als präzises Werkzeug zur Lösung eines sehr konkreten Industrieproblems, an.
Das Start-up Pyx wird von dem Gründerteam Stavros Kyriakidis und Otto Hefner, das jahrzehntelange Erfahrung in der Entwicklung und im Betrieb von Enterprise-Software vereint, seit August 2024 geführt. Diese Expertise reicht von skalierbaren KI-Architekturen über komplexe Datenpipelines bis hin zu tief integrierten Enterprise-Integrationen in bestehende IT-Landschaften. Von Beginn an war jedoch klar: Eine Lösung für Material- und Regulatorik-Compliance kann nur dann funktionieren, wenn technologische Exzellenz mit echter Fachexpertise aus der Verpackungsindustrie zusammenkommt. Deshalb wurde die entstandene Lösung von Pyx von Anfang an gemeinsam mit Branchenwissen entwickelt, von Beginn an in enger Zusammenarbeit mit Bischof+Klein. Diese Co-Development-Struktur stellt sicher, dass reale industrielle Anforderungen, regulatorische Feinheiten und technische Umsetzung nahtlos ineinandergreifen. Dies hat insbesondere im Zusammenhang mit den Materialregularien der PPWR besondere Brisanz.
Material-Compliance in der Verpackungsindustrie neu denken
Im Zentrum der Lösung stehen die automatisierte Extraktion und Strukturierung regulatorisch relevanter Informationen aus Dokumenten – unabhängig davon, wie diese vorliegen. Die Software Pyx verarbeitet klassische PDFs ebenso wie gescannte Unterlagen, historisch gewachsene Spezifikationen oder Dokumente mit handschriftlichen Ergänzungen. Dabei geht es bewusst nicht um reine Texterkennung. Die Dokumente durchlaufen vielmehr eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Prozessschritte: von OCR über Layout- und Tabellenanalyse bis hin zu semantischer Kontextbewertung.
Ein kontextsensitiver Layer bewertet Inhalte nicht isoliert, sondern im regulatorischen Zusammenhang. Damit verändert die Entwicklung den klassischen Prozess der Material-Compliance, der bislang die Basis für regulatorische Entscheidungen bildet, grundlegend. Wo Fachabteilungen heute häufig mehrere Stunden damit verbringen, umfangreiche Lieferantendokumente manuell zu sichten, zu vergleichen und zu interpretieren, übernimmt die Software diesen Prozess automatisiert innerhalb weniger Minuten. Die Auswertung erfolgt dabei nicht nur deutlich schneller, sondern auch konsistenter und qualitativ hochwertiger als bei der rein manuellen Analyse. So liest Pyx DoCs, TDS, SDS, technische Spezifikationen und weitere relevante Dokumenttypen ganzheitlich aus und leitet daraus strukturierte Aussagen zur Konformität gegenüber konkreten Regularien ab.
Das Ergebnis sind valide, maschinenlesbare Datensätze, die sich über APIs direkt in bestehende Systemlandschaften integrieren lassen – sei es in interne Datenbanken, ERP-Systeme oder spezialisierte Compliance-Lösungen. Die Entwicklung setzt dabei bewusst früh im Prozess an: bei der automatisierten Extraktion, Normalisierung und Kontextualisierung unstrukturierter Dokumente. Sie schafft so eine belastbare Grundlage für Material-Compliance über Lieferanten, Dokumenttypen und Sprachen hinweg. Gleichzeitig verschiebt Pyx den Fokus regulatorischer Arbeit: Statt Fachabteilungen mit der manuellen Sichtung und Interpretation umfangreicher Dokumente zu binden, übernimmt das System diese Vorarbeit automatisiert.
Regulatorische Expertise wird dadurch nicht ersetzt, sondern gezielt auf die fachliche Bewertung von Ergebnissen und Ausnahmen konzentriert. Auf diese Weise lässt sich spezialisiertes Know-how erstmals skalieren.

Ergänzt wird dieser Ansatz durch die enge Partnerschaft mit MDCTec. Als einer der führenden Anbieter im nachgelagerten Compliance-Prozess bietet MDCTec mit ComplianceBASE eine etablierte Plattform zur regulatorischen Bewertung. Die Anbindung an ComplianceBASE ist dabei optional und erweitert die Stand-alone-nutzbaren Funktionen von Pyx zu einer durchgängigen Prozesskette – von unstrukturierten Lieferantendokumenten bis hin zur systematischen, revisionssicheren Compliance-Bewertung.
Fehlende, konsistente Materialdaten
Unabhängig davon ist Pyx global ausgelegt und berücksichtigt europäische, US-amerikanische und weitere internationale Regularien. Die extrahierten Materialdaten sind Regulatorik-übergreifend nutzbar und lassen sich über APIs flexibel in bestehende Systemlandschaften integrieren – mit oder ohne angebundene Compliance-Plattform. Besonders deutlich wird der Mehrwert dieses Ansatzes im Kontext der Packaging and Packaging Waste Regulation (PPWR). Sie ist dabei nicht Ausgangspunkt, sondern Konsequenz eines strukturellen Problems: fehlender, konsistenter Materialdaten entlang der Lieferkette. Kaum eine Regulierung wird die Verpackungsbranche in den nächsten Jahren so stark verändern. Materialzusammensetzungen, Recyclingfähigkeit, Nachweispflichten und Datenverfügbarkeit rücken in den Mittelpunkt unternehmerischer Verantwortung. Genau diese Informationen stehen jedoch heute meist nur fragmentiert, unstrukturiert und verteilt über zahlreiche Dokumente zur Verfügung. Pyx adressiert dieses Grundproblem unabhängig von einzelnen Regularien. Die bestehende Material-Compliance-Auswertung bildet gleichzeitig die ideale Grundlage, um PPWR-relevante Anforderungen systematisch mit abzudecken – und tut dies bereits heute. Durch die automatisierte Aufbereitung und Normalisierung der relevanten Informationen wird die PPWR von einer abstrakten regulatorischen Vorgabe zu einem operativ handhabbaren Prozess.
Messbarer Effizienz- und Qualitätsgewinn
Die Prüfung eines Rohstoffs dauert ohne Pyx durchschnittlich zwei bis vier Stunden, mit der Software nur wenige Minuten. Die Ergebnisqualität steigt, weil die Prüfung systematisch maschinell erfolgt und typische Fehler aus manueller Bearbeitung vermieden werden. Ergänzend stellt Pyx zahlreiche Workflow-erleichternde Funktionen links und rechts des eigentlichen Prüfprozesses bereit, sodass aus einer einmaligen Dokumentenauswertung ein dauerhaft nutzbarer, zentraler Datenbestand entsteht. Eine einmalig ausgeführte Auswertung eines Rohstoffs oder einer Verpackungskomponente bleibt verfügbar und kann durch gezielte Updates innerhalb derselben Auswertung fortgeschrieben werden – als stets aktueller Ausgangspunkt für die regulatorische Bewertung der Verpackungskomponenten. Auch die Preisrelation ist dabei vorteilhaft: Die Kosten einer Auswertung liegen deutlich unter den internen Lohnkosten, die für eine vergleichbare manuelle Prüfung anfallen würden.
Breiter Anwenderkreis
Pyx richtet sich an alle Akteure entlang der Verpackungswertschöpfungskette – von Rohstofflieferanten über Verpackungsmittelhersteller und Converter bis hin zu Verpackern und Abfüllern, d. h. an alle Unternehmen, die durch aktuelle und kommende Regularien in Verantwortung gezogen werden. Statt regulatorische Komplexität manuell zu verwalten, erhalten Anwender eine strukturierte, skalierbare und zukunftsfähige Lösung.
Dabei sind die Anwender nicht auf Regulatory Experts beschränkt: Qualitätsmanagement, Verpackungsentwickler und angrenzende Fachbereiche können gleichermaßen mit Pyx arbeiten. Auch der Einkauf profitiert, da er schneller belastbare, strukturierte Informationen zu Materialzusammensetzungen, Konformitätsaussagen und Statusständen erhält – und damit Entscheidungen fundierter und effizienter treffen kann.
Das Potenzial ist entsprechend immens, weil die gleichen Daten für unterschiedliche Rollen nutzbar gemacht werden und die Organisation insgesamt handlungsfähiger wird. Dass dieser Ansatz den Nerv der Branche trifft, zeigte die deutlich positive Resonanz nach der Präsentation des Lösungsansatzes beispielsweise anlässlich der Dresdner Verpackungstagung des dvi 2025 sowie bei der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Das Start-up stieß auf großes Interesse bei einer fachlich tief involvierten Zuhörerschaft. Die spürbare Begeisterung resultierte vor allem daraus, dass hier erstmals ein bislang ungelöstes, branchenweites Problem praktikabel adressiert wurde. Die Experten werden in Kürze für zehn Unternehmen aus dem Verpackungsbereich als Dienstleister agieren, weitere Verhandlungen gestalten sich vielversprechend.
Pyx steht damit für einen neuen Umgang mit regulatorischer Realität in der Verpackungsindustrie. Nicht als weiteres KI-Tool, sondern als integraler Bestandteil industrieller Prozesse. Mehr als nur ein Prompt: ein System, das versteht, strukturiert und Unternehmen handlungsfähig macht.






