Etimex: Nachhaltige Primärverpackungen

Martin Rank, Leiter Vertrieb und Marketing, Etimex Primary Packaging. (Bild: Etimex)
Martin Rank, Leiter Vertrieb und Marketing, Etimex Primary Packaging. (Bild: Etimex)

Etimex Primary Packaging stellt am Standort in Dietenheim bei Ulm Primärverpackungen aus Kunststoff her. Dabei kommen überwiegend Monomaterialien zum Einsatz, die dafür sorgen, dass Schalen, flexible Folien, Tiefzieh- und Pharmafolien voll recyclingfähig sind. 

Etimex wurde 1950 in Stuttgart als Handelsfirma für Industriegarne gegründet. 1956 kam die Kunststoffverarbeitung von PE zu Folien und Beuteln als zweiter Schwerpunkt hinzu. Heute verfügt das Unternehmen über Technologien wie Extrusion, Thermoformen und Spritzgießen und bietet seinen Kunden alles aus einer Hand: von der ersten Idee über die Designentwicklung, die Prototypenfertigung, den Pilotwerkzeug- und Werkzeugbau bis hin zur Produktion und Auslieferung. So entstehen Verpackungen für Lebensmittel, Tiernahrung, Babynahrung, Convenience und Pharmazie. Umweltgerechte Lösungen und nachhaltige Produktionsbedingungen sind dabei wesentlicher Bestandteil der Unternehmensstrategie. Wir haben mit Vertriebs- und Marketingleiter Martin Rank über die Zukunft von Kunststoff, die Vorteile von Monomaterialien und das Image von Kunststoffverpackungen gesprochen.

pj: Herr Rank, die Stimmung gegenüber Kunststoffverpackungen ist schlecht. Was entgegnen Sie kritischen Verbrauchern?

Martin Rank: Ich würde die Stimmung gegenüber Kunststoff nicht als schlecht bezeichnen, aber es wird zu einseitig gegen Kunststoff argumentiert. Kunststoffe haben ihre Daseinsberechtigung und werden diese auch in Zukunft haben, denn es handelt sich um ein hervorragendes Material, mit dem man nur richtig umgehen muss. Für viele verpackte Produkte, vor allem Lebensmittel, gibt es derzeit keine echte Alternative. Unsere Kunststoff-Monomaterialien sind zu 100 Prozent recyclingfähig – diese Vorteile müssen stärker kommuniziert werden. Hier sind die Verbände gefragt, aber auch die Kunststoff verarbeitende Industrie, die Verpackungshersteller und die Medien. In der öffentlichen Diskussion wird bisher leider nicht objektiv über Kunststoffe berichtet. Es ist also dringend Aufklärungsarbeit von allen Seiten nötig. Kunststoff sollte nicht grundsätzlich schlecht dargestellt werden. Das wird dem guten, vielseitigen Rohstoff einfach nicht gerecht. 

pj: Etimex hat bereits eine Reihe umweltgerechter Verpackungslösungen aus Monomaterial im Programm. Werden herkömmliche Materialverbunde in Zukunft verschwinden?

Martin Rank: Wir haben eine klare Strategie, wie Primärverpackungen in Zukunft aussehen sollen. Dazu gehört die Überzeugung, dass sämtliche Monomaterialien eine erfolgreiche Zukunft haben werden. Materialverbunde, die nicht recyclingfähig sind, werden es dagegen sehr schwer haben, sich künftig noch am Markt zu behaupten. Etimex hat sich hier schon sehr früh positioniert und bereits seit über 25 Jahren PP-Monomaterial mit oder ohne Barrierefunktion im Portfolio. Eine zukunftsweisende Lösung, die zu 100 Prozent recyclingfähig ist.

pj: Stichwort Nachhaltigkeit: Ihr Unternehmen engagiert sich, nicht nur die Produkte, sondern auch die Produktion und das Arbeitsumfeld umweltgerechter zu gestalten. Wie sieht das im Einzelnen aus? 

Martin Rank: Umweltschutz und nachhaltige Energiepolitik haben für uns einen hohen Stellenwert. Wir betrachten immer wieder unser eigenes Handeln und halten beispielsweise die Mitarbeiter dazu an, Energie zu sparen, so wie sie es auch zu Hause tun. Im Unternehmen haben wir auf energiesparende LED-Technik umgestellt, die für einen minimierten Stromverbrauch sorgt. Seit mehr als 20 Jahren setzen wir für die Kühlwasserversorgung unserer Verformungsanlagen Grundwasser ein und nutzen die anfallende Abwärme zum Heizen. Wir setzen wiederverwendbare Leihverpackungen ein und verwerten produktionsbedingte Kunststoffreste. Das Unternehmen ist nach ISO 14001 zertifiziert, und wir betreiben ein nach DIN EN ISO 50001 zertifiziertes Energiemanagementsystem. 

pj: Setzen Sie in der Produktion auch Rezyklat ein?

Martin Rank: In unseren Produkten wird derzeit noch kein Rezyklat verwendet. Aber wir recyceln 100 Prozent der Stanzgitter, die bei der Herstellung von Menüschalen entstehen, und verwenden dieses Material erneut. Somit fällt kein Abfall in der Produktion an. Aktuell ist ein Projekt in der Entwicklung, das sich „Circular PET“ nennt. Es geht dabei um einen chemischen Prozess für die Wiederverwertung von PET-Verpackungen, der den unendlichen Einsatz des Materials ermöglicht. Die ersten Testläufe sind noch für Ende 2019 geplant.

pj: Eine Ihrer Neuentwicklungen sind sortierbare schwarze Schalen. Wie funktioniert dies? 

Martin Rank: Detektierbare Lösungen aus CPET und PP sind hochinteressant für die Zukunft. Derzeit werden schwarze Schalen von den Nahinfrarotscannern der Sortieranlagen nicht erkannt. Unsere neuen CPET- und PP-Schalen können durch den Einsatz eines speziellen Masterbatchs von Nahinfrarotlicht (NIR) erfasst werden und lassen sich so im Recyclingprozess identifizieren. Vereinfacht gesagt wurde die Farbe der Schalen minimal verändert. Tests haben ergeben, dass 98 Prozent der Schalen mit der veränderten Farbe in den Sortieranlagen detektiert wurden. Das ist ein hervorragendes Ergebnis. Und es ist ein klares Statement zum Thema Verpackungsverordnung – schwarze PP- und CPET-Schalen sind jetzt detektierbar und recycelbar. Die Einsatzmöglichkeiten bleiben dabei natürlich unverändert.

pj: Viele Ihrer Produkte werden in der Lebensmittelindustrie eingesetzt. Wie lassen sich umweltfreundliche Folien aus Monomaterial und die gewünschte lange Haltbarkeit der sensiblen Packgüter vereinbaren? 

Martin Rank: Barrierefunktionen und Monomaterialien gehen gut zusammen: Wir nutzen EVOH, weil es die besten Barriereeigenschaften gegen Sauerstoff und Wasserdampf besitzt. Da die EVOH-Sperrschicht weniger als fünf Prozent ausmacht, gilt das Material als Einstofflösung. Wir geben Lebensmittelproduzenten damit einen Mehrwert an die Hand, wie sie ihre Produkte umweltgerechter verpacken können, ohne die Haltbarkeit zu beeinträchtigen. 

pj: Etimex stellt auch Tiefziehfolien für die Pharmaindustrie her. Gibt es in dieser Branche ebenfalls einen Trend zu mehr Nachhaltigkeit? 

Martin Rank: Der Pharmamarkt ist derzeit noch eher konservativ. Ich bin aber überzeugt, dass man auch hier zukünftig auf PVC und Aluminium verzichten wird und mehr Monomaterialien einsetzt. Mittelfristig werden Veränderungen stattfinden. Etimex ist schon heute darauf vorbereitet: Wir produzieren bereits aluminiumfreie PP-Einstoff-Blister und haben weitere Lösungen entwickelt. Damit können wir sofort umstellen, wenn ein Kunde dies wünscht. 

pj: Woran arbeiten Sie derzeit?

Martin Rank: Wir erweitern gerade das Angebot im Bereich Tiefziehfolie und Menüschale. Dazu haben wir eine neue PP-Siegelfolie entwickelt, die demnächst unser Portfolio ergänzen soll. Es handelt es sich ebenfalls um eine 100 Prozent recyclingfähige Einstofflösung. Gerade finden die letzten Testläufe statt, dann wird das Produkt einsatzbereit sein. 

www.etimex-pp.com