Das Verpackungsgesetz greift bereits. In der Verpackungswirtschaft hat es mit dazu beigetragen, das Bewusstsein für recyclinggerechte Verpackungen und die Verbesserung der Sammel- und Sotierinfrastruktur zu steigern. Gleichwohl bleibt noch viel zu tun. Das sagte Dr. Norbert Völl, von „Der grüne Prunkt“ anlässlich eines Vortrags auf der FachPack 2019. Der Pressesprecher des Entsorgungs- und Recyclingspezialisten sprach am Mittwoch, 25. September, vor mehr als 200 Menschen im Forum PackBox. Dabei berichtete er über die Erfahrungen seines Unternehmens mit dem zu Jahreanfang in Kraft getretenen Verpackungsgesetz. Die Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) und das Verpackungsregisters LUCID seien „eine gute Idee“, befand er. Aus Sicht der Entsorger sehe er aber noch Handlungsbedarf. Denn ein Ziel des Gesetzes sei auch gewesen, die Zahl der „Trittbrettfahrer“ - also derjenigen Unternehmen, die ihrer bereits zuvor bestehenden Registrierungspflicht für Verpackungen nicht nachkommen – zu reduzieren.
Online-Händler versäumen bisweilen notwendige Registrierungen
Dass immer noch viele Unternehmen ihre in Umlauf gebrachten Verpackungsmengen nicht meldeten, schließt Dr. Völl aus einem Vergleich der insgesamt auf den Markt gebrachten Mengen – laut Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung sind dies etwa 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr – und den bei LUCID gemeldeten Verpackungen – cirka 1,8 Millionen Tonnen. Unter anderem weise diese Differenz darauf hin, dass nach wie vor nicht alle Unternehmen ihrer Registrierungspflicht nachkämen. LUCID verzeichne derzeit etwa 170.000 „Inverkehrbringer“. Erwartet worden seien ursprünglich aber mehr 700.000. Immer wieder wies Dr. Völl aber darauf hin, dass die Aufklärung der Verbraucher wie auch der Inverkehrbringer von Verpackungen noch mangelhaft seien. So sei davon auszugehen, dass ein großer Teil der versäumten Registrierungen in LUCID auf Unkenntnis beruhen könnten. Der grüne Punkt glaube, dass „ein großer Problembereich der Onlinehandel ist.“ Gerade kleineren Händlern sei nicht bewusst, dass sie nicht nur die Versandverpackungen melden müssten, sondern auch die Produktverpackungen ihrer Lieferungen.Kommunen erhalten 20 Millionen Euro für Informationskampagnen
Auf Verbraucherseite wiederum hapere es an der korrekten Abfallsortierung: „Wir haben relativ viel Restmüll in den gelben Säcken.“ Die Folge: Man gewinne aus den Hausmüllsammlungen zu wenig Wertstoffe, um ausreichend „Post-Consumer-Rezyklat“ (PCR) herzustellen. Der Grüne Punkt stelle den Kommunen jedes Jahr 20 Millionen Euro für Aufklärungsmaßnahmen zur Abfalltrennung zur Verfügung. Viele Städte und Gemeinden setzten dieses Geld sehr sinnvoll ein. Trotzdem bleibe die Mülltrennung fehleranfällig, wirke oft unlogisch und sei auch nicht bundesweit einheitlich geregelt. Als Beispiel führte Dr. Völl an, dass Farbeimer aus Polypropylen in den gelben Sack gehörten. Putzeimer aus demselben Material würden wiederum über den Restmüll entsorgt.„Wir haben in Deutschland keine einheitliche Infrastruktur. Sie haben zum Beispiel in der Stadt München keinen gelben Sack und keine gelbe Tonne.“ Dr. Norbert Völl, Pressesprecher „Der Grüne Punkt“Einheitliche Regelungen für den Umgang mit Kunststoffabfällen seien sinnvoll. Ideal sei eine Wertstofftonne in kommunaler Regie, an deren Kosten sich die Dualen Systeme beteiligen sollten. Entsprechende Verhandlungen mit den Kommunen seien aber kompliziert.
