Mit KI schneller zur nachhaltigen Verpackung

Das Hamburger Start-up One.Five findet mithilfe von künstlicher Intelligenz unter der Vielzahl an Papiersorten und Beschichtungsmöglichkeiten schneller die optimale Verpackung.
Mithilfe von KI entwickelt: FSC-zertifizierte, papierbasierte und recycelbare Verpackungslösung Bluemorph. (Bild: One.five)

Papierbasierte Verpackungen liegen auch im Lebensmittelbereich im Trend, doch die Vielzahl an Papiersorten und Beschichtungsmöglichkeiten ist groß und die Wahl des richtigen Materials oft kompliziert. Hier setzt das Hamburger Start-up One.Five mit einem neuen Geschäftsmodell an und findet mithilfe von künstlicher Intelligenz schneller die optimale Verpackung.

Kunststoffbasierte Lösungen, jahrzehntelang Standard, geraten zunehmend unter regulatorischen und gesellschaftlichen Rechtfertigungsdruck. One.five setzt daher auf hochfunktionale, recyclingfähige Papierverpackungen, die regulatorisch zukunftssicher sind und sich zugleich wirtschaftlich in bestehende Wertschöpfungsketten integrieren lassen.

„Wir verfolgen einen anderen Ansatz“, sagt Gründer Martin Weber. „Forschung und Entwicklung im Verpackungsmarkt dauern oft sehr lange, verschlingen hohe Budgets – und vieles läuft am Ende ins Leere. Unser Anspruch ist es, genau das zu vermeiden und die erfolgskritischen Anforderungen von Anfang an richtig zu treffen.“ Diese erfolgskritischen Anforderungen sind vielfältig und reichen von Produktschutz und Maschinengängigkeit über Barriereeigenschaften, Recyclingfähigkeit und regulatorische Konformität bis hin zu Kosteneffizienz und Konsumentenakzeptanz.

Übersetzer zwischen Markt und Material

Im Kern steht eine KI-basierte Analyseplattform, die One.five kontinuierlich mit Material-, Prozess- und Anwendungsdaten speist. Das Unternehmen betreibt ein eigenes Labor, produziert Testchargen, begleitet Pilotläufe bei Papierherstellern und Convertern – und überführt all diese Erkenntnisse in ein datengetriebenes Modell.

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Gegründet wurde das Unternehmen vor knapp vier Jahren von Martin Weber und Claire Hae-Min Gusko. Heute arbeiten rund 20 Mitarbeitende bei One.five, etwa zur Hälfte Materialwissenschaftler, Biologen und Bioinformatiker, zur anderen Hälfte Softwareentwickler und Data Scientists. Diese Kombination ist bewusst gewählt.

„Die KI ist unser Analysewerkzeug für die Papierindustrie. Es gibt unzählige Papiersorten, die funktionalisiert werden müssen. Unsere Plattform übersetzt die komplexen Anforderungen der Markenartikler in technische Parameter – und kann Papierherstellern sehr genau sagen, welches Material für welchen Anwendungsfall gebraucht wird.“

Martin Weber, Mitgründer One.five

Gemeinsam mit Partnern wie Kraftpapierhersteller Starkraft oder dem Pergaminpapierhersteller Grünperga werden Materialien gezielt funktionalisiert – etwa mit besonders dünnen, biobasierten Barrierebeschichtungen, die CEPI-konform und heißsiegelfähig sind.

Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) wirkt dabei wie ein Katalysator. Sie fordert unter anderem höhere Recyclingfähigkeit, Materialreduktion und Transparenz entlang des Lebenszyklus. „Das Bullseye war noch nie so klein“, sagt Martin Weber. „So viele Anforderungen treffen gleichzeitig auf eine Verpackung. Wir wollen daher früh verstehen, was regulatorisch auf unsere Kunden zukommt – und das direkt in die Materialentwicklung integrieren.“

Vom Algorithmus ins Regal

Der Ansatz von One.five funktioniert, dies zeigen auch Anwendungen, die bereits im Markt sind. So hat das Start-up für den Biogewürzhersteller Foodie & Friends mit Hazelsun eine papierbasierte Barriereverpackung aus landwirtschaftlichen Reststoffen entwickelt. Das Material ist über den Altpapierstrom recycelbar und bietet eine zuverlässige Sauerstoff- und Feuchtigkeitsbarriere. „Das Projekt zeigt, dass sich auch anspruchsvolle Lebensmittelverpackungen erfolgreich von Kunststoff auf Papier umstellen lassen.“

Biogewürze sind sicher verpackt in einer papierbasierten Barriereverpackung aus landwirtschaftlichen Reststoffen. (Bild: One.five)

Der Werbesüßwarenhersteller Jung stand vor einem klassischen Problem: Die bislang eingesetzten Papier-Kunststoff-Verbunde waren nicht recyclingfähig. Mit der KI-gestützt entwickelten Lösung Bluemorph gelang der Umstieg auf eine FSC-zertifizierte, papierbasierte und recycelbare Verpackung.

Glassleaf ist eine papierbasierte, transluzente und gleichzeitig recyclingfähige Verpackungslösung. (Bild: One.five)

Ein anspruchsvoller Anwendungsfall ist die transparente Verpackung für Haftnotizen. Gemeinsam mit UPM Notes entwickelte One.five mit Glassleaf eine papierbasierte, transluzente Lösung, die den Blick auf das Produkt ermöglicht, dabei recyclingfähig ist und im Vergleich zu Kunststoffverpackungen 15 bis 20 Prozent weniger Emissionen verursacht.

One.five versteht sich als Innovationspartner. Kunden erwerben Rezepturen, erhalten Zugang zur Plattform und werden bei der Umsetzung bis in die Produktionsanlagen begleitet. Data Scientists stehen dabei ebenso an der Maschine wie Materialexperten – eine in der Branche noch ungewöhnliche Kombination. „Wir arbeiten nicht theoretisch, sondern in der Praxis“, sagt Weber. „Die Daten aus realen Projekten machen unser System immer besser – und ermöglichen es uns, parallel an vielen Kundenlösungen zu arbeiten.“

Unterstützt wird dieser Kurs durch eine kürzlich abgeschlossene Series-A-Finanzierungsrunde, in der das Start-up 14 Millionen Euro eingesammelt hat, unter anderem von der Dr. Hans Riegel Holding. Das Kapital fließt insbesondere in den Ausbau der unternehmenseigenen KI-Plattform.

Papier als Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft

Auch wenn One.five vereinzelt mit rPET oder Molded Fibre experimentiert, liegt der klare Fokus auf papierbasierten Lösungen für den Altpapierkreislauf. Biokunststoffe kommen – wenn überhaupt – nur als Beschichtungsmaterialien zum Einsatz. „Wir sind zu 95 Prozent papierfokussiert, denn Papier bietet heute das größte Potenzial, um funktionale Verpackungen mit einem klaren End-of-Life-Szenario zu kombinieren.“

Benannt hat sich das Unternehmen übrigens nach dem auf der Weltklimakonferenz 2015 festgelegten 1,5-Grad-Klimaziel.

http://www.one-five.com