Neue EU-Maßnahmen setzen Metallverpackungsindustrie unter Druck

Bild: Golden Shrimp / Shutterstock.com
Europäische Industrieverbände warnen vor erheblichen Wettbewerbsnachteilen durch die geplanten neuen EU-Stahlschutzmaßnahmen. In einer gemeinsamen Erklärung kritisieren Vertreter stahlverarbeitender Branchen, dass die Vorschläge der Europäischen Kommission insbesondere die Metallverpackungsindustrie als wichtigen Abnehmer hochwertiger Stahlprodukte stark belasten könnten.

Die unterzeichnenden Verbände unterstützen grundsätzlich das Ziel der Europäischen Union, globale Stahlüberkapazitäten zu adressieren und faire Wettbewerbsbedingungen für die europäische Stahlindustrie zu schaffen. Gleichzeitig sehen sie in der aktuellen Ausgestaltung der geplanten Maßnahmen eine deutliche Überregulierung, die den Zugang zu Stahl für weiterverarbeitende Industrien – darunter auch Hersteller von Metallverpackungen – erheblich erschweren würde.

Steigende Stahlpreise mit direkten Folgen für Metallverpackungen

Nach Einschätzung der Verbände führen die vorgesehenen Importbeschränkungen und höheren Zusatzzölle zu spürbaren Kostensteigerungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Die Europäische Kommission rechnet selbst mit einem durchschnittlichen Anstieg der Stahlpreise in der EU, der in einzelnen Produktsegmenten deutlich höher ausfallen könne. Für die Metallverpackungsindustrie, die auf dünnwandige, spezialisierte und gleichbleibend hochwertige Stahlqualitäten angewiesen ist, würden sich dadurch sowohl Produktionskosten als auch Preisdruck im Wettbewerb erhöhen.

Da Metallverpackungen in vielen Anwendungsbereichen – etwa bei Lebensmitteln, Getränken oder chemischen Produkten – in einem intensiven internationalen Wettbewerb stehen, könnten steigende Stahlpreise die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller spürbar schwächen.

Administrative Hürden und eingeschränkte Rohstoffverfügbarkeit

Besonders kritisch bewerten die Verbände die geplante Einführung der sogenannten „melt and pour“-Regel. Diese würde den administrativen Aufwand für Stahlverwender deutlich erhöhen, da detaillierte Herkunftsnachweise erforderlich wären. Für die Metallverpackungsindustrie, die häufig große Mengen standardisierter Vormaterialien mit engen Toleranzen verarbeitet, sei eine solche Regelung nach Einschätzung der Verbände nur schwer praktikabel und mit zusätzlichem bürokratischem Aufwand verbunden.

Zudem warnen die Unterzeichner davor, dass der Zugang zu spezialisierten Stahlqualitäten eingeschränkt werden könnte. Solche Qualitäten sind für anspruchsvolle Verpackungslösungen unerlässlich, werden jedoch nicht in allen Fällen in ausreichender Menge innerhalb Europas produziert.

Appell für ausgewogenere Regulierung

Die Verbände verweisen darauf, dass die geplanten Stahlschutzmaßnahmen zusammen mit weiteren regulatorischen Instrumenten wie dem CO₂-Grenzausgleichssystem und dem schrittweisen Wegfall kostenloser Emissionszertifikate eine kumulative Kostenbelastung erzeugen. Diese treffe die Metallverpackungsindustrie ebenso wie andere stahlverarbeitende Branchen.

Vor diesem Hintergrund fordern die Verbände eine ausgewogenere Ausgestaltung der Maßnahmen, die sowohl die Interessen der Stahlproduzenten als auch die Bedürfnisse stahlverarbeitender Industrien berücksichtigt. Zudem plädieren sie dafür, enge Handelspartner der EU, die nicht zur globalen Überkapazität beitragen, von den Regelungen auszunehmen.

Quelle: Metal Packaging Europe