Altplastik aus dem Gelben Sack kaum genutzt?

Altplastik aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne
Gelber Sack bzw. Gelbe Tonne sind Teil des Dualen Systems in der deutschen Abfallwirtschaft. (Bild: Shutterstock/franconiaphoto)

Offenbar wird Altplastik aus dem Gelben Sack in Wirklichkeit kaum genutzt. Stattdessen nimmt laut Süddeutscher Zeitung der Import von billigem Rezyklat aus Asien zu. Das Unternehmen Werner & Mertz fordert finanzielle Anreize für den Einsatz von Post-Consumer-Rezyklat (PCR) und lückenlose Gesetze.

Es sei ein weiterer Skandal zum Thema Plastikrecycling, berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) : Statt vermehrt Altplastik aus der Quelle Gelber Sack zu nutzen, nimmt der Import von billigem „Rezyklat“ aus Asien immer weiter zu – ohne überprüfen zu können, ob es sich dabei tatsächlich um recyceltes Material handelt.  „Vieles davon könnte gefälscht sein“, zitiert die SZ Antonello Ciotti, Direktor von Equipolymers, einem der größten PET-Hersteller in der EU. Sein Fazit: „Beim Einkaufen könnten die Verbraucher Opfer von Greenwashing werden.“

Reinhard Schneider, Inhaber des Mainzer Reinigungsmittelherstellers Werner & Mertz, bekräftigt diese Aussage im Artikel: „Die Gefahr, dass Verbraucher irregeführt werden, ist hier sehr groß. Es ist wie bei der Geldwäsche, die Herkunft des PET ist nicht transparent. Sie lässt sich im Handumdrehen verschleiern.“

Falsch deklariertes Rezyklat führt Recyclingquoten ad absurdum

Doch nicht nur stellen falsche Deklarationen ein massives Problem für Verbraucher beim täglichen Einkauf dar, für die Hersteller von recyceltem PET in Europa ist die Billigware aus Asien ebenfalls ein großes Problem – durch den massiven Preiskampf geraten letztendlich sämtliche Bemühungen zur Förderung und Erhöhung der Recyclingquote in Europa in Gefahr.

Advanced Mechanical Recycling aus dem Gelben Sack ist möglich 

Werner & Mertz setzt sich bereits seit 2012 im Rahmen der Recyclat-Initiative mit Kooperationspartnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette für hochwertiges mechanisches Recycling aus der Quelle Gelber Sack ein und zeigt immer wieder, dass es technologisch gesehen sehr wohl möglich ist, gleichwertige Verpackungen aus sogenanntem Post-Consumer-Rezyklat  herzustellen: Seit 2014 bestehen die PET-Flaschen der bekannten Marke Frosch aus 100 Prozent PCR, davon 20 Prozent aus der Quelle Gelber Sack.

Die restlichen 80 Prozent stammen aus der europäischen Getränkeflaschensammlung (Bottle to Bottle). Über 450 Millionen solcher Flaschen sind bislang in den Handel gekommen. Nun konnte das Unternehmen vor Kurzen einen weiteren Recycling-Erfolg vermelden: Zusammen mit dem Kooperationspartner Alpla ist es gelungen, den Anteil an Rezyklat aus dem Gelben Sack auf 50 Prozent zu erhöhen.

Rezyklat aus Altplastik aus dem Gelben Sack zu teuer

Doch die höheren Kosten für Rezyklat aus dem Gelben Sack im Vergleich zu Neuware zu zahlen, dazu ist außer Werner & Mertz kaum ein Unternehmen bereit. Stattdessen wird oft reines Greenwashing betrieben, wie der SZ-Artikel aufzeigt.

Neben der Herkunft des vermeintlichen Rezyklats führt die SZ als weiteres Problem die Art des Recyclingverfahrens an: Immer mehr Unternehmen, darunter die BASF, praktizieren vermehrt sogenanntes chemisches Recycling, das  –  so Werner & Mertz-Inhaber Schneider im Artikel – „eher eine Unterart der Verbrennung ist, die sehr viel Energie verbraucht und unterm Strich eine negative Ökobilanz aufweist.“ Mehrere europäische Umweltverbände haben deshalb in einer gemeinsamen Studie davor gewarnt, dieses Verfahren als umweltschonend einzustufen.

Forderung nach finanziellen Anreizen und lückenlosen Gesetzen 

Für das Herstellerunternehmen Werner & Mertz gibt es deshalb gleich mehrere Stellschrauben, die dringend nachjustiert werden müssten: Zum einen fordert Werner & Mertz, dass von Seiten des Gesetzgebers finanzielle Anreize für den Einsatz von PCR geschaffen werden, um die Müllmenge zu reduzieren sowie einen klimaschonenden Plastikkreislauf zu erreichen.  Das Unternehmen setzt sich für die Schaffung eines Fonds ein, in den alle Inverkehrbringer einzahlen müssen und nur diejenigen, die Post Consumer Rezyklat aus Europa einsetzen, erhalten eine Rückzahlung. So könnte dem Preiskampf Abhilfe geschaffen werden.

Zum anderen bedarf es lückenloser Gesetze, die ganz klar definieren, was als Rezyklat gelten darf und was nicht. Dazu müsse in der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes ganz klar geregelt werden, dass nur mechanisch aufbereitetes Altplastik aus Endverbraucher-Sammlungen als Rezyklat verstanden wird.

 

RAL-Gütezeichen

Das RAL Gütezeichen gibt den Anteil von Rezyklat aus der Quelle Gelber Sack an der gesamten Verpackung an. Für die Verpackung von emsal Parkett ergibt sich: Flasche (100% Rezyklat aus der Quelle Gelber Sack) mit Verschluss und Etikett (jeweils 0% Rezyklat ) = 84% Gesamtanteil Rezyklat . (Bild: Werner & Mertz)

Verbraucher haben nur wenige Möglichkeiten zur Überprüfung  

Unabhängige Siegel, auf die sich Verbraucher verlassen können, gibt es leider nur sehr wenige. Das RAL-Gütezeichen „%-Recycling-Kunststoff“ ist eines davon. Es gibt an, wie viel Rezyklat tatsächlich aus dem Gelben Sack stammt. Dabei werden alle Prozessstufen – von der Sortierung über die Aufbereitung bis hin zum Einsatz der Rezyklate in den einzelnen Produkten – dokumentiert und alle Produktionsstandorte überprüft. Außerdem können Verbraucher den Flaschenhals der Verpackung überprüfen: Ist dieser gräulich verfärbt, weise das auf den Einsatz von Rezyklat hin.

Quelle: Werner & Mertz