Laut einer Umfrage von YouGov im Auftrag von Visable blicken kleine und mittelständische Unternehmen mit Sorge auf den Winter und die hohen Energiekosten, Inflation und Personalausfälle. Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich außerdem eine längere Verfügbarkeit von Atomkraft.
Eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag des B2B- Plattformbetreibers Visable unter Entscheidern in kleinen und mittleren Unternehmen ergibt: Die deutschen Unternehmen sorgen sich vor einem schwierigen Winter mit steigenden Energiekosten, Inflation und Personalausfall. Der „Doppel-Wumms“, das Hilfspaket der Regierung, wird nur von 8 Prozent der Befragten als „gut und ausgewogen“ beurteilt. Peter F. Schmid, CEO von Visable und Auftraggeber der Umfrage, sieht klare Anzeichen einer Rezession: „Wenn sich die Befürchtungen der KMU bewahrheiten, hätte das ernste und nachhaltige Schäden für die deutsche Wirtschaft zur Folge.“
Die Umfrage „Wie kommen KMU durch den Winter 2022/23?“ wurde vom 11.-18. Oktober 2022 durchgeführt und berücksichtigt die aktuellsten Entwicklungen in der deutschen Politik – etwa den „Doppel-Wumms“ und die Frage der Laufzeiten der Atomkraftwerke. Bei beiden Themen weicht die Meinung der Unternehmen offenbar stark von den aktuellen politischen Weichenstellungen ab: Das Hilfspaket der Regierung überzeugt nicht, und die Atomkraft soll nach Meinung der Befragten nicht nur kurzfristig als Krisenbrecher eingesetzt werden, sondern länger verfügbar bleiben. Die Umfrage wurde vor dem Machtwort von Kanzler Scholz durchgeführt, mit dem er die Laufzeit der noch nicht abgeschalteten Atomkraftwerke bis Mitte April 2023 verlängert und den Streit in der Ampelkoalition beendet hatte.

Insgesamt schätzt jedes dritte Unternehmen (33 Prozent) das Risiko einer Einschränkung der Betriebstätigkeit im kommenden Winter als „hoch“ oder „eher hoch“ ein. Fast eines von zwanzig Unternehmen (4 Prozent) hält das Risiko einer Insolvenz für „hoch“, jedes zehnte (10 Prozent) immerhin noch für „eher hoch“. Mit 46 Prozent machen die steigenden Energiekosten ganz klar die größten Sorgen. Es folgen die Inflation mit 36 Prozent und Personalausfälle wegen Krankheit / Quarantäne mit 30 Prozent – Corona ist immer noch ein ernstzunehmender Risikofaktor. Auch der Einbruch der Nachfrage (27 Prozent), steigende Preise von Rohstoffen und Vorprodukten (26 Prozent) und Lieferkettenprobleme (24 Prozent) werden häufig als besorgniserregende Problemfelder genannt.
„Wir sehen eine starke Verkettung verschiedener Krisenfelder: Die Energieproblematik, verschärft durch die Folgen des Ukraine-Kriegs, die Inflation, nach wie vor ein Stocken der globalisierten Lieferketten sowie die Auswirkungen einer noch nicht überwundenen Corona-Krise führen zu einer sehr schwierigen kurzfristigen wirtschaftlichen Perspektive. Es ist gut, dass die Regierung, wenn auch spät, unterstützend eingreift – aber die deutschen Unternehmen erwarten noch mehr Unterstützung. Bis jetzt wummst es noch nicht.“
Peter F. Schmid

Dabei sind die KMU sehr engagiert dabei, Gegenmaßnahmen zu ergreifen und sind definitiv im „Team Energiesparen“: 43 Prozent haben Energiesparmaßnahmen geplant. Das ist der mit Abstand am häufigsten genannte Ansatz zur Kostenreduktion. 12 Prozent wollen die Energieversorgung außerdem auf erneuerbare Energien umstellen. 19 Prozent planen die Reduktion von Dienstreisen, 16 Prozent wollen die Digitalisierung vorantreiben. Kein gutes Zeichen für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland ist jedoch, dass 17 Prozent der Unternehmen geplante Investitionen vorerst aussetzen wollen. Immerhin fast jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) hat zudem angegeben, dass sie keine besonderen Maßnahmen ergreifen wollen.

Abschließend wurden die Unternehmen nach den erwarteten Gewinneinbußen im Jahr 2022 durch Inflation und steigende Energiepreise befragt. Jeweils 19 Prozent rechnen mit Einbußen in Höhe von 1-10 Prozent und von 11-20 Prozent. Fast drei Viertel der Unternehmen (71 Prozent) glauben, dass sie ihr Ergebnis von 2021 bestenfalls halten, aber nicht steigern können. Ein „Silberstreif am Horizont“ ist auch für 2023 kaum sichtbar – nur 19 Prozent der Unternehmen rechnen dann mit etwas (16 Prozent) oder stark steigenden Gewinnen (3 Prozent). Es sind immer noch 68 Prozent, die auch für 2023 glauben, dass sie ihr Vorjahresergebnis bestenfalls halten, aber nicht steigern können. Immerhin sinkt der Anteil der Unternehmen, die für 2023 mit Gewinneinbußen rechnen, im Vergleich zu 2022 leicht von 46 Prozent auf 39 Prozent.
Quelle: Visable
Weitere Meldungen aus den Märkten

Würstchenverpackung fällt unter Einwegkunststofffonds
Das Umweltbundesamt hat mit einer Allgemeinverfügung die rechtliche Einordnung einer Lebensmittelverpackung für 150 Gramm Würstchen festgelegt.

BDE fordert „Made-in-Europe“-Regelung für recycelte Kunststoffe
Das EU-Winterpaket erkennt die Krise im Kunststoffrecycling, liefert aber keine Soforthilfe, kritisiert der BDE und fordert verbindliche „Made-in-Europe“-Vorgaben.

Singapur führt Pfandsystem für Getränkebehälter ein
Bis zum Start des Systems soll ein Netzwerk von mehr als 1.000 Rücknahmestellen aufgebaut werden.

EU-Kommission startet Kunststoff-Pilot
Ziel ist es, Verpackungen als Leitmarkt für die europäische Kunststoffkreislaufwirtschaft zu etablieren.

Nivea Creme-Dose aus 95 Prozent recyceltem Aluminium
Beiersdorf bringt mit der Nivea Creme Natural Touch die erste zusätzliche Variante zur klassischen Creme in einer Dose aus 95 Prozent aus recyceltem Aluminium auf den Markt.

Neue Überwachungsregelung für Verpackungen von Tierarzneimitteln startet
Die britische Arzneimittelbehörde für Tierarzneimittel führt ab Februar 2026 ein neues Überwachungssystem für Verpackungen ein.
