Seit 1986 entwickelt die Barsch GmbH & Co. KG aus Reiskirchen modular aufgebaute horizontale Flowpackmaschinen. Das Unternehmen ist spezialisiert auf kundenspezifische Lösungen für Lebensmittel, Hygieneprodukte, Medizintechnik, Petfood und technische Artikel. Heute arbeiten die Spezialisten an Technologien, die den Markt grundlegend verändern könnten.
Barsch gilt im Bereich horizontaler Flowpackmaschinen als eines der wenigen Unternehmen, das seine Maschinen vollständig modular, digital konfigurierbar und softwareseitig durchgängig strukturiert entwickelt. Dabei verbindet man klassische Maschinenbaukompetenz mit einer bemerkenswerten Stärke im Bereich digitaler Konfiguration und agiler Produktentwicklung. Das jüngste Beispiel ist die Integration einer Inline-Farbdruck-Lösung, die es ermöglicht, jede einzelne Verpackung individuell und vollfarbig im Prozess zu bedrucken. Was bislang in der Branche als Zukunftsversprechen galt, ist hier bereits Realität.
Maschinenbau mit Funktionsmodulen
Die Flowpackmaschinen von Barsch folgen einer klar strukturierten Modularlogik: Acht Funktionsmodule bilden die gesamte Maschine ab: von der Packgutzuführung, der Packstoffführung bis hin zu Formatbaugruppen, der Längs- und Quersiegelung sowie dem Produktabtransport.
Jedes dieser Module ist in mindestens zwei Varianten verfügbar, in einigen Bereichen existiert eine deutlich größere Auswahl. Ergänzend können Anwender aus über 100 zusätzlichen Optionen wählen, etwa für Produkthandling, Siegeltechnologie, Sensorik, Etikettierung oder integrierte Drucksysteme. Der digitale Konfigurator des Unternehmens bildet alle Varianten und Abhängigkeiten softwarebasiert ab. Dadurch lassen sich Maschinen exakt nach Produktanforderung zusammenstellen – ohne Interpretationsspielräume, mit sauber definierten Schnittstellen und vollständiger Variantenlogik. Für Anwender bedeutet das eine hohe technische Transparenz.
Mit dem integrierten Inline-Farbdruck erweitert Barsch das Spektrum der Verpackungsmaschine um eine neue technologische Funktion: dort drucken, wo verpackt wird. „Wir haben erstmals gezeigt, dass vollfarbiger Inline-Druck auf Flowpackpapier im Prozess möglich ist“, betont Frank Lindenstruth, Geschäftsführer bei Barsch, wo er den Bereich Konstruktion verantwortet.
Inline-Farbdruck im Verpackungsprozess
Barsch hat den vollfarbigen Inline-Druck auf Papierstrukturen direkt in die Flowpackmaschine integriert: ohne externe Druckvorstufe und ohne vorbedrucktes Material. Damit wird Farbdruck zu einem festen Bestandteil des Verpackungsprozesses. Für die Druckeinheit arbeitet das Unternehmen eng mit der niederländischen Firma DJM zusammen. Das Ergebnis ist ein System, das vollfarbige Grafiken, Logos, fotorealistische Abbildungen, saisonale Motive und variable Daten in Echtzeit direkt im Durchlauf auf das Papier druckt.

Mehrere Faktoren stehen für einen Durchbruch: Layout-Wechsel erfolgen digital innerhalb von Sekunden, es gibt keine Mindestmengen, und selbst 50 Stück mit Sonderdesign lassen sich wirtschaftlich produzieren, Folienlager und das Warten auf den Druckdienstleister entfallen.
Neben Flexibilität, Kosteneffizienz und Geschwindigkeit sprechen auch Nachhaltigkeitsaspekte für diese Lösung: ein deutlich geringeres Verpackungsgewicht im Vergleich zu Karton-, Tiefzieh- oder Blisterverpackungen sowie der Monomaterialeinsatz. Vorbedruckte Folienrollen und Makulatur durch Designfehler entfallen, Lager- und Logistikkosten sind deutlich geringer.
Zudem lassen sich elegant neue Geschäftsmodelle wie Limited Editions, Personalisierungen, regionale oder tagesaktuelle Aktionen realisieren. Single-Pack-Customization wird industriell möglich.
Der industrielle Inkjet-Farbdruck zeigt eine neue Qualität: Farbmotive, Texturen und variable Inhalte lassen sich allein durch Änderung des Druckjobs realisieren. Die Testgeschwindigkeit liegt bei bis zu 20 Metern pro Minute, das System ist für bis zu 90 Meter pro Minute ausgelegt. Durch Kaskadierung mehrerer Druckköpfe kann die Druckbreite nahezu über die gesamte Papierbahn erweitert werden.
Bei Tests mit 600 dpi wurden bereits klare Konturen und eine hohe Detailtiefe erreicht. Der Druckkopf ist präzise mit Bahnführung, Materialtransport und Siegelprozess synchronisiert – zusätzliche externe Systeme werden nicht benötigt.
„Wir sehen darin eine neue Kategorie: die On-demand-Verpackung. Jede Packung kann im Prinzip ein Unikat sein.“
Nadine Barsch, Tochter des Gründers und Geschäftsführerin bei Barsch
Neues Produktionsmodell
Die Lösung punktet durch Effizienz in der Supply Chain, Aufmerksamkeitsstärke im Regal und bei der Entwicklung neuer Sortimentskonzepte. Hersteller können so sehr kurzfristig auf Trends reagieren.
Die Inline-Farbdruck-Lösung ist für einige Bereiche besonders gut geeignet: Im Food-Segment ermöglicht sie saisonale Verpackungen für Süßwaren, regionale Editionen für Snacks oder personalisierte Geschenkverpackungen. Im Non-Food-Bereich profitieren insbesondere Schreibwaren, Hygieneartikel und Kosmetikprodukte – etwa durch Influencer-Kooperationen, Limited Editions oder filialspezifische Designs. Auch im Bereich Petfood und Medizintechnik eröffnen sich neue Möglichkeiten: von chargenspezifischen Kennzeichnungen bis hin zu mehrsprachigen Verpackungsvarianten für unterschiedliche Märkte.
Mit der Kombination aus Papier-Flowpack und Inline-Farbdruck entsteht eine technisch und ökologisch überzeugende Alternative. Bis zu 1.200 dpi sind technisch möglich und erlauben Grafiken, Logos, feine Texturen sowie fotorealistische Produktabbildungen. Da jede Packung on demand gedruckt wird, entfallen Lagerbestände, Transportaufwand und Überproduktion von vorbedruckten Rollen.
Gamechanger für Schreibwaren
Um das Potenzial des vollfarbigen Inline-Drucks auf Papier zu demonstrieren, hat Barsch das Verpacken von drei typischen Schreibwarenprodukten in Flowpacks umgesetzt: Filzstifte, Klebestifte und -rollen. Diese Produkte werden im Einzelhandel millionenfach angeboten: bislang jedoch fast ausschließlich in Kunststoffblistern, die weder nachhaltig noch designflexibel sind.
Ein einziger Papierpackstoff ersetzt sowohl die Blisterschalen aus Kunststoff als auch Etiketten und zusätzliche Kartonverpackungen. Die Artikelvielfalt lässt sich ohne logistische Komplexität abbilden. Anstelle von 20 bis 30 konfektionierten Packstoffen pro Serie wird für die Herstellung nur noch ein neutrales Papier benötigt, der Rest entsteht digital.
Ein klassisches Problem bei Papierverpackungen: Das Produkt ist nicht sichtbar. Durch den vollfarbigen Inline-Druck lässt sich das Produkt fotorealistisch direkt auf die Papieroberfläche drucken. Ohne Kunststoff ist das Produkt von außen sichtbar, innen geschützt, und die Verpackung besteht vollständig aus Papier.
Potenzial als Trendsetter
Die Verpackungsindustrie wird von drei großen Themen bestimmt: Nachhaltigkeit und PPWR, Individualisierung des Handels sowie Digitalisierung. Papier und Monomaterialien sollen komplexe Verbunde ersetzen: Der Inline-Druck macht diese Umstellung wirtschaftlicher. Kleinere Chargen, saisonale Konzepte und kurzfristige Designanpassungen werden ohne Druckerei und Rüstzeiten möglich. Jede Packung kann im Produktionsmoment individuell bedruckt werden: Sorte, Markt, Sprache und Aktion sind frei kombinierbar. Die Verpackung wird zum Informationsträger und Marketinginstrument zugleich.
Damit entsteht ein Ansatz, der nicht nur technisch interessant ist, sondern auch wirtschaftlich neue Modelle in Handel und Industrie ermöglicht.







