Mit dem „Smart Cap“ bringt Packwise IBCs ins „Internet of things“

Die Geschäftsleitung von Packwise (Bild: Packwise GmbH)
René Bernhardt, Gesche Weger und Felix Weger (v. l. n. r.) und Entwickler René Bernhardt treiben die Entwicklung des „Packwise Smart Cap“ voran. (Bild: Packwise GmbH)

Intermediate Bulk Container (IBCs) sind wahre Raumwunder. Die 1975 von der Schütz-Gruppe erfundenen, günstig herzustellenden, leichten und praktisch stapelbaren Behälter nutzen Lagerraum wesentlich besser aus als beispielsweise Stahlfässer. Das Dresdner Start-up Packwise GmbH will nun mit dem intelligenten Verschlussdeckel „Packwise Smart Cap“ IBCs in das „Internet of things“ (IoT) einbinden.

Bis zu 20 Millionen IBCs seien weltweit unterwegs, schrieb 2014 die FAZ. Sie haben sich als „das“ Packmittel für Chemikalien, Lebensmittel, Kosmetik und Pharmazeutika durchgesetzt. Das liegt auch an der leichten Entleerbarkeit. Allerdings hat das herkömmliche System Schwächen: Nur vergleichsweise wenige IBCs werden ressourcenschonend gewaschen und wiederverwendet. Meist wird die Kunststoffinnenblase einfach komplett getauscht.
Die praktischen Container könnten noch wesentlich effizienter genutzt werden, wenn sie in intelligente, hersteller- und marktübergreifende Kreisläufe eingebunden würden, meint die Packwise GmbH. Noch seien zu wenige IBCs in Bewegung und stünden stattdessen ungenutzt und leer bei den Kunden herum. Das Team um Geschäftsführerin Gesche Weger und Produktentwickler Felix Weger bereitet gerade die Markteinführung des „Packwise Smart Cap“ vor, einem einfach nachrüstbaren Verschlussdeckel mit IoT-Funktionalität. Gerade Unternehmen der Pharma- und Chemieindustrie sollen davon profitieren.

Packwise Smart Cap (Bild: Packwise GmbH)

Der Packwise Smart Cap kann bei Kombi-Edelstahl-IBCs jederzeit leicht nachgerüstet werden (Bild: Packwise GmbH).

Packwise wurde bereits 2017 mit dem Ziel gegründet, das IBC-Kreislaufsystem mithilfe der Digitalisierung zu optimieren. Zunächst entwickelte man die IT-Infrastruktur für einen Online-Marktplatz. Die Idee dahinter: Statt einzelne, herstellerabhängige Kreislaufsysteme zu nutzen, sollten die Kunden die Großpackmittel zum jeweiligen Tagespreis entleert abgeben können. Packwise würde über ein Dienstleisternetzwerk die Abholung, die Rekonditionierung und die Lieferung koordinieren. Schon damals wurde ein intelligenter Verschlussdeckel mit IoT-Fähigeiten konzipiert, der in Echtzeit automatisierte Informationen zum Standort und zum Füllstand eine IBCs liefern sollte.



Reges Interesse der Pharma- und Lebensmittelbranche

Je mehr Unternehmen das Packwise-Angebot nutzten, desto deutlicher wurde Felix Weger die Bedeutung des Smart Cap: „Gerade Kunden aus der Pharma-, Kosmetik- und Chemiebranche bieten wir damit einen Service, den es in dieser universellen Form noch nicht gab.“ Gesche Weger ergänzt: „Mit den Smart Caps optimieren unsere Kunden ihre IBC-Logistik. Bisher beauftragten Unternehmen, die befüllte Container erhalten hatten, den Lieferanten jeweils separat damit, einen leeren IBC wieder abzuholen. Diese Meldung geschieht nun automatisiert.“ Der gesamte Prozess werde beschleunigt. Sobald ein Behälter geleert sei, erhalte der Abfüller eine automatische Nachricht und könne seine Disposition darauf abstimmen.

Intermediate Bulk Container (Bild: Packwise GmbH)

Intermediate Bulk Container (IBC) stehen heute zu 80 Prozent ihrer Lebenszeit entleert und ungenutzt auf Lager (Bild: Packwise GmbH).

Mindestens genauso wichtig wie die Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung sind die Smart Cap Features für die Produktrückverfügung und die Qualitätssicherung. Über die gesamte Lieferkette hinweg liefert der Smart Cap Informationen zum Standort des Containers, zum Füllstand und zur Temperatur – und zwar per „Plug & Play“. Denn er kann einfach ohne weiteren Aufwand auf vorhandenen IBCs angebracht werden.

Mit dem Deckel mit Mehrwert könnten die Abfüller außerdem neue Geschäftsmodelle realisieren, erklären die Entwickler. Weil kontinuierliche Informationen zum Füllstand abgerufen werden können, werden Pay-per-Use-Angebote genauso möglich wie Verträge, in denen beispielsweise Chemikalienhersteller ihren Kunden zusichern, dass immer eine gewisse Menge bestimmter Substanzen verfügbar sein wird.

Mobile Datenübertragung in Echtzeit

Die Intelligenz kommt über eine ausgefeilte Sensorik sowie zahlreiche mobile Kommunikationsschnittstellen in die Smart Caps. Alle Geräte sind mit einem GSM-Modul und einer Mobilfunk-SIM-Karte ausgestattet. Quasi weltweit können sie sich somit in drahtlose Telekommunikationsnetze einwählen. Außerdem sind GPS-, Bluetooth- und WLAN-Schnittstellen an Bord. „Die Gerätesoftware ist so programmiert, dass sie immer die jeweils günstigste Option für den mobilen Informationsaustausch wählt“, erläutert Felix Weger.

Neben Positions-, Füllstands- und Umgebungstemperatursensoren verfügen die kommunikativen Verschlüsse außerdem über Beschleunigungssensoren. Damit könne in Echtzeit festgestellt werden, ob ein Behälter einer Schockbelastung ausgesetzt gewesen und in der Folge möglicherweise beschädigt worden sei. Gleichermaßen ließen sich über Temperaturinformationen Rückschlüsse ziehen, ob eine bestimmte Substanz immer in den für die sichere Nutzung definierten Umgebungsbedingungen gelagert wurde.

Positions- und Füllstandsdaten erleichtern wiederum die Logistikplanung und gestatten außerdem die lückenlose Nachverfolgung eines Containers über die Supply Chain hinweg. Selbst innerbetrieblich steigert die fortlaufende Information über den Containerstandort die Produktionseffizienz, führt Felix Weger aus. Jederzeit lasse sich per Micro-Location-Tracking ermitteln, ob ein Container noch in der Waschanlage oder bei der Instandsetzung sei oder ob er bereits auf einem Auslieferungsplatz stehe und wiederbefüllt werden könne.

Schema-Darstellung IBC-Kreislauf mit Packwise Smart Cap (Abbildung: Packwise GmbH)

Das Schema zeigt, dass Packwise über seine Software-Infrastruktur das Tracking von Kombi- und Edelstahl-IBCs zwischen Kunden und Lieferanten ermöglicht (Abbildung: Packwise GmbH).

Datensicherheit wird großgeschrieben

Großen Wert legt Packwise auf die Datensicherheit. Alle Informationen werden verschlüsselt übertragen. Zudem sind sie grundsätzlich unabhängig vom Inhalt eines Containers. Erst über die Koppelung der eindeutigen ID des Smart Cap mit Informationen eines ERP-Systems im Abfüllbetrieb ließen sich Rückschlüsse auf die Inhalte ziehen.

Welchen Nutzen haben Anwender von der Sensorik? Felix Weger nennt ein Beispiel: Liefere ein Abfüllbetrieb einen IBC mit einer verderblichen Flüssigkeit aus und stelle über die Software fest, dass der Container zwar bereits geöffnet, aber nach einer gewissen Zeit noch nicht geleert wurde, könne über den Abgleich mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum gegebenenfalls eine Warnung ausgegeben werden. Mit den gleichen Daten können aber auch Erstöffnungsinformationen erzeugt werden. Denn vielfach endet die Gewährleistung von Abfüllbetrieben mit der ersten Öffnung eines Behälters.

Besonders stolz ist man bei Packwise auf die Zuverlässigkeit der batteriebetriebenen Smart Caps. Mindestens fünf Jahre Nutzungsdauer werden zugesichert. Hinzu kommt, wie Felix Weger betont, ein fast fehlerfreier Betrieb: „Innerhalb von drei Jahren fällt nicht mal ein Promille der Smart Caps aus.“ Natürlich werden die serienreifen Produkte auch über eine UN-Zulassung für Gefahrgutverpackungen verfügen, für Lebensmittelkontakt zertifiziert und für den Einsatz in explosionsgefährdeten Umgebungen zugelassen sein.

Erfolg am Kapitalmarkt

Mit seiner Idee für intelligente IBC-Verschlussdeckel erntete Packwise großes Interesse am Kapitalmarkt. Im vorigen Jahr schloss das Dresdner Start-up eine erste Finanzierungsrunde, um die Entwicklung des Smart Caps voranzutreiben, erfolgreich ab.

Für die Überführung in die Serienreife wurde jetzt eine zweite Finanzierungsrunde durchgeführt. Mit dem Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) fand sich ein „Lead Investor“. Außerdem beteiligen sich die „Family Offices“ Golzern Holding und „Hüttenes hoch drei“. Insgesamt stehen Packwise nach eigenen Angaben eine Million Euro für den weiteren Ausbau der Firmenaktivitäten zur Verfügung.

Bevor für Anfang 2020 die Markteinführung geplant ist, werden noch umfangreiche Praxistests durchgeführt. Daran beteiligen sich vor allem Pharma- und Chemiehersteller, teilt Packwise mit.