Die Firma Carl Kühne gehört zu den etablierten Lebensmittelherstellern in Deutschland. Ob Rotkohl, Gurken oder Senf – von Essig über Grillsauce bis zu Dressings: Kühne-Produkte kennt jeder. Und das Unternehmen verfolgt eine ehrgeizige Nachhaltigkeitsstrategie mit dem Titel „Iss leckerer für die Zukunft“. Eines der Ziele: die Recyclingfähigkeit aller Verpackungen. Ein spannendes Arbeitsumfeld, findet auch Verpackungsentwicklerin Maxi Hoyer.
Bis 2030 sollen alle Produktverpackungen recyclingfähig sein und möglichst mindestens 30 Prozent Recyclingmaterial enthalten – das Traditionsunternehmen hat sich in Sachen Nachhaltigkeit einiges vorgenommen. Die wachsende Bedeutung der Verpackung innerhalb des Unternehmens spiegelt sich auch organisatorisch wider: Ein fünfköpfiges Team kümmert sich am Hamburger Hauptsitz um die Verpackungsentwicklung. Maxi Hoyer ist seit fünf Jahren dabei und war maßgeblich an der Entwicklung der neuen Kühne-Dressing-Flasche beteiligt, die im letzten Jahr erfolgreich im Markt eingeführt wurde und unter anderem eine jüngere Zielgruppe ansprechen soll.
„Die Arbeit bei Kühne reizt mich, weil niemand im Team der Spezialist für ein bestimmtes Produkt oder Packmittel ist, sondern alle Teammitglieder alle Aufgaben übernehmen – von der Neuentwicklung bis zur Optimierung bestehender Verpackungen. Das macht die eigene Arbeit spannend und interessant.“
Maxi Hoyer
Maxi Hoyer ist in der Nähe von Leipzig aufgewachsen und hat an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig studiert. „Ich wollte immer an einer kleineren Hochschule studieren und habe am Tag der offenen Tür eine Gastvorlesung im Studiengang Verpackungstechnik besucht – da war mein Interesse geweckt.“ Die Begeisterung für die Technik entwickelte sich allerdings erst durch das Studium. „Ich hatte vorher eher ein Faible für Design. Aber Verpackungen müssen ja nicht nur ansprechend aussehen, sondern vor allem funktionale Anforderungen erfüllen und am Ende natürlich auf den Maschinen laufen. Die Verpackungstechnik bringt hier alle Komponenten zusammen.“
Lebensmittel verpacken – vielseitig und anspruchsvoll
Bereits während des Studiums arbeitete sie in industrienahen Forschungsprojekten, unter anderem an Verpackungslösungen für Fahrräder und Backwaren. Für ihre Bachelorarbeit ging sie zur Designagentur Brandpack und beschäftigte sich dort mit einem aktuellen Nachhaltigkeitsthema: die Substitution von Kunststoff in einer Müsli-Verpackung durch eine kartonbasierte Lösung mit integrierter Barrierefunktion. Im Rahmen ihrer Masterarbeit bei Coppenrath & Wiese entwickelte sie anschließend ein Excel-basiertes Bewertungssystem zur Optimierung von Verpackungen für Tiefkühltorten.
Das Verpacken von Lebensmitteln sei eine besondere Herausforderung, meint die junge Verpackungsentwicklerin. „Lebensmittel stehen ja oft im direkten Kontakt mit dem Verpackungsmaterial, daher sind Qualität und Sicherheit besonders wichtig. Die Anforderungen sind hoch, machen aber die Arbeit auch besonders vielseitig.“
Bei Kühne arbeitet das Team unter anderem an der Optimierung der bestehenden Glasverpackungen. Zum Portfolio gehören aber auch Aluminiumtuben, Kunststoff-Squeeze-Flaschen sowie Großgebinde für B2B-Kunden. Hinzu kommen spezifische Anforderungen an Verpackungen für Exportmärkte, die etwa die Hälfte des Geschäfts ausmachen.

Dressingflasche neu gedacht
Ein aktuelles Beispiel für erfolgreiche Entwicklungsarbeit ist die Einführung einer neuen Dressingflasche im letzten Jahr. Eine neue Rundform spart nun nicht nur Material ein, sondern optimiert auch die Logistik. Gleichzeitig profitiert die Produktion von einem höheren Durchsatz auf den Abfülllinien. Maxi Hoyer: „Wir sprechen jetzt nicht nur eine jüngere Zielgruppe an, sondern haben auch das Glasgewicht um rund 28 Prozent reduziert. Damit sparen wir etwa 984 Tonnen Glas pro Jahr ein. Außerdem passen nun deutlich mehr Flaschen auf eine Palette.“ Das Design der Flasche bleibt trotz der Veränderung unverkennbar Kühne, mit einer modernen, klaren Linienführung.
Im letzten Jahr gab es für den mutigen Schritt, eine ikonische Verpackung von 1973 durch eine nachhaltigere Lösung zu ersetzen, deshalb auch die Auszeichnung „Produktinnovation in Glas“, die das Aktionsforum Glasverpackung jedes Jahr verleiht.
Ein wesentlicher Schwerpunkt der aktuellen Arbeit von Maxi Hoyer liegt auf der Umsetzung regulatorischer Anforderungen, insbesondere der europäischen Verpackungsverordnung PPWR. Bei Kühne wurde hierfür ein interdisziplinäres Core-Team gebildet. Die Herausforderung: die regulatorischen Vorgaben nicht isoliert umzusetzen, sondern mit weitergehenden Optimierungen zu verknüpfen. So wird beispielsweise bei der Anpassung von Glasverpackungen nicht nur die Recyclingfähigkeit betrachtet, sondern gleichzeitig an Gewichtsreduktionen gearbeitet. Und zunehmend rücken neben den Primärverpackungen auch Sekundär- und Tertiärverpackungen in den Fokus, etwa die Stretchfolien für die Transportsicherung.
Projekte praxisnah umsetzen
Ein entscheidender Erfolgsfaktor bei allen Projekten ist die interne Kommunikation: Neue Verpackungslösungen müssen nicht nur entwickelt, sondern auch in Produktion und Logistik integriert werden. Dies erfordert eine enge Abstimmung mit den Kühne-Produktionsstandorten und ein hohes Maß an Überzeugungsarbeit. „Wir müssen Entwicklungsprojekte praxisnah umsetzen und dabei alle Beteiligten im Unternehmen mitnehmen, denn auch die Mitarbeiter in den Produktionswerken müssen Veränderungen mittragen.“
Kühne ist ein Familienunternehmen in elfter Generation und bis heute in Familienhand. Ein prägender Aspekt der Arbeit ist die Unternehmenskultur, meint Maxi Hoyer. „Ich arbeite sehr gerne hier. Wir haben niedrige Hierarchieebenen und die Geschäftsführung gibt uns viel Entscheidungsbefugnis und viel Raum, um eigene Ideen umzusetzen, aber auch viel Verantwortung. Das schätze ich bei Kühne besonders.“






