Die Anforderungen an Lebensmittelverpackungen sind hoch: maximaler Produktschutz bei minimalem Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit trotz hoher Hygieneanforderungen, regulatorische Konformität bei gleichzeitigem Kostendruck. Doch gerade im Foodbereich entscheidet die richtige Verpackung über Haltbarkeit, Produktsicherheit und Transportfähigkeit – und hilft, Lebensmittelverluste zu reduzieren.
Nach Angaben des UN-Umweltprogramms (UNEP) im „Food Waste Index Report 2024“ werden weltweit jährlich rund 1,05 Milliarden Tonnen Lebensmittel verschwendet. Zwischen acht und zehn Prozent der globalen Treibhausgasemissionen stehen demnach im Zusammenhang mit Nahrungsmitteln, die nie verzehrt werden. Initiativen wie Save Food, gegründet von FAO, Messe Düsseldorf und interpack, rücken die Bedeutung leistungsfähiger Verpackungslösungen daher verstärkt in den Fokus.
Rezyklate im Lebensmittelkontakt
Mit der europäischen Verpackungsverordnung PPWR steigen die Anforderungen weiter. Vorgesehen sind verbindliche Recyclingquoten, der verstärkte Einsatz von Rezyklaten sowie eine Reduzierung von Verpackungsabfällen. Besonders anspruchsvoll ist der Einsatz von Rezyklaten im direkten Lebensmittelkontakt.
Erstmals hat eine europäische Recyclinganlage eine RecyClass-Zertifizierung für die Sortierung lebensmitteltauglicher Kunststoffe erhalten. Swedish Plastic Recycling sortiert PET-Flaschen, PET-Trays und PS-Verpackungen aus getrennten Haushaltssammlungen vollständig rückverfolgbar. Parallel untersucht das Forschungsprojekt CRISP die lebensmitteltaugliche Aufbereitung von PE und PP.
Materialhersteller investieren ebenfalls in zertifizierte Lösungen. WIS Kunststoffe bietet rPE- und rPP-Materialien mit FDA-Zulassung für den direkten Lebensmittelkontakt an. Die Materialien erfüllen bereits die PPWR-Anforderungen für 2030 und sollen Verpackungsherstellern Planungssicherheit geben.

Einen anderen technologischen Ansatz verfolgt Mopack. Das Unternehmen setzt bei seinen Polyolefin-Feinschrumpffolien der eco+35-Serie auf 35 Prozent chemisch recyceltes PCR. Das Material wird molekular gereinigt und neu polymerisiert, was laut Unternehmen eine hohe Homogenität und stabile Maschinengängigkeit ermöglicht. Seit März 2025 liegt hierfür eine DEKRA-Zulassung für den direkten Lebensmittelkontakt vor.
Maschinenbauer richten ihre Systeme zunehmend auf recyclingfähige Monomaterialien aus. Ulma Packaging verpackt mit der vertikalen Hochleistungsmaschine VTC 800 geschnittene Salate und Gemüsemischungen in recyclingfähigen Monomaterialien. Auch Multivac kombiniert nachhaltige Verpackungslösungen mit hoher Automatisierung. Eine neue Traysealerlinie für Fertiggerichte versiegelt beispielsweise Kartontrays mit dünner, recyclingfähiger Folie unter Schutzatmosphäre. Ergänzt wird die Linie durch KI-gestützte Inspektionssysteme, Etikettenkontrolle und Cobots für das automatische Stapeln.

Automatisierung als Effizienztreiber
Mit steigender Produktvielfalt wächst auch der Automatisierungsgrad. Stäubli Robotics bietet ein breites Portfolio an HE-Robotern (Humid Environment), die so modifiziert sind, dass sie auch in rauen Umgebungen prozesssicher arbeiten. In der Fleischverarbeitung schneiden beispielsweise TX2-Roboter Produkte per Wasserstrahl. Visionsysteme ermöglichen zudem die schonende Hochgeschwindigkeitshandhabung empfindlicher Lebensmittel.
Ishida hat kürzlich mit der Übernahme des schwedischen Unternehmens RobotGrader AB sein Angebot um robotergestützte Wiege-, Sortier- und Verpackungssysteme erweitert. Davon profitieren Verarbeiter von Fleisch, Geflügel oder Fisch sowie insbesondere Hersteller von Proteinprodukten, die nun smarte und automatisierte Lösungen zum exakten Verpacken ihrer Frischprodukte in Schalen nutzen können.
Faserbasierte Alternativen im Fokus
Parallel gewinnen papier- und faserbasierte Lösungen an Bedeutung. Sappi Europe entwickelt recycelbare Hochbarrierepapiere mit Sauerstoff-, Fett- und Wasserdampfbarrieren. Das heißsiegelfähige Guard Pro OHS eignet sich für Flow-Wraps, Sachets, Pillow Bags und Doypacks, während Guard Pro OMH für Kaltsiegelanwendungen konzipiert wurde.

UPM Specialty Papers und Royal Vaassen ersetzen Aluminiumlaminate durch faserbasierte Barrierepapiere für Kaffee- oder Schokoladenverpackungen. Auch Heidelberg integriert Barrierebeschichtungen registergenau in den Flexodruckprozess, um Material nur dort aufzubringen, wo es funktional erforderlich ist.
Klebstoffe als Baustein der Nachhaltigkeit
Auch scheinbar nachgelagerte Komponenten werden zum Nachhaltigkeitsfaktor. Jowat senkt mit energieeffizienten Schmelzklebstoffen den Energiebedarf im Kartonverschluss in der Lebensmittel- und Tiefkühlindustrie. Ein neuer Jowatherm-Klebstoff eignet sich durch seine niedrige Schmelztemperatur für temperaturempfindliche Produkte wie Schokolade, während ein weiterer für den Einsatz im Tiefkühlbereich entwickelt wurde, etwa für Pizza-, Fertiggerichte- oder Eisverpackungen. Ergänzend steht eine biobasierte Variante zur Verfügung, die auf Nebenprodukten der Papierherstellung basiert.
Hinweis: Dieser Artikel entstand auf Basis eines Fachartikels, den das packaging journal zur freien Verfügung für interessierte Medien im Auftrag der interpack 2026 erstellt hat. Den Originalartikel finden Sie hier. Mehr zu Verpackungslösungen für Lebensmittel erfahren Sie live auf der interpack 2026 vom 7. bis 13. Mai in Düsseldorf.