Die Anforderungen an Getränkeverpackungen verändern sich. Materialreduktion, Recyclingfähigkeit und regulatorische Vorgaben treiben die Entwicklung – und führen zu neuen Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Die Getränkebranche steht unter Druck: Die europäische Verpackungsverordnung, ambitionierte Nachhaltigkeitsziele der Hersteller sowie verändertes Konsumentenverhalten erfordern neue Ansätze bei Materialien, Prozessen und Design. Klassische Verpackungsformen wie PET- und Glasflaschen, Getränkedosen oder Kartonverpackungen werden dabei zunehmend weiterentwickelt. Gefordert sind geringerer Materialeinsatz, verbesserte Barriereeigenschaften, digitale Prozesskontrolle und eine hohe Recyclingfähigkeit.
Weniger Material bei gleicher Leistung
Ein zentrales Thema ist die Gewichtsreduktion. Der Maschinen- und Anlagenhersteller KHS verfolgt nach eigenen Angaben einen sogenannten „Premium-Light-Weight“-Ansatz. Mit der Flasche Premium Lite zeigt das Unternehmen eine Lösung für stilles Wasser aus 100 Prozent recyceltem PET, die bei einem Volumen von 0,25 Litern lediglich 6,2 Gramm wiegt.

Die Flasche soll minimalen Materialeinsatz mit einer hochwertigen Anmutung verbinden und ist laut KHS für den Einsatz auf modernen Hochgeschwindigkeitslinien ausgelegt. Produziert wird sie auf der Streckblasmaschine InnoPET Blomax Serie V, die eine stabile Produktion bei hohen Stückzahlen ermöglichen soll.
Noch weiter geht das Unternehmen mit der PET-Flasche „Supreme“. Hier kommt die sogenannte Plasmax-Technologie zum Einsatz: Eine weniger als 100 Nanometer dünne Siliziumoxid-Schicht wird auf die Innenwand der Flasche aufgebracht. Diese wirkt wie Glas und schützt sauerstoffempfindliche Getränke vor Oxidation. Gleichzeitig bleibt die Flasche laut Hersteller vollständig recyclingfähig, da sich die Beschichtung im Recyclingprozess wieder ablöst.
Recyclingfähigkeit als Systemaufgabe
Parallel zur Materialreduktion rückt die Recyclingfähigkeit einzelner Komponenten stärker in den Fokus. CCL Label zeigt hierzu Lösungen im Bereich Sleeve- und Etikettentechnologie. Mit EcoFloat wurde eine Shrink-Sleeve-Lösung entwickelt, deren Material im PET-Recyclingprozess aufschwimmt, während das PET absinkt. Diese physikalische Trennung ist entscheidend für hochwertiges Bottle-to-Bottle-Recycling.

Ergänzend bietet das Unternehmen laut eigenen Angaben WashOff-Etiketten an, die sich in industriellen Waschprozessen rückstandsfrei von Mehrwegflaschen lösen lassen. Auch für Einweg-Glasflaschen wurden Lösungen entwickelt, bei denen sich Etiketten nahezu vollständig entfernen lassen.
Klebstoffe und Hilfsstoffe im Blick
Neben Verpackung und Etikett gewinnen auch Klebstoffe an Bedeutung. Henkel Adhesive Technologies hat einen mineralölfreien Schmelzklebstoff entwickelt, der im Recyclingprozess laut Unternehmen zu bis zu 98 Prozent entfernt werden kann. Die Rückstände werden gemeinsam mit den Etiketten aus dem Materialstrom ausgeschleust.
Die Lösung eignet sich für Papier- und Kunststoffetiketten und kann laut Hersteller mit Geschwindigkeiten von bis zu 40.000 Flaschen pro Stunde verarbeitet werden. Gleichzeitig liegt die Verarbeitungstemperatur vergleichsweise niedrig, was Energie spart und die Anlagenbelastung reduziert.
Direktbeschriftung statt Etikett
Ein weiterer Ansatz zur Materialeinsparung ist die direkte Kennzeichnung von Verpackungen. Krones hat mit „DecoBeam“ eine Lösung entwickelt, bei der Informationen wie Inhaltsstoffe oder Mindesthaltbarkeitsdatum per Laser direkt auf PET- oder rPET-Flaschen aufgebracht werden. Das reduziert den Materialeinsatz und vereinfacht den Recyclingprozess.
Für Glasbehälter bietet das Unternehmen mit „INKpression“ eine Alternative, bei der ein Design von einem Trägermaterial auf den Behälter übertragen wird. Laut Hersteller lassen sich so klassische Druckprozesse ersetzen.

Getränkedose bleibt gefragt
Parallel zu diesen Entwicklungen gewinnt die Getränkedose weiter an Bedeutung. Besonders bei Softdrinks und Energydrinks ist die Nachfrage in den vergangenen Jahren gestiegen. In Europa lag die Recyclingquote 2023 laut Metal Packaging Europe und European Aluminium bei über 76 Prozent. Länder mit Pfandsystemen erreichen sogar Werte von bis zu 90 Prozent.
Auch Hersteller reagieren auf diese Entwicklung. Coca-Cola Europacific Partners Deutschland investiert in eine neue Dosen-Abfülllinie am Standort Halle, die das bestehende Portfolio ergänzen soll. Hintergrund ist nach Unternehmensangaben die steigende Nachfrage – im deutschen Markt legten Getränke in Dosen zuletzt zweistellig zu.

Getränkekarton zwischen Image und Realität
Der Getränkekarton gilt häufig als umstrittene Verpackung, vereint jedoch verschiedene Vorteile. Er ist leicht, schützt das Produkt vor Licht und ermöglicht lange Haltbarkeit. Rund drei Viertel bestehen aus Kartonfasern, ergänzt um Barriere- und Kunststoffschichten.
Nach Angaben des Fachverbands Kartonverpackung für flüssige Nahrungsmittel existiert bereits ein funktionierender Recyclingkreislauf. Über bestehende Anlagen könnten jährlich rund 36.000 Tonnen Kunststoff- und Aluminiumanteile aufbereitet werden. Dennoch werden die gesetzlich geforderten Recyclingquoten laut Zentraler Stelle Verpackungsregister derzeit noch nicht erreicht.
Verbraucher sehen neue Verschlüsse kritisch
Neben technischen Entwicklungen spielt auch die Akzeptanz durch Verbraucher eine Rolle. Seit Mitte 2024 sind sogenannte „Tethered Caps“ für Einweg-Getränkeverpackungen verpflichtend. Sie sollen verhindern, dass Verschlüsse verloren gehen und das Recycling erleichtern.
Eine Studie des Nürnberg Instituts für Marktentscheidungen zeigt jedoch, dass viele Konsumenten diese Lösung kritisch sehen. Rund zwei Drittel der Befragten empfinden die Handhabung als unpraktisch, insbesondere beim Trinken oder Ausgießen.
Hinweis:
Dieser Artikel entstand auf Basis eines Fachartikels, den das packaging journal zur freien Verfügung für interessierte Medien im Auftrag der interpack 2026 erstellt hat. Den Originalartikel finden Sie hier. Mehr zu Verpackungslösungen für die Getränkeindustrie erfahren Sie live auf der interpack 2026 vom 7. bis 13. Mai in Düsseldorf.






