Women in Packaging: Engagierte Unternehmerin mit Teamgeist

Simone Mosca leitet gemeinsam mit ihrem Mann Timo Mosca und Alfred Kugler das Familienunternehmen und prägt seit Jahren maßgeblich die Nachhaltigkeitsstrategie.
Simone Mosca prägt seit Jahren maßgeblich die Nachhaltigkeitsstrategie des Familienunternehmens. (Bild: Mosca)

Mosca gehört zu den international führenden Anbietern von Lösungen zur Transportsicherung und End-of-Line-Verpackung. Bei der Herausforderung, ökologische Verantwortung, regulatorische Anforderungen und industrielle Realität miteinander zu verbinden, spielt Simone Mosca eine zentrale Rolle. Gemeinsam mit ihrem Mann Timo Mosca und Alfred Kugler leitet sie die Geschäfte und prägt seit Jahren maßgeblich die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens.

Der Weg in das Familienunternehmen ihres Mannes, 1966 von ihrem Schwiegervater gegründet, war ursprünglich gar nicht geplant. Die Industriekauffrau und Betriebswirtin hatte in verschiedenen Unternehmen gearbeitet, unter anderem gemeinsam mit einem Entwickler ein Start-up für elektronische Steuerungen und Komponenten gegründet und dort den kaufmännischen Bereich verantwortet. „Das war genau mein Ding, etwas neu aufzubauen“, sagt Simone Mosca rückblickend. Doch wenn die Strukturen etabliert sind, wächst der Wunsch nach der nächsten Herausforderung.

360-Grad-Blick

Mit der Geburt ihres zweiten Sohnes wollte sie sich eigentlich eine längere Auszeit nehmen. Doch während der Weltwirtschaftskrise 2007/2008 ist Timo Mosca stark im Ausland gefordert, gleichzeitig investiert das Unternehmen massiv in die Produktion von Umreifungsbändern. In Muckental, nur wenige Kilometer vom Stammsitz in Waldbrunn entfernt, entsteht eine moderne Produktionsstätte – wirtschaftlich jedoch zunächst mit Anlaufproblemen. „Ich bin ein prozessgetriebener Mensch, ich habe immer den 360-Grad-Blick“, sagt sie. So übernimmt sie nach nur wenigen Monaten Elternzeit die Verantwortung für die Bandproduktion am Standort Muckental.

Unterstützung holte sie sich stets von Fachleuten: Gemeinsam mit den Kunststoffingenieuren analysiert sie Abläufe, optimiert Prozesse, erhöht Schritt für Schritt die Rentabilität. Und übernimmt weitere Verantwortungsbereiche – von den globalen Einkaufsprozessen bis hin zur SAP-Einführung während der Coronapandemie. Aus einer temporären Unterstützung wird ein dauerhafter Einstieg.

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Simone Mosca arbeitet lange ohne eigenes Büro, pendelt zwischen den Standorten, sitzt in Besprechungsräumen. Erst als ihr Schwiegervater ihr sein Büro anbietet, wird ihr Platz im Unternehmen auch räumlich sichtbar. „Es war nie der Plan, dass ich ins Unternehmen einsteige“, sagt sie. „Aber Alfred Kugler war damals schon mit dabei und wir drei sind ein gutes Team. Ich habe es nie bereut.“

Nachhaltigkeit von Anfang an

Schon früh stellt Simone Mosca Fragen, die damals kaum jemand stellte: Welche Materialien setzen wir ein, gibt es Alternativen? Wie lassen sich Kunststoffe im Kreislauf führen? Welche Verantwortung trägt ein Hersteller jenseits seiner eigenen Wertschöpfung? „Ich habe mich schon mit dem Thema Kreislaufwirtschaft beschäftigt, als der Begriff Sustainability noch gar nicht populär war.“ Bei Mosca ist das kein Nebenthema. Der Kunststoffbereich verursacht den größten Teil des Carbon-Footprints – deutlich mehr als der Maschinenbau. Im Austausch mit Recyclingunternehmen erntet sie zunächst Skepsis. „Ich wurde mit meinem Anliegen belächelt“, erinnert sie sich. „Aber das spornt mich eher noch an.“ Über die Mannheim Business School gewinnt sie mit Ann Mertens eine Mitarbeiterin für das Nachhaltigkeitsmanagement, die heute Nachhaltigkeitsbeauftragte des Unternehmens ist.

Mosca stellt PET-Band zu nahezu 100 Prozent aus recyceltem Material her: Als Rohstoff werden „Bottle Flakes“ eingesetzt, die nicht mehr zu Flaschen verarbeitet werden können. (Bild: Mosca)

Branchenweites Kreislaufprojekt

2025 startet Mosca in Partnerschaft mit Interzero das Projekt „Loop That!“. Ausgangspunkt ist eine einfache Erkenntnis: Umreifungsbänder bestehen nahezu sortenrein aus PP oder PET und eignen sich ideal für hochwertiges Recycling. „Wir möchten einen geschlossenen Materialkreislauf als branchenweite Lösung etablieren“, sagt Simone Mosca. Daher ist „Loop That!“ als Einladung gedacht – an Wettbewerber, Recycler und Partner entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Da die gemeinsame Kreislauflösung aber nicht wie geplant Fahrt aufnimmt, hat Simone Mosca das Projekt jetzt an die von Mosca mitgegründete Projekt-Allianz Umreifungsbänder (PAU) weitergegeben. „Alleine kommt keiner weiter“, sagt sie. „Mir geht es um die Sache. Es ist immer wichtig, dass es einer anstößt – aber dann müssen alle ehrlich sein und alles auf den Tisch legen.“ Sämtliche Daten stellt Mosca nun transparent den Mitgliedern zur Verfügung.

Mit dem Projekt „Loop that!“ will Mosca einen geschlossenen Kreislauf für Umreifungsband etablieren und eine Branchenlösung für die gesamte Umreifungsbandindustrie initiieren. (Bild: Mosca)

Die PAU war Anfang 2025 von 13 Unternehmen der europäischen Umreifungsbandindustrie mit dem Ziel ins Leben gerufen worden, die politischen Entscheidungsträger in Brüssel von der Notwendigkeit einer Ausnahmegenehmigung im Rahmen der neuen EU-Verpackungsverordnung zu überzeugen und Umreifungsbänder von der darin vorgesehenen 100-Prozent-Mehrwegquote auszunehmen. Mit Erfolg, allerdings bleibt eine 40-Prozent-Quote zunächst bestehen. Aber: „Wiederverwendung funktioniert bei Umreifungsbändern einfach nicht. Das ist auch ein Sicherheitsthema.“

Herausforderung für den Mittelstand

Mosca versteht sich als Systemanbieter: Maschinenbau, Umreifungsband, Folienlösungen und – durch die Akquisition von Movitec – auch Stretchwickler. „Unser Anliegen ist es immer, die optimale Verpackung für den Kunden zu finden“, sagt Simone Mosca. Oft bedeutet das: weniger Material. „Bei den Bändern reichen häufig neun Millimeter, bei der Folie manchmal zwei dünne Lagen.“ Die Umstellung auf Post-Consumer-Rezyklat (PCR) ist nicht einfach. „Das Material hat andere Verarbeitungseigenschaften. Wir müssen daher Maschinen umrüsten, Zertifikate beschaffen, Personal aufbauen.“ Eine enorme Herausforderung gerade für den Mittelstand. „Und das in einer wirtschaftlich schwierigen Phase. Kleine Wettbewerber werden das kaum schaffen.“

Auch zum Thema Frauen in Führungspositionen hat Simone Mosca eine klare Haltung. „Ich halte gar nichts von einer Quote“, sagt sie. „Bei uns geht es nur nach Qualifikation und am besten funktionieren gemischte Teams.“ Gleichzeitig ist ihr bewusst, dass sie Vorbild für Frauen ist, die den Schritt in die Industrie wagen wollen.

Ihr Engagement reicht über das Unternehmen hinaus: im Verband deutscher Unternehmerinnen, im Hochschulrat der DHBW, als Aufsichtsrätin im Jugenddorf Klinge. Verantwortung endet für Simone Mosca nicht am Werkstor. Auch deshalb zeichnete sie das Handelsblatt als „nachhaltigste Maschinenbauerin Deutschlands“ und eine der „50 inspirierendsten Unternehmerinnen Deutschlands“ aus. Sorgen bereitet ihr die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage. „Die Stimmung war noch nie so schlecht in den Unternehmen“, sagt sie. „Aber wenn der Mittelstand wegbricht, hat das massive gesellschaftliche Auswirkungen.“ Gemeinsame Lösungen zu entwickeln, sei daher aktuell wichtiger als je zuvor.

http://www.mosca.com