Die britische Steuerbehörde HMRC hat eine Konsultation zur möglichen Einführung einer verpflichtenden Zertifizierung für mechanisch recycelte Kunststoffe in Verpackungen gestartet. Ziel ist es, die Nachweisführung im Rahmen der britischen Plastic Packaging Tax (PPT) zu verschärfen und fehlerhafte oder betrügerische Recyclingangaben einzudämmen.
Seit Einführung der Plastic Packaging Tax im April 2022 sind Kunststoffverpackungen steuerfrei, wenn sie mindestens 30 Prozent Recyclingkunststoff enthalten. Laut HMRC bestehen jedoch insbesondere bei importierten Verpackungen Zweifel an der Belastbarkeit einzelner Nachweise. Branchenverbände und Recycler hätten wiederholt auf mögliche Falschangaben hingewiesen.
Pflichtzertifizierung für mechanisches Recycling im Gespräch
Die Konsultation prüft nun, ob Hersteller und Importeure künftig verpflichtend zertifizierte Nachweise vorlegen müssen, um die Steuerbefreiung geltend zu machen. Vorgesehen wäre ein System unabhängiger Drittzertifizierungen mit definierten Mindeststandards. Bestehende Zertifizierungssysteme könnten weiter genutzt werden, sofern sie die gesetzlichen Anforderungen erfüllen.
Nach Angaben der britischen Regierung soll die Maßnahme mehrere Ziele erfüllen: Sie soll die Rückverfolgbarkeit recycelter Kunststoffe verbessern, einheitliche Nachweisstandards schaffen und die Kontrolle durch die Steuerbehörden erleichtern. Gleichzeitig solle verhindert werden, dass regelkonforme Unternehmen durch fehlerhafte oder betrügerische Angaben benachteiligt werden.
Die Regierung verweist dabei auch auf bestehende Probleme internationaler Lieferketten. Besonders bei importierten, bereits befüllten Verpackungen sei die Dokumentation oft lückenhaft oder schwer überprüfbar.
Orientierung an chemischem Recycling
Die geplante Regelung orientiert sich an den bereits angekündigten Vorgaben für chemisch recycelte Kunststoffe. Für diese hatte die britische Regierung im Rahmen des Haushalts 2025 beschlossen, ab dem 1. April 2027 einen sogenannten Mass-Balance-Ansatz zuzulassen – allerdings nur in Verbindung mit verpflichtender Zertifizierung.
Für mechanisch recycelte Kunststoffe sieht die Regierung nun ein ähnliches Modell vor. Geplant sind Zertifizierungssysteme mit Auditpflichten, Chain-of-Custody-Nachweisen sowie einer Akkreditierung der Zertifizierungsstellen durch anerkannte Akkreditierungsorganisationen wie UKAS oder internationale Äquivalente.
Die Zertifizierung würde nach den aktuellen Überlegungen die gesamte Lieferkette betreffen – vom Recycler bis zum Hersteller der fertigen Verpackungskomponente. Importierende Unternehmen müssten gültige Zertifikate ihrer Lieferanten vorlegen können.
Branche soll Aufwand und Umsetzbarkeit bewerten
Die Konsultation läuft bis zum 10. August 2026. HMRC bittet Unternehmen unter anderem um Einschätzungen zu administrativen Belastungen, Auditkosten und möglichen Auswirkungen auf internationale Lieferketten.
Diskutiert wird auch, wie häufig Audits stattfinden sollten und welche Anforderungen Zertifizierungssysteme erfüllen müssten. Zudem fragt die Regierung nach alternativen Ansätzen, mit denen sich Recyclingquoten verlässlich nachweisen ließen.
Quelle: HMRC





