Papierbasierte Verpackungen liegen deutlich im Trend

papierbasierte Verpackungen
Mehrere Hersteller entwickeln Papierflaschen, noch sind meist Kunststoffbeschichtungen nötig. (Bild: Jabil)

Papier und Karton gehören derzeit zu den angesagten Verpackungsmaterialien. Wenn wir über Neuentwicklungen wie die Papierflasche berichten, gibt es darauf erstaunlich viele Reaktionen. Daher haben wir den Trend Papierverpackung einmal unter die Lupe genommen und gefragt: Wie nachhaltig ist denn Papier überhaupt?

Seit Kunststoffverpackungen in Verruf geraten sind, suchen Industrie und Handel nach Alternativen. Papier ist am beliebtesten. Aber ist es grundsätzlich umweltfreundlich und ökologisch, in Papier zu verpacken?

Papier ist nicht gleich Papier

Für den Umweltimpakt spielt vor allem die Art des Papiers eine Rolle. Versandkartons aus Wellpappe werden zu rund 75 Prozent auf Altpapierbasis hergestellt, bei Lebensmittelverpackungen sind mehr Frischfasern nötig. Häufig muss mehr Material eingesetzt werden, um einer Verpackung eine vergleichbare Festigkeit zu verleihen. Spezialpapiere oder Kraftliner, Papiersorten von hoher Qualität, schneiden in Bezug auf den CO2-Ausstoß nicht gut ab. Papier ist also ebenso vielseitig wie Kunststoff, daher ist vor jeder Umstellung die Analyse nötig, ob es tatsächlich nachhaltiger ist, ein sortenreines recycelbares Kunststoffmonomaterial durch Papier zu ersetzen.

Verpackung aus Fasern der Silphie

Alternative zu Holz: Aus Fasern der Silphie-Pflanze können nachhaltige Verpackungslösungen produziert werden. (Bild: PreZero)

Alle wollen die Papierflasche …

… im Handel ist sie aber noch nicht angekommen. Berichte über den geplanten Einsatz von Papierflaschen veröffentlichen wir regelmäßig – Carlsberg wollte schon vor einigen Jahren sein Bier darin abfüllen, Diageo hatte den ersten Whisky in der Papierflasche für Anfang 2021 angekündigt. Doch die Johnnie-Walker-Flasche auf Papierbasis kommt noch nicht, das teilte der Abfüller auf Anfrage mit.

Coca-Cola startet immerhin demnächst einen Testlauf mit einem Prototypen, der innen noch kunststoffbeschichtet ist. Mit dem pflanzenbasierten Getränk AdeZ wird die Papierflasche zunächst 2.000 Konsumenten in Ungarn angeboten. Die Flasche wurde gemeinsam mit der The Paper Bottle Company (Paboco) entwickelt, einem Joint Venture zwischen BillerudKorsnäs und Alpla. Paboco arbeitet nach eigenen Angaben an einer Beschichtung aus biobasiertem Material. Dann soll die Flasche zu 100 Prozent recycelbar sein. Eine echte Herausforderung, soll sie doch gegenüber Flüssigkeiten beständig sein und CO2 und Sauerstoff zurückhalten. Sollte das gelingen, könnte sie für kohlensäurehaltige und stille Getränke, aber auch für Kosmetikprodukte und mehr geeignet sein.

Papierflasche von Coca-Cola

Coca-Cola testet bald die erste Papierflasche in Ungarn. (Bild: Coca-Cola)

Körperpflege von L’Oréal ist bereits in der Papierflasche von Ecologic Brands auf dem Markt. Eine Lösung, die bei genauem Hinsehen gar nicht so nachhaltig ist. Die Produkte der Seed-Phytonutrients-Range sind zwar in einer wasserbeständigen Papierflaschenhülle verpackt – und damit auch für den Einsatz in der Dusche geeignet –, das eigentliche Produkt befindet sich aber in einer leichten, dünnwandigen, blasgeformten Kunststoffhülle. Diese starre Monopolymer-Auskleidung besteht zu 80 Prozent aus recyceltem, hochdichtem Polyethylen (HDPE) und ist recycelbar, berichtet die International Molded Fiber Association (IMFA). Immerhin: Äußere und innere Hülle sind nicht verklebt, sondern durch Laschen mechanisch verbunden und damit leicht voneinander zu trennen.

Ohne Beschichtung kommt Papier in den meisten Anwendungen nicht aus. Als Alternative zu herkömmlichen PET- oder PE-Beschichtungen werden recyclingfähige und kompostierbare Beschichtungen entwickelt, etwa aus Stärke. Ist die Beschichtung allerdings dünn genug, wird auch eine kunststoffbeschichtete Papierverpackung als Monomaterial anerkannt. Dann können beispielsweise Papierverpackungen, die nur über eine Beschichtung im Siegelbereich verfügen, über das Altpapier entsorgt und recycelt werden. In Deutschland gilt im Gegensatz zu anderen Ländern eine enge Definition, so muss eine Papierverpackung hierzulande zu mindestens 95 Prozent aus Papier bestehen. In Österreich sind es 85 Prozent und in Schweden nur 50 Prozent, um über den Altpapierstrom recycelt zu werden.

Heimkompostierbares Laminat von BASF

Heim-kompostierbares Papierlaminat für flexible Verpackungen. (Bild: BASF)

Ist Heimkostierbarkeit die Lösung?

Die BASF und der schwedische Verpackungshersteller BillerudKorsnäs haben gemeinsam ein Papierlaminat für flexible Verpackungen entwickelt, das im heimischen Kompost zersetzt werden kann. Der Mehrschichtverbund setzt sich aus drei Komponenten zusammen: dem Papier ConFlex Silk von BillerudKorsnäs, einer Siegelschicht aus dem zertifiziert heimkompostierbaren und teilweise biobasierten BASF-Biopolymer ecovio sowie dem wasserbasierten Klebstoff Epotal Eco, der Folie und Papier verbindet. Alle Bestandteile des Mehrschichtlaminats sind für den Lebensmittelkontakt zugelassen und gemäß offizieller europäischer Zertifizierungssysteme heimkompostierbar. Die Leistungsmerkmale sollen denen mehrschichtiger Standardverpackungen entsprechen: Durchstoßfestigkeit, Bedruckbarkeit und Heißsiegeleigenschaften. Wichtig auch: Die Folie kann auf Standardverpackungsmaschinen verarbeitet werden.

Papier geht auch bei Minustemperaturen

Ein innovatives Projekt hat Frosta umgesetzt und eine reine Papierbeutelverpackung für die Tiefkühltruhe entwickelt, die problemlos im Altpapier recycelt werden kann, einen niedrigeren CO2-Fußabdruck als die bis dahin genutzte Kunststoffverpackung hat und die sich problemlos innerhalb weniger Monate zersetzt, falls sie doch einmal in der Umwelt landen sollte. Der Papierbeutel aus ungebleichtem, ungestrichenem Papier aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft kommt ganz ohne Plastikbeschichtungen oder Folien aus und wird mit wasserbasierten Farben bedruckt. Für die Tiefkühlherausforderungen wird er laut Hersteller mit einem rein physikalischen Verfahren fit gemacht. Nach Gebrauch kann der Beutel restentleert im Altpapier entsorgt werden.

Für die innovative Verpackung bekam das Unternehmen im letzten Jahr einen Deutschen Verpackungspreis in der Kategorie Nachhaltigkeit. Papier ist auch das neue Material für die Verpackung der Frosta-Schlemmerfilets. Früher einzeln in Plastikfolie und in der klassischen Aluschale verpackt, gibt es das Produkt heute in einer Papierschale mit einer dünnen PET-Beschichtung. Das ungestrichene, ungebleichte, naturbraune Papier ist für die Zubereitung im Backofen und in der Mikrowelle geeignet und darf nach Gebrauch ins Altpapier. Pro Jahr spart das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 500 Tonnen Aluminium und 500.000 Quadratmeter Folie.

Faltschachtel mit Stärkebeschichtung

Faltschachtlösung für flixGrün: Dank einer speziellen Mehrfach-Beschichtung aus Stärke ist die Verpackung wasserfest. (Bild: STI Group)

Auch Maschinenbauer stellen auf papierbasierte Verpackungen um

Nachhaltige Verpackungen, mit denen man Kunststoff durch Papier dort ersetzt, wo es möglich ist, sind nicht nur eine Frage der Verfügbarkeit von Materialien. Flexible Verpackungspapiere machen den Kunststoffverpackungen den Platz zwar streitig – den auf der Verpackungsmaschine müssen sie sich mit ihnen zunächst noch teilen. Für die Maschinenbetreiber stehen deshalb Fragen nach Umrüstzeiten, Maschinenumbauten und Prozesssicherheit in der Verarbeitung an erster Stelle. Syntegon Technology kooperiert hier beispielsweise mit Papierherstellern wie Sappi und Koehler Paper. So konnte ein Sappi-Kunde etwa seine bestehenden Schlauchbeutelmaschinen mit dem paper-ON-form Retrofit-Kit von Syntegon ausrüsten und damit von konventionellem auf papierbasiertes Material umsteigen.

Syntegon Maschine verarbeitet Papier

Maschinenbauer und Papierhersteller entwickeln gemeinsam papierbasierte Verpackungslösungen. (Bild: Syntegon Technology)

Auch bei der Koehler Paper Group weiß man, welchen Druck der Konsument aufbaut, wenn es um mehr Nachhaltigkeit geht. Die Entwicklung hin zu mehr Nachhaltigkeit werde zwar umgehend als Revolution gewünscht, sie sei aber nur evolutionär möglich.

„Wir sorgen dafür, dass unsere Kunden ihre bestehenden Maschinen, auf denen bisher Multilayer- und Monomaterialien aus Kunststoff verarbeitet wurden, weiter auch mit Papier nutzen können. Sie wechseln die Rollen – und fertig. Und die Kollegen von Syntegon wissen, wie sie mit Temperatur, Druck, Reibungskoeffizienten, Kanten und Formschultern umgehen müssen. Wir stellen uns in der Papierproduktion darauf ein.“ Alexander Rauer, Produktmanager bei Koehler

Im Getränkemarkt ist Papier als Verpackungsmaterial noch eine Neuheit, stößt aber bei Abfüllern auf großes Interesse, meint KHS und setzt hier auf flexible Anlagen. So verpackt ein neuer Dosenpacker Getränkedosen in Karton, Papier oder Folie. Viele Kunden betrachten das Einschlagen in Papier als eine zusätzliche neue Option, meint der Maschinenbauer. „Wir hatten von Anfang an viele Anfragen für Maschinen, die sowohl Papier als auch Folie verarbeiten können“, erklärt Ernst van Wickeren, Product Manager Packaging bei KHS. „Häufig sind das Abfüller, die Premiumprodukte ebenso anbieten wie eher günstige Getränkevarianten. Die hochwertigen Produkte sollen dann in Papier eingeschlagen werden, während die Gebinde im niedrigeren Preissegment durch Schrumpffolie zusammengehalten werden.“

Jeder Deutsche verbraucht pro Jahr über 240 Kilogramm Papier, Pappe und Karton, etwa 96 Kilogramm davon sind Verpackungen. Damit ist Deutschland weltweit Spitzenreiter. Das Holz für die Faserstoffgewinnung stammt überwiegend nicht aus heimischen Wäldern, sondern wird importiert. Knapp die Hälfte kommt aus Südamerika, davon sind etwa 54 Prozent Eukalyptusholz. 2,2 Tonnen Holz braucht es, um eine Tonne Zellstoff zu gewinnen. Für eine Tonne Recyclingpapier dagegen benötigt man 1,25 Tonnen Altpapier. Auch der Wasserverbrauch liegt hierbei deutlich niedriger als bei der Herstellung von Frischfaserpapier.
Die Quote für den Altpapiereinsatz ist in Deutschland in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Laut UBA produzierte die deutsche Papierindustrie im Jahr 2019 rund 22,1 Millionen Tonnen Papier, Pappe und Kartonagen und setzte dafür rund 17,2 Millionen Tonnen Altpapier ein. Der Altpapieranteil an der gesamten inländischen Papierproduktion lag damit bei rund 78 Prozent.