Future Resources: Verpackungsrecycling mit Weitblick

Zum siebten Mal hatte Interseroh+ gemeinsam mit dem Deutschen Verpackungsinstitut (dvi) zur Fachtagung „Future Resources“ geladen. In diesem Jahr wurden in Köln verschiedenste Themen behandelt, die die Verpackungsindustrie in eine nachhaltigere Zukunft führen sollen.

Zum siebten Mal hatte Interseroh+, die Recycling-Allianz des Kreislaufdienstleisters Interzero, gemeinsam mit dem Deutschen Verpackungsinstitut (dvi) zur Fachtagung „Future Resources“ geladen. In diesem Jahr wurden in Köln von der Kreislaufwirtschaft über die europaweiten Gesetzgebungen, innovative Verpackungskonzepte bis hin zur Zukunft der Papierverpackung verschiedenste Themen behandelt, die die Verpackungsindustrie in eine nachhaltigere Zukunft führen sollen.

Das diesjährige Motto „Future Resources – Future Perspectives“ wurde gleich zu Beginn mit der Keynote der Biologin, Autorin und Unternehmerin Dr. Frauke Fischer eindrucksvoll aufgegriffen. „Wir reden sehr viel über den Klimawandel, müssten aber viel mehr noch über Biodiversität sprechen. Denn es gibt eine absolute Abhängigkeit aller Sektoren, Menschen und Regionen der Erde von Biodiversität und Ökosystemleistungen, gleichzeitig findet eine dramatische Übernutzung statt.“ Der Verlust von Ökosystemleistungen könnte das jährliche globale BIP bis 2030 um bis zu 2,7 Billionen Dollar schmälern. „Biodiversität, Ökosystemleistungen und Klimawandel hängen eng zusammen“, sagt die Wissenschaftlerin. „Alle Maßnahmen zum Schutz von Biodiversität tragen zum Klimaschutz bei, aber manche Klimaschutzmaßnahmen sind schädlich für Biodiversität.“

Nach der Keynote standen die rechtlichen Aspekte des Verpackungsrecyclings im Fokus. Rechtsanwalt Dr. Markus W. Pauly ging in seinem Vortrag auf die neue EU-Verpackungsverordnung ein, und Gunda Rachut, Vorstand der Zentralen Stelle Verpackungsregister (ZSVR), informierte über den Mindeststandard als Treiber der Recyclingfähigkeit. Im Einvernehmen mit dem Umweltbundesamt veröffentlicht die ZSVR seit 2019 jährlich einen Mindeststandard zur Bemessung der Recyclingfähigkeit. Er wurde nun an neue Entwicklungen im Verpackungssektor angepasst.

 

Anzeige

(Bild: packaging journal)

Anschließend ging es in die Praxis. Pia Schnück, Head of Sustainability bei der REWE Group, stellte die Verpackungsstrategie des Konzerns vor.

„Wir sehen großes Potenzial in der Verpackungsvermeidung durch Unverpackt- und Mehrwegsysteme. Doch die Hürden für den Kunden müssen dabei gering sein, denn es wird immer komplizierter sein, Mehrweg zu nutzen, als eine Verpackung einfach im Müll zu entsorgen. Daher brauchen wir geringe Pfandbeträge, eine einfache Behälterausleihe und eine unkomplizierte Rückgabe. Alles muss skalierbar sein. Bisher gibt es noch zu viele Insellösungen.“

Pia Schnück, Head of Sustainability bei der REWE Group

In einem Pilotprojekt geht Rewe jetzt noch einen Schritt weiter und testet neue Unverpacktstationen. Die angebotenen Trockenprodukte des Rewe-Biosortiments können dort nicht nur in Mehrwegbehälter abgefüllt werden, auch die Großbehälter in den Stationen werden immer wieder genutzt und von den Lieferanten erneut befüllt. „Das Thema Recyclingfähigkeit spielt bei Mehrweg eine eher untergeordnete Rolle, es macht nur etwa sieben Prozent der Gesamtbilanz aus. Die Anzahl der Umläufe ist hier von wesentlicher Bedeutung“, sagt Pia Schnück.

Aus Sicht des Verpackungshandels berichtete Claudia Schuh von Lorentzen & Sievers über die Schwierigkeiten, allen gesetzlichen Vorschriften gerecht zu werden. Das Unternehmen vertreibt Obst- und Gemüseverpackungen aus PET und PP des italienischen Herstellers Infia. Jede von L&S gelieferte Mono-A-PET-Schale verfügt beispielsweise über einen Mindestanteil von 80 Prozent PCR.

„Über die Weiterentwicklung von Technologie und Prozessen könnte das PET-Recycling wirtschaftlich interessanter werden und über politische Stellschrauben sollte das Zukunftspotenzial gefördert werden.“

Claudia Schuh, Lorentzen & Sievers

Auch der Lebensmitteleinzelhandel könnte das Recycling fördern, indem temporär entstehende Mehrkosten durch Marketingmehrwert kompensiert werden. Und über mehr Kommunikation mit den Endkonsumenten könnten kreislauffähige Kunststoffe nachgefragt und der Mengenstrom stabilisiert werden. Weniger ökologische Alternativen würden dann eingedämmt.

Im Mittelpunkt der anschließenden Podiumsdiskussion stand die Zukunft der Papierverpackung. Packmittelhersteller, Sortierer, Recycler sowie der Sprecher der Initiative „Mülltrennung wirkt“ beleuchteten das aktuelle Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Bei den Best-Practice-Beispielen schließlich stand unter anderem die neue Waschmittelverpackung der Aldi-Gruppe im Fokus. Die Eigenmarke Tandil wird seit Kurzem in einer grauen Verpackung aus Rezyklat angeboten, die in einem gemeinsamen Projekt von Aldi Nord und Aldi Süd entwickelt wurde.

Rezyklat kommt auch bei einer neuen Tube von Linhardt zum Einsatz, die in diesem Jahr mit dem Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit ausgezeichnet wurde. Sie besteht zu 70 Prozent aus PCR und wurde mit einem eigens konzipierten Verschluss ausgestattet, der die Tubenschulter als Unterteil nutzt und so das Gewicht noch einmal deutlich reduziert – bei der 200-Milliliter-Tube wird eine Materialreduzierung um 70 Prozent erreicht. Gleichzeitig wurde die Restentleerbarkeit verbessert. „Alles, was am Ende in der Tube verbleibt, gelangt in die Recyclinganlage und stört dort“, sagt August Wanninger, bei Linhardt zuständig für „Sustainability & Innovation“.

Aus dem Magazin - Weitere Meldungen

In der Faltschachtel Battpack mit der mobilen Trennwand geraten volle und entleerte Batterien nicht mehr durcheinander.

Battpack: Nie wieder Batterienchaos

Leonie Theurer hat eine ebenso einfache wie innovative Lösung entwickelt, die es erlaubt, entleerte und volle AA-Batterien in einer einzigen Verpackung getrennt voneinander aufzubewahren. Dafür gab es einen Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachwuchs und einen der begehrten Gold Awards.
Weiterlesen »
aimpower künstliche Intelligenz

Potenzial von KI im Verpackungsdesign

Von der Verpackung zum Kauf – was passiert im Gehirn? Neurowissenschaftliche Erkenntnisse machen die relevanten Erfolgsfaktoren für passgenaues Package Design nachvollziehbar. Künstliche Intelligenz (KI) wird zum Assistenten im Designprozess und spart Zeit sowie Ressourcen.
Weiterlesen »