Transluzente Papier-Siegeletiketten für die Pharmaverpackung

Die Tamper-Evident-Papieretiketten erfüllen alle Anforderungen an Nachhaltigkeit, Produktschutz, regulatorischer Sicherheit oder Prozessstabilität. (Bild: Mayr-Melnhof Group)
Die pharmazeutische Industrie soll heute ihre Verpackungssysteme nachhaltiger gestalten, ohne Kompromisse bei Produktschutz, regulatorischer Sicherheit oder Prozessstabilität einzugehen. Besonders im Fokus steht dabei die Erhöhung der Recyclingfähigkeit. MM Pharma & Healthcare Packaging hat dazu jetzt transluzente, papierbasierte Tamper-Evident-Etiketten entwickelt, die diese Anforderungen erfüllen.

Die Pharmaindustrie steht heute unter einem doppelten Druck: Einerseits verlangen Regulierungen wie die EU-Fälschungsschutzrichtlinie und der US Drug Supply Chain Security Act eindeutige, irreversible Manipulationsnachweise. Andererseits erwarten Markt, Politik und Gesellschaft überzeugende Fortschritte in Richtung Kreislaufwirtschaft und reduzierter Umweltbelastung. Besonders augenfällig wird dieser Zielkonflikt bei Tamper-Evident-Etiketten, die bislang überwiegend aus Kunststoffen bestehen. Diese haben sich zwar als zuverlässig, prozessstabil und transparent erwiesen, stehen aber oft im Widerspruch zu den Nachhaltigkeitsstrategien der Unternehmen und erschweren zugleich die sortenreine Papierverwertung.

Kunststoffbasierte Siegel- und Sicherheitslabels auf Faltschachteln bieten hohe Reißfestigkeit und verlässliche Leistung unter anspruchsvollen Bedingungen, doch genau diese Materialeigenschaften machen sie für das Faserstoffrecycling ungeeignet. Der scheinbar einfache Wunsch, Plastik einfach durch Papier zu ersetzen, entpuppt sich als technologische Herausforderung. Papier muss einerseits ausreichend frangibel, also gezielt brüchig sein, um beim Öffnen des Arzneimittels einen klar sichtbaren, irreversiblen Sicherheitsnachweis zu liefern. Gleichzeitig darf das Etikett wichtige Informationen auf der Verpackung nicht verdecken und muss stabil genug sein, um in Hochgeschwindigkeitslinien prozesssicher verarbeitet zu werden.

Papierlösung vereint Nachhaltigkeit und Funktionalität

Vor diesem Hintergrund hat der Mayr-Melnhof Geschäftsbereich Pharma & Healthcare Packaging eine Entwicklung angestoßen, die sich am Beginn wie ein klassisches Materialprojekt anhörte, sich aber rasch als komplexe interdisziplinäre Aufgabe herausstellte. Forschung und Entwicklung, Qualitätssicherung, technische Kundenbetreuung und Engineering arbeiteten eng zusammen, um eine Lösung zu schaffen, die Nachhaltigkeit und Funktionalität nicht gegeneinander ausspielt, sondern miteinander vereint. Eine der zentralen Anforderungen war die Identifikation eines Papiersubstrats, das ausreichend transluzent ist, um die Sichtbarkeit von Codes, Logos und pharmazeutischen Pflichtangaben nicht zu beeinträchtigen. Papier ist traditionell opak; eine transluzente Variante zu finden, war ein entscheidender Schritt.

Parallel dazu musste ein gezieltes Reißverhalten entwickelt werden, das zuverlässig und reproduzierbar Manipulationsversuche sichtbar macht. Dazu wurden Sicherheitsbruchstellen integriert, die dafür sorgen, dass das Etikett kontrolliert auseinanderbricht und Material auf dem Karton verbleibt. Dieses Verhalten soll unabhängig von Verarbeitungsgeschwindigkeit, Klimaeinflüssen oder Kartonoberflächen sicher auftreten. Hinzu kam die Anforderung, einen Klebstoff zu formulieren, der einerseits stark genug für pharmazeutische Faltschachteln ist, zugleich aber die Rezyklierbarkeit von Papierverpackungen nicht beeinträchtigt. Die Etiketten mussten sich außerdem problemlos in bestehende Produktionslinien integrieren lassen, denn pharmazeutische Hersteller nehmen in der Regel keine zusätzlichen Investitionen oder lange Rüstprozesse in Kauf.

Mit der papierbasierten Etikettenlösung macht Mayr-Melnhof einen wichtigen Schritt in Richtung nachhaltiger Pharmaverpackung.(Bild: Mayr-Melnhof Group)
Das Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit ist ein transluzentes, papierbasiertes Tamper-Evident-Etikett, das durch gezielte Frangibilität einen klaren Öffnungsnachweis liefert und zugleich die Recyclingfähigkeit von Faltschachteln unterstützt. Dank seiner Materialeigenschaften bleibt das Design der Verpackung vollständig sichtbar, was im pharmazeutischen Umfeld ein entscheidender Vorteil ist. Auch die Prozessfähigkeit war von Beginn an ein zentrales Kriterium. Die Etiketten lassen sich auf bestehenden Etikettieranlagen verarbeiten und sind für hohe Taktzahlen ausgelegt, ohne dass die Linienparameter in kritischem Umfang angepasst werden müssen.

Umstellung für Kunden problemlos

Die finale Validierung erfolgte nicht nur im Labor, sondern auch in realen Produktionsumgebungen zusammen mit pharmazeutischen Partnern von MM Pharma & Healthcare Packaging. Dabei wurden Haftung, Frangibilität, Maschinenfähigkeit und Druckbildstabilität unter Praxisbedingungen geprüft. Das technische Serviceteam begleitet diese Einführung mit einer „Walk the Line“-Unterstützung, die sicherstellt, dass der Übergang zu papierbasierten Tamper-Evident-Labels für die Kunden reibungslos verläuft und kritische Faktoren wie Qualitätskontrolle oder Compliance-Anforderungen in jeder Projektphase berücksichtigt werden.

Die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen

Mit der papierbasierten Lösung wird ein wichtiger Schritt in Richtung konsequent nachhaltiger Pharmaverpackung gemacht. Sie erlaubt es Herstellern, Kunststoffanteile zu reduzieren, recyclingfähige Monomaterialkonzepte umzusetzen und gleichzeitig höchste Anforderungen an Sicherheit, Produktschutz und Regulatorik zu erfüllen. Damit entfällt der bisher häufig notwendige Kompromiss zwischen Nachhaltigkeit und Compliance. Die Entwicklung zeigt auch, wie stark der Bedarf an Lösungen ist, die die gesamte Wertschöpfungskette einbeziehen. Nur wenn Materialhersteller, Verpackungsexperten und Pharmaunternehmen eng zusammenarbeiten, entstehen Innovationen, die nicht nur technisch interessant, sondern im industriellen Maßstab tatsächlich einsetzbar sind.

Gleichzeitig markiert die papierbasierte Tamper-Evident-Technologie keinen Endpunkt, sondern einen Auftakt. Mit zunehmendem regulatorischen und gesellschaftlichen Druck auf nachhaltige Verpackungen wird die Nachfrage nach solchen Lösungen weiter steigen. Perspektivisch lassen sich papierbasierte Etiketten mit digitalen Sicherheitsmerkmalen kombinieren, weiter auf klimastabile Qualitäten optimieren oder durch zusätzliche physikalische Sicherheitsmechanismen erweitern. Die Entwicklung verdeutlicht: Papier bietet heute funktionelle Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren kaum denkbar waren.