Wie gut werden kompostierbare Folien im Boden wirklich abgebaut?

Ein deutsch-österreichisches Projekt untersucht, wie sich kompostierbare Kunststofffolien im Boden abbauen. Ziel ist es, die Umweltverträglichkeit dieser Materialien besser zu verstehen.
(Bild: Shutterstock/Piyaset)

Die Frage, wie sich kompostierbare Kunststoffe in der Umwelt verhalten, gewinnt zunehmend an Bedeutung. Ein neues deutsch-österreichisches Forschungsprojekt widmet sich der Untersuchung der biologischen Abbaubarkeit von Partikeln aus kompostierbaren Kunststofffolien unter realistischen Bedingungen im Boden. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie schnell sich diese Fragmente, die über den Kompost in den Boden gelangen könnten, biologisch abbauen.

Zertifiziert kompostierbare Bioabfall-Sammelbeutel sind in vielen Haushalten bereits im Einsatz. Sie erleichtern die hygienische Sammlung von Küchenabfällen und deren Transport zur Biotonne. In Österreich sind seit 2020 sehr leichte Kunststofftragetaschen verpflichtend kompostierbar. Diese Taschen können zunächst als Einkaufstaschen für loses Obst und Gemüse dienen, anschließend zur Frischhaltung der Lebensmittel verwendet und schließlich für die Sammlung und Entsorgung von Bioabfällen genutzt werden. In Deutschland sind kompostierbare Bioabfallbeutel für die Sammlung und Entsorgung von Biogut grundsätzlich erlaubt, sofern sie die Anforderungen der Bioabfallverordnung erfüllen. Dazu gehört, dass die Beutel innerhalb von sechs Wochen in Kompostieranlagen abbauen und in Fragmente kleiner als zwei Millimeter zerfallen.

Zielsetzung des Projekts

Das Forschungsprojekt, das vom österreichischen Bündnis Mikroplastikfrei und der deutschen Initiative natürliche Kreislaufwirtschaft (INAK) koordiniert wird, untersucht, inwiefern Folienfragmente, die im Kompost verbleiben, unter realen Bedingungen im Boden weiter biologisch abgebaut werden. Dabei wird die Verstoffwechselung durch Bodenmikroorganismen quantifiziert. Zwei Bioabfallbehandlungsanlagen, ein Kompostwerk in Österreich und eine Vergärungsanlage mit nachgeschalteter Kompostierung in Deutschland, verarbeiten zertifiziert industriell kompostierbare Folien im Rahmen der Routineprozesse. Die daraus erzeugten Komposte, die entsprechende Fragmente enthalten, werden auf Böden aufgebracht. Über einen Zeitraum von 24 Monaten werden regelmäßig Proben entnommen, um den Abbau der verbliebenen Partikel zu verfolgen.

Mikroplastik in Böden reduzieren

Das Projekt bringt Partner aus Wissenschaft, Materialherstellung und der Bioabfallbehandlung zusammen. Beteiligt sind renommierte Forschungseinrichtungen wie die Universität Wien, die Universität für Bodenkultur Wien (BOKU) und die ETH Zürich. Ein interdisziplinär besetzter Beirat mit Fachleuten aus Abfallwirtschaft, Kompost- und Erdenwirtschaft sowie Wissenschaft und Politik begleitet das Projekt eng, um die Erfahrungen aller relevanten deutschen und österreichischen Stellen einzubeziehen. „Zertifiziert kompostierbare Kunststoffe können in bestimmten Anwendungen eine Alternative zu herkömmlichen Kunststoffen sein, um den Eintrag von persistentem Mikroplastik in den Kompost und die Böden zu reduzieren“, erklärt Katrin Schwede von INAK.

Bedeutung für die Zukunft

Die Ergebnisse des Projekts sollen dazu beitragen, das Bewusstsein für die Möglichkeiten und Grenzen kompostierbarer Kunststoffe zu schärfen. Sie sollen Kompostanwendern die Auswirkungen im Boden aufzeigen und fundierte Grundlagen für zukünftige regulatorische Entscheidungen schaffen. Durch den Einsatz modernster Analysemethoden und realitätsnaher Bedingungen wird ein umfassendes Verständnis der biologischen Abbauprozesse angestrebt. Das Projekt ist ein wichtiger Schritt, um die Umweltverträglichkeit kompostierbarer Kunststoffe besser zu verstehen und deren Einsatz in der Praxis zu optimieren.

Quelle: Initiative natürliche Kreislaufwirtschaft