Die österreichische papierverarbeitende Industrie hat 2025 erneut einen Rückgang verzeichnet. Wie der Fachverband Propak mitteilte, sank der Produktionswert um drei Prozent auf 2,23 Milliarden Euro. Eine gleichzeitig veröffentlichte Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts EcoAustria sieht die Branche zunehmend durch steigende Kosten und eine schwache Produktivitätsentwicklung belastet.
Trotz des schwierigen Umfelds fiel der mengenmäßige Rückgang mit 1,2 Prozent vergleichsweise moderat aus. Besonders betroffen waren Produkte außerhalb des Verpackungsbereichs, deren Produktionswert um 4,4 Prozent sank. Im Verpackungssegment lag das Minus bei 1,9 Prozent. Die Exportquote blieb mit rund 80 Prozent hoch, die Ausfuhren gingen jedoch leicht um 0,4 Prozent zurück. Die Beschäftigung entwickelte sich stabil, während die Zahl der Lehrlinge um 2,6 Prozent zunahm.
Studie sieht deutliche Standortnachteile
Im Auftrag von Propak untersuchte EcoAustria die Wettbewerbsfähigkeit der Branche im internationalen Vergleich. Demnach stiegen die Lohnstückkosten in Österreich zwischen 2017 und 2025 um rund 37 Prozent. Im Euroraum lag der Anstieg bei rund 27 Prozent, in der Schweiz bei lediglich sechs Prozent.
Gleichzeitig entwickelte sich die Arbeitsproduktivität deutlich schwächer als in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern. Während sie in Österreich seit 2017 um rund vier Prozent zulegte, verzeichneten Polen ein Plus von 25 Prozent, die Slowakei von 20 Prozent und Ungarn von 17 Prozent. In der Propak-Industrie selbst ist die Produktivität laut Studie seit 2021 rückläufig.
„Die Studie zeigt, dass die österreichischen Unternehmen nicht nur mit schwächerer Nachfrage, sondern auch mit einer deutlich ungünstigeren Kosten- und Produktivitätsentwicklung konfrontiert sind. Gerade für eine stark exportorientierte Industrie ist das ein gravierender Standortnachteil.“
Monika Köppl-Turyna, Direktorin von EcoAustria
Marktanteile in wichtigen Exportländern rückläufig
Deutschland blieb 2024 mit Exporten im Wert von 445,9 Millionen Euro der wichtigste Absatzmarkt der österreichischen Papierverarbeiter. Es folgen die Schweiz, Polen, Ungarn und Tschechien. Allerdings verlor Österreich in mehreren Kernmärkten Marktanteile. In Deutschland sank der Anteil österreichischer Anbieter zwischen 2017 und 2024 von 10,3 auf 8,0 Prozent.
Nach Angaben von EcoAustria konnten Wettbewerber aus Polen, China, Italien und Spanien ihre Position in mehreren Märkten ausbauen. Die Studie sieht darin einen Hinweis auf zunehmenden Kostendruck im internationalen Wettbewerb.
Verpackungen bleiben Innovationsfeld
Die Branche setzt weiterhin auf neue Verpackungslösungen aus Papier und Karton. Diese könnten in verschiedenen Anwendungen Kunststoff ersetzen. Nach Angaben von Propak verbessert die derzeitige Preisentwicklung bei Kunststoffen die Wettbewerbsposition papierbasierter Verpackungen.
Auch digitale Anwendungen gewinnen an Bedeutung. Genannt werden unter anderem QR-Codes für zusätzliche Produktinformationen, fälschungssichere Etiketten mit Hologrammen sowie digitalisierte Bestell- und Freigabeprozesse.
PPWR sorgt für zusätzliche Belastungen
Kritisch bewertet Propak die zunehmende Regulierungsdichte. Insbesondere die Europäische Verpackungsverordnung PPWR bringe zusätzliche Dokumentations- und Berichtspflichten mit sich. Nach Angaben des Verbandes seien zudem zahlreiche Rechtsakte zur praktischen Umsetzung noch nicht verabschiedet.
Für das laufende Jahr erwartet die Branche keine grundlegende Trendwende. Propak fordert deshalb Maßnahmen zur Stärkung des Industriestandorts und verweist insbesondere auf die Entwicklung der Arbeitskosten im internationalen Vergleich.
Quelle: Propak






