Um den derzeit beschränkten Einsatz von Biokunststoffen und Bioverbundwerkstoffen auch in langlebigen Produkten zu erhöhen, müssen ausreichend Informationen zu deren Langzeitbeständigkeit und Einflussfaktoren darauf generiert werden. Wissenschaftler der Universität Kassel, der Universität Stuttgart und des Fraunhofer Instituts für angewandte Polymerforschung sind gemeinsam mit der Altair Engineering GmbH seit Oktober 2021 mit den Untersuchungen beschäftigt.
Daneben arbeiten über 50 Industriepartner im Projekt mit und bringen ihre Expertise ein. Die geschaffenen Ergebnisse sollen in eine in der Kunststoffverarbeitungs-Branche etablierte Datenbank einfließen, um sie Unternehmen leicht zugänglich zu machen. Der Forschungsverbund BeBio2 wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) gefördert.
Verbesserung der Datenlage
Bisher hemmen eingeschränkte Kenntnisse und schwer zugängliche Informationen den Einsatz von Biokunststoffen. Dabei sind insbesondere für KMU die Hürden sehr groß. Diese Erkenntnisse gehen aus der bereits durchgeführten Studie BioResist hervor, in der eine Literaturrecherche und eine Befragung von Unternehmensvertretern und Fachexperten zur Beständigkeit von Biokunststoffen und Bioverbundwerkstoffen stattfanden.
Aufbauend auf dieser Studie soll die Datenlage zur Beständigkeit zahlreicher Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe erheblich verbessert und öffentlich zugänglich gemacht werden. Ziel ist es, darüber den vermehrten Einsatz biobasierter Werkstoffe zu fördern. Durch die enge Kooperation der Forschungseinrichtungen mit zahlreichen Unternehmen ist die Praxisrelevanz der Ergebnisse für die Unternehmen gewährleistet und es wird eine direkte Verwertung realisiert.
Einflüsse identifizieren, Szenarien entwickeln
Die Untersuchungen zielen dabei auf die Beständigkeit gegenüber zahlreichen Faktoren ab, wie beispielsweise Medien, Temperatur und biologischer Abbau. Es gilt, die Einflussfaktoren branchenabhängig zu identifizieren und verschiedene Alterungsszenarien zu entwickeln. Auf Bauteile im Motorraum wirken demnach andere Einflüsse (Fette, Öle, usw.) als auf Spielzeug (Reinigungsmittel, usw.) oder Elektroartikel (Temperatur, usw.).
Außerdem wird die Beständigkeit von Verarbeitungsparametern und Struktureigenschaften beeinflusst. Es sollen deshalb unterschiedliche Produkte verschiedenster Branchen geprüft werden, um geeignete Biokunststoffe so zu optimieren, dass sie in den entsprechenden Produktsparten Anwendung finden können.
Der Forschungsverbund führt dazu insgesamt zwölf Teilprojekte an den drei beteiligten Forschungseinrichtungen durch. Zusätzlich beteiligt sich die Firma Altair Engineering GmbH an der Erstellung der Datenbank. Die enge Zusammenarbeit aller Teilprojekte ermöglicht Synergieeffekte – nur so lässt sich das Ziel, den Einsatz biobasierter Werkstoffe voranzubringen, erreichen.
Quelle: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.
Weitere Beiträge aus dem Bereich Green Packaging

Papierbasierte Verpackung für empfindliche Gewürze
Das Hamburger Unternehmen one.five entwickelt Verpackungen mit Hilfe moderner KI-Technologien, aktuell eine papierbasierte Barriereverpackung für einen Bio-Gewürzhersteller.

Imperial College London setzt auf Verpackungen von Notpla
Mit dem Einsatz der neuen Verpackungen sollen mehr als 450.000 Einheiten herkömmlicher Einwegverpackungen ersetzt werden.

IfBB startet Forschungsprojekt „Resi – Reststoffe innovativ“
„Resi – Reststoffe innovativ“ heißt ein neue Forschungsprojekt am IfBB an der Hochschule Hannover, in dem die Nutzung von landwirtschaftlichen Rest- und Abfallstoffen für die Kunststoffindustrie erforscht wird.

UPM Bioraffinerie Leuna stellt erste kommerzielle Produkte her
Der finnische Konzern UPM hat mit der Produktion erster kommerzieller Holzchemikalien in seiner Bioraffinerie Leuna begonnen, die unter anderem in PET-Verpackungen zum Einsatz kommen sollen.

FKN kritisiert nationale Sonderregelung zur PPWR
Der FKN warnt vor überzogener Verpackungspolitik in Deutschland. Bürokratie, Kosten und Sonderregeln gefährden Recycling und Investitionen.

UPM entwickelt biobasierten, recycelfähigen schwarzen Farbstoff
UPM bringt mit Circular Renewable Black den ersten biobasierten, NIR-erkennbaren und CO₂-negativen schwarzen Farbstoff für recyclingfähige Verpackungen auf den Markt.